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Euronext nicht interessiertDeutsche Börse bleibt dran

23.05.2006, 08:50 Uhr

Die Frankfurter versuchen alles, um im Übernahmekampf um die Euronext doch noch zu überzeugen. Aktionäre und Kunden der beiden Börsen werden mit Gebührensenkungen und Milliardenzahlungen gelockt. Doch die Hängepartie geht weiter. Die Euronext-Aktionäre haben auf der Hauptversammlung nicht über das Angebot abgestimmt.

Die Deutsche Börse versucht alles, um im Übernahmekampf um die Fünfländerbörse Euronext doch noch zu überzeugen. Aktionäre und Kunden der beiden Börsen werden mit dem Versprechen von Gebührensenkungen und Milliardenzahlungen gelockt. Doch die Hängepartie geht weiter.

Auf der Hauptversammlung der Euronext stimmen die Aktionäre gegen eine Abstimmung über eine Fusion mit der Deutschen Börse. Beobachter hatten erwartet, dass am Dienstag möglicherweise eine Vorentscheidung fällt, mit welchem Börsenbetreiber die Mehrländerbörse zusammengehen will. Aufsichtsratschef Jan-Michiel Hessels interpretierte das Abstimmungsverhalten damit, dass die anwesenden Aktionäre nicht daran glauben, dass eine Fusion mit der Deutschen Börse "grundsätzlich im Interesse der Euronext liegt".

Die Abstimmung war von Winchfield, einer Gesellschaft um den Hedgefonds TCI, vor einigen Wochen auf die Tagesordnung des Aktionärstreffens gesetzt worden. TCI ist bei beiden Börsen investiert und will deren Zusammenschluss. TCI-Chef Chris Hohn hatte sich im Vorfeld der Hauptversammlung entsprechend geäußert. Ein Antrag, die Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) zu unterstützen, war nicht zur Abstimmung gestellt worden. Voraussichtlich wird nun eine Entscheidung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung fallen.

Neues Angebot, neues Glück?

Der größte deutsche Aktionär der Deutschen Börse, die Fondsgesellschaft Union Investment, rechnet im Fusionspoker um die Euronext doch noch mit einer Erhöhung des deutschen Angebots. "Die Börse wird sicher noch einmal nachbessern, um die Euronext und deren Aktionäre zu überzeugen", sagte Fondsmanager Helmut Hipper. Er gebe noch Verhandlungsspielraum bei beiden Bietern. Sollte der Deutschen Börse die angestrebte Fusion mit der Euronext nicht gelingen, blieben ihr nur wenige Alternativen in Europa, so Hipper.

Milliardenauszahlungen

Wie der Frankfurter Marktbetreiber am Dienstagmorgen mitteilte, soll im Falle einer erfolgreichen Fusion ein Fünftel der erwarteten Synergieeffekte von 300 Mio. Euro pro Jahr - also rund 60 Mio. Euro - an Kunden und Nutzer der Börse weitergegeben werden. Das neue Unternehmen, in dem die Deutsche Börse und die Euronext aufgehen würden, soll nach den Vorstellungen der Deutschen Börse Milliarden an die Aktionäre ausschütten.

Auf Basis der Schlusskurse der beiden Aktien vom Montag beliefen sich diese Zahlungen nach Berechnungen der Börse auf zwei Mrd. Euro. Rechnerisch bekäme damit jeder Aktionär der Euronext 7,72 Euro pro Aktie und jeder Aktionär der Deutschen Börse 11,38 Euro zusätzlich zum Wert der von ihm gehaltenen Papiere. Bei ihrer Rechnung setzt die Börse die Marktkapitalisierung der beiden Unternehmen auf Basis der Montagsschlusskurse als Näherungswert an.

Alles alter Börsenkaffee?

Auf Basis der Schlusskurse vom Montag bietet die Deutsche Börse den Aktionären von Euronext rund 76,6 Euro je Aktie oder rund 8,6 Mrd. Euro insgesamt in Anteilen der neuen Gesellschaft sowie in bar. Das genaue Gebot hänge von der Marktentwicklung bis zum Abschluss einer Vereinbarung mit der Euronext ab.

Das Management der Vierländerbörse Euronext bezeichnete das Fusionsangebot der Deutschen Börse jedoch als teilweise "irreführend". Der Verwaltungsrat der Euronext habe das in der Nacht zu Dienstag veröffentlichte Angebot bereits am Wochenende erhalten und am Montag umfassend erörtert, sagte Euronext-Finanzchef Serge Harry am Dienstag.

Hohn zieht Deutsche Börse vor

TCI-Chef Chris Hohn erklärte dagegen, das am Montag in New York vorgelegte Angebot der New York Stock Exchange für die Euronext sei unattraktiv und ignoriere die Chancen einer Fusion mit der Deutschen Börse.

Der Vorstand der von Paris dominierten Mehrländerbörse habe bei seinen Entscheidungen die höheren Synergien, die mit der Deutschen Börse möglich seien, ignoriert und den Aktionären erst sehr spät die Möglichkeit gegeben, die beiden Offerten zu vergleichen, sagte Hohn. Die Nyse hatte am Montag umgerechnet rund acht Mrd. Euro - teils in Aktien, teils in bar - für die Euronext geboten.

Die Euronext betreibt die Aktienbörsen in Paris, Brüssel, Amsterdam und Lissabon sowie die Londoner Derivatebörse Liffe.