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"Jetzt ist Feuer unterm Dach"Deutsche BenQ am Ende

28.09.2006, 12:12 Uhr

Der deutsche Handyhersteller BenQ Mobile ist finanziell am Ende. Das Unternehmen werde in den kommenden Tagen Insolvenzantrag beim Amtsgericht München stellen, sagte ein Sprecher. "Jetzt ist wirklich Feuer unterm Dach."

Weniger als ein Jahr nach dem Verkauf an die taiwanische BenQ ist die ehemalige Handy-Sparte von Siemens finanziell am Ende. Die Münchener BenQ Mobile werde in den kommenden Tagen beim Amtsgericht München Insolvenzantrag stellen, sagte ein Sprecher. "Jetzt ist wirklich Feuer unterm Dach."

Der taiwanische Mutterkonzern BenQ, der die Handysparte von Siemens im vergangenen Oktober übernommen hatte, habe angekündigt, die Zahlungen an die Tochter in Deutschland mit 3.000 Mitarbeitern einzustellen, hieß es weiter. BenQ will die Mobiltelefone der Marke "BenQ Siemens" in Zukunft in Asien produzieren.

BenQ selbst begründete das Zudrehen des Geldhahns mit den steigenden Verlusten in Deutschland. "Seit Oktober 2005 haben wir eine übermäßige Menge an Kapital und Ressourcen in unsere deutsche Mobiltelefontochter gesteckt", sagte Konzernchef K.Y. Lee in Taipeh. "Trotz der Fortschritte bei Kostensenkungen und Ausgabenkürzungen haben steigende Verluste diese schmerzliche Entscheidung unvermeidlich werden lassen." Vor wenigen Wochen hatten die Asiaten noch einmal 400 Mio. Dollar in die deutsche Tochter gesteckt.

Die Umsatz- und Margenentwicklung für das Weihnachtsgeschäft sei hinter den Erwartungen geblieben, erklärte der BenQ-Mobile Sprecher. Nun fehlten die nötigen flüssigen Mittel. Das laufende Geschäft solle aber aufrechterhalten bleiben. BenQ Mobile betreibt neben der Zentrale in München mit 1.400 Mitarbeitern zwei Fabriken in Bocholt und in Kamp-Lintfort am Niederrhein, die mehrfach in den vergangenen Jahren große Lohnzugeständnisse gemacht hatten.

Was nun?

"Wie es weitergeht, wissen wir selbst nicht", räumte BenQ-Kommunikationschef Marco Stülpner auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz ein. Vorerst könne BenQ Mobile die Gehälter seiner Mitarbeiter noch bezahlen. Eine Arbeitsplatzgarantie war Mitte des Jahres ausgelaufen, über längere Arbeitszeiten hatten sich Betriebsrat und Firmenleitung nicht einigen können. Die Zukunft der Auslandsgesellschaften ist noch unklar.

Die deutsche BenQ-Tochter hatte seit der Übernahme stetig Marktanteile verloren, die meisten Modelle floppten am Markt. Zuletzt habe BenQ 3,2 Prozent aller weltweit verkauften Handys produziert, sagte Stülpner. Das deutsche Management sei von der Entscheidung aus Taiwan überrascht worden. Ein Vorstand sei für die Pressekonferenz nicht greifbar gewesen. Firmenchef Clemens Joos, der von Siemens mit zu BenQ gewechselt war, sei nach einem Unfall derzeit im Krankenhaus, sagte Stülpner.

"Deutsche Manager sind schuld"

Die IG Metall wies die Schuld an der Pleite der deutschen BenQ-Spitze zu. "Die bevorstehende Insolvenz ist Folge eines eklatanten Versagens des Managements", erklärte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Er verwies darauf, dass die Mitarbeiter auf gut ein Viertel des Gehalts verzichtet hatten, um dem Unternehmen wieder auf die Beine zu helfen. "Damit ist zum wiederholten Male bewiesen, dass die Probleme in einzelnen Teilen von Siemens nicht an den angeblich zu hohen Gehältern der Beschäftigten, sondern an der Unfähigkeit des Managements liegen. Siemens bleibt jetzt in der moralischen Verantwortung."

Das voraussichtliche Ende von BenQ trifft auch andere Firmen der Branche. Der Halbleiter-Konzern Infineon teilte mit, es werde nun für seine Telekomchip-Sparte schwerer, wie geplant im dritten Quartal 2006/07 die Ertragswende zu schaffen. Die Sparte macht rund 15 Prozent seines Umsatzes mit BenQ. Der Anteil am gesamten Logikchip-Geschäft betrage fünf Prozent. Die Infineon-Aktie brach um 5,4 Prozent ein.

Der österreichische Leiterplattenhersteller AT&S teilte dagegen mit, er rechne nicht mit Abschreibungsbedarf und hoffe darauf, die Beziehungen zu BenQ in Taiwan fortzusetzen. Mit BenQ Mobile machte AT&S zuletzt drei Prozent des Umsatzes.

Siemens hatte sich nach hohen Verlusten von seiner Handysparte getrennt. BenQ zahlte nur einen symbolischen Kaufpreis und bekam noch eine Mitgift in dreistelliger Millionenhöhe dazu. Die Mitarbeiter in den deutschen Werken profitierten zunächst von einer Beschäftigungssicherung, die noch mit Siemens ausgehandelt worden war. Seit der Übernahme ist der Marktanteil aber weiter gefallen, zuletzt spielte Siemens-BenQ mit drei Prozent auf dem Weltmarkt nur noch eine Nebenrolle.