GM und Chrysler uneinigDer Flirt stockt
Die Gespräche zwischen den amerikanischen Autobauern Chrysler und General Motors scheinen ins Stocken geraten zu sein. Uneinigkeit herrscht über den Wert des Automobilgeschäfts des Chrysler-Konzerns. Daimler könnte als Großaktionär von Chrysler mit einer Beteiligung von knapp 20 Prozent eine entscheidende Rolle zukommen.
Der angeschlagene US-Autobauer General Motors und die ehemalige Daimler-Tochter Chrysler verhandeln Kreisen zufolge über einen Zusammenschluss. Die Gespräche über eine Fusion der beiden US-Autoriesen seien aber ins Stocken geraten, weil sie sich nicht über den Wert der defizitären Chrysler-Autosparte einigen konnten, verlautete am Wochenende aus mit der Situation vertrauten Kreisen. Wie die Opel-Mutter GM leidet auch Chrysler unter der Absatzflaute in den USA. Eine zentrale Rolle bei jeder Vereinbarung würde Daimler spielen, da der deutsche Konzern noch immer 19,9 Prozent an Chrysler hält.
Der Chrysler-Haupteigner, der Finanzinvestor Cerberus, habe bereits vor einigen Wochen die Fühler zu GM ausgestreckt, sagten mit der Situation vertraute Personen. Kern des Vorschlags sei ein Anteilstausch, bei dem das Autogeschäft von Chrysler an GM gehen sollte. Cerberus sollte dafür jenen 49-Prozent-Anteil an der GM-Finanztochter GMAC bekommen, der dem Finanzinvestor noch nicht gehört.
Doch GM habe abgewinkt, weil es den Preis für Chrysler für zu hoch angesehen habe. Zudem habe GM davor zurückgescheut, sich bei einer Fusion von überzähligen Fabriken, Händler, Marken und gewerkschaftlich organisierten Arbeitern zu trennen. Einen ersten Anlauf für eine Fusion hatten Chrysler und GM bereits unternommen, als der Stuttgarter Daimler-Konzern seine US-Tochter zum Verkauf stellte.
Daimler will ganz raus
Chrysler hatte Daimler kein Glück gebracht, so dass sich die Stuttgarter 2007 wieder von gut 80 Prozent an Chrysler trennten. Sie verkauften diesen Anteil für 7,4 Milliarden Dollar an Cerberus. Die restlichen 20 Prozent an Chrysler wollen die Stuttgarter auch noch abstoßen und verhandeln darüber derzeit mit Cerberus. Für ebenfalls 7,4 Milliarden Dollar hatte Cerberus GM 51 Prozent des Finanzgeschäfts GMAC abgekauft.
Amerikas Autobauer leiden derzeit massiv unter der Finanzkrise und der Konjunkturflaute. Die Nachfrage nach Autos ist in Amerika so schwach wie seit 15 Jahren nicht mehr. Den Konsumenten fehlt das Geld für den Kauf neuer Wagen und den Herstellern fehlen die Mittel für Investitionen. Die "Großen Drei" aus Detroit - GM, Ford und Chrysler - sind nicht zuletzt deshalb in Schwierigkeiten, weil sie massiv auf die jahrelang populären, aber spritschluckenden Geländewagen gesetzt haben.
Analysten haben bereits seit längerem angezweifelt, ob Chrysler es alleine schafft. Gut 90 Prozent seines Umsatzes macht der US-Hersteller in seinem Heimatmarkt und ist der schweren Krise daher besonders stark ausgesetzt. Bei einer Fusion von GM und Chrysler kämen allerdings zwei Firmen zusammen, die unter den gleichen Schwächen litten.
Ford trennt sich von Mazda
Chrysler erklärte am Samstag, der Konzern prüfe weltweit mehrere Möglichkeiten für Partnerschaften. Eine Stellungnahme zu einer möglichen Fusion mit GM lehnte Chrysler ab. Cerberus und GM wollten sich dazu auch nicht äußern. GM erklärte, Gespräche mit anderen Autobauern gehörten zum Routinegeschäft. Bei Daimler war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Unterdessen plante Ford, seinen Anteil an Mazda aus Japan wohl weitgehend zu verkaufen. Es gehe um das gesamte Anteilspaket von 1,4 Milliarden Dollar oder zumindest um einen Großteil davon, sagte eine über das Vorhaben informierte Person.
Zuvor hatten sowohl Ford als auch GM erklärt, sie lehnten Antrag auf Gläubigerschutz als Weg aus der schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten ab. Die GM-Aktie war am Donnerstag im Zuge des Einbruchs der US-Börsen mit einem Verlust von 31 Prozent auf den tiefsten Wert seit fast 60 Jahren abgestürzt. Erst kürzlich hat die US-Regierung ihrer kriselnden Autoindustrie mit einem 25 Milliarden Dollar schweren Kreditprogramm unter die Arme gegriffen.