Freitag, 22. August 2008
Keine Begnadigung: Chodorkowski chancenlos
Ein Gericht in der russischen Stadt Tschita hat den Antrag des früheren Ölmagnaten Michail Chodorkowski auf Begnadigung nach fast fünf Jahren in Haft abgelehnt. Chodorkowski bleibt eine zehntägige Frist zum Widerspruch. Er war im Herbst 2003 verhaftet worden und verbüßt nach seiner seiner Verurteilung im Mai 2005 im Gebiet Tschita im Fernen Osten eine achtjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung und Betrugs.
Gegen den einstigen Eigentümer des Yukos-Konzerns läuft zudem ein zweites Strafverfahren. Ihm werden darin Unterschlagung und Geldwäsche von über 18 Mrd. Euro zur Last gelegt. Außerdem wird Chodorkowski des "Diebstahls" von 350 Mio. Tonnen Erdöl beschuldigt.
Das Gericht folgte der Argumentation des Staatsanwaltes, wonach im Falle eine Begnadigung Fluchtgefahr bestehe und Chodorkowski zudem Zeugen beeinflussen könne. Die Richter kritisierten im Begnadigungsverfahren, dass Chodorkowski auch weiterhin jegliche Schuld bestreite.
Im Westen wird der Umgang mit Chodorkowski als Maßstab für die demokratischen Ambitionen unter dem neuen Präsidenten Dmitri Medwedew betrachtet. Der Kremlkritiker Chodorkowski sieht sich selbst als Opfer von Machenschaften der russischen Führung.
Chodorkowskis Yukos-Konzern wurde faktisch zerschlagen und 2006 einem Konkursverwalter unterstellt.

