Wirtschaft

Trotz Enttäuschung bei Delta Lloyd: Börsenaspiranten drängeln

Das Börsenparkett erweist sich als glatter als gedacht.
Das Börsenparkett erweist sich als glatter als gedacht.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Börsenkandidaten in Deutschland drücken angesichts wackliger Aktienmärkte aufs Tempo. Mit dem zweitgrößten Kabelnetzbetreiber Unitymedia drängt neben der Flughafen-Sparte von Hochtief Kreisen zufolge ein weiterer Neuling noch in diesem Jahr an die Frankfurter Börse. Der Berliner Immobilienkonzern GSW könnte im März 2010 folgen, wie eine mit den Planungen vertraute Person sagte. "Das Fenster für Börsengänge könnte sich rasch wieder schließen", sagte ein Experte.

Der niederländische Versicherer Delta Lloyd erlebte am Dienstag ein mäßiges Börsendebüt, die Aktie fiel in Amsterdam um drei Prozent. Der britische Versicherer Aviva als Mehrheitsaktionär von Delta Lloyd erlöst mit dem Börsengang nach Abzug der Kosten nur 995 Mio. Euro, weil die neuen Aktien für je 16 Euro - nahe dem unteren Rand der Zeichnungsspanne - zugeteilt wurden. Aviva hatte sich Einnahmen bis zu 1,3 Mrd. Euro erhofft.

Der Börsengang war dennoch der bisher größte in Westeuropa in diesem Jahr. Analysten sagten, Delta Lloyd habe die Konkurrenz großer Kapitalerhöhungen von Banken zu schaffen gemacht. Delta-Lloyd-Chef Nick Hoek sagte: "Eines der Probleme mit Börsengängen ist, dass sie immer mit einem Hype verbunden sind. Das kann Enttäuschungen verursachen." Die Emission sei zweifach überzeichnet gewesen. 77 Prozent der Einnahmen von Delta Lloyd kommen aus den Niederlanden, die deutsche Tochter in Wiesbaden steht zum Verkauf. Hoek sagte, mit dem Emissionserlös seien auch Zukäufe möglich.

Unitymedia hofft auf halbe Milliarde

Mit Milliardenerlösen ist bei den in Frankfurt geplanten Börsengängen nicht zu rechnen. Die Eigentümer von Unitymedia, BC Partners und Apollo, wollten bis Mitte des Monats über den Börsengang eines Minderheitsanteils im Dezember entscheiden, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen. "Vieles deutet auf grünes Licht hin", sagte ein Insider.

Bilderserie

Es werde ein Volumen von rund einer halben Mrd. Euro angestrebt. Die Bewertungen vergleichbarer Kabelfirmen hätten sich erholt. Die beiden Finanzinvestoren hatten zwei Drittel an Unitymedia im Jahr 2003 gekauft. Damals war Unitymedia mit 2,9 Mrd. Euro bewertet worden. Ein Börsengang war vor einigen Jahren in letzter Minute abgesagt worden. Unitymedia-Chef Parm Sandhu hatte einen Börsengang vor kurzem als attraktive Option bezeichnet. Unitymedia hat 6,2 Mio. Kabel-Abonnenten in Nordrhein-Westfalen und Hessen.

Agenda 2010

In der Finanzkrise hatte praktisch niemand den Sprung aufs Parkett gewagt, in den USA und Asien gibt es aber schon wieder umfangreiche Platzierungen. Die Planungen in Deutschland richten sich zumeist auf das erste Halbjahr 2010 - wie die des Chemikalienhändlers Brenntag, der ebenfalls BC Partners gehört. In diesem Jahr hätte Unitymedia Bankern zufolge im Rennen um das Geld der Investoren weniger Konkurrenz.

Das Berliner Wohnungsunternehmen GSW erwägt Finanzkreisen zufolge ebenfalls einen Gang an die Börse. Eine mit dem Plan vertraute Person sagte Reuters, die Vorbereitungen seien in einem frühen Stadium, ein IPO Ende des ersten Quartals sei aber möglich. Das Unternehmen gehört je zur Hälfte den Finanzinvestoren Cerberus und Whitehall. Es könnte in den Nebenwerteindex MDax einziehen, wo bereits der Konkurrent Gagfah gelistet ist.

Quelle: n-tv.de