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Dax-Firmen unter der LupeDubai will groß einsteigen

09.11.2006, 14:15 Uhr

Finanzinvestoren aus Dubai und anderen arabischen Emiraten erwägen einen Einstieg beim kriselnden Airbus-Mutterkonzern EADS. Darüber hinaus bestehe Interesse an weiteren deutschen Unternehmen, sagte der Chef der staatlichen Investorengruppe Dubai International Capital, Sameer Al-Ansari.

Finanzinvestoren aus Dubai und anderen arabischen Emiraten erwägen einen Einstieg beim kriselnden Airbus-Mutterkonzern EADS. Darüber hinaus bestehe Interesse an weiteren deutschen Unternehmen, sagte der Chef der staatlichen Investorengruppe Dubai International Capital (DIC), Sameer Al-Ansari, am Donnerstag.

Ansari zufolge baut DIC derzeit einen arabischen Fonds auf, an dem unter anderem auch staatliche Investoren aus Katar und Abu Dhabi beteiligt seien. Dieser prüfe einen Einstieg bei EADS. Wie DIC am Abend klarstellte, will aber nicht DIC selbst Aktien an der Airbus-Mutter erwerben - anders als Anfang 2005 beim Autokonzern DaimlerChrysler, wo die Gruppe seither zwei Prozent hält.

Der von DIC verwaltete Fonds solle schon in wenigen Monaten über zwei Mrd. US-Dollar verfügen, erläuterte Ansari in dem Interview. EADS könne ein interessantes Investment sein. "Die Aktienkurse sind im Keller, Airbus ist ein Problem. Und wo ein Problem ist, gibt es normalerweise eine Gelegenheit", sagte Ansari. Die EADS-Bilanzen würden deshalb im Rahmen einer Unternehmensprüfung (Due Diligence) unter die Lupe genommen. Ein EADS-Sprecher sagte, jeder Investor sei willkommen.

Gespräche über mögliche Beteiligungen seien auch mit Siemens, der Deutschen Lufthansa, dem Chemieriesen BASF, MAN und führenden Vertretern weiterer Unternehmen geplant, sagte Ansari im Vorfeld der ersten deutsch-arabischen Investorenkonferenz am Wochenende in Dubai. Teilnehmer der Tagung sind laut DIC außerdem DaimlerChrysler, E.ON, SAP und RWE. Die Unternehmen präsentieren sich vor arabischen Investoren.

Die genannten Unternehmen erklärten größtenteils, sie würden das Interesse ausländischer Anleger grundsätzlich begrüßen. Von Plänen für eine Beteiligung arabischer Investoren sei bisher nichts bekannt. "Wir sind immer sehr offen für derartige Interessen", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Ähnlich äußerten sich Sprecher von Lufthansa, BASF und MAN. Lufthansa werte die Tagung in Dubai "als eine normale Investorentagung, wie sie weltweit regelmäßig stattfinden", sagte eine Sprecherin. Mit konkreten Ergebnissen sei nicht zu rechnen.

Golf-Staaten investieren Öl-Milliarden

Allein der von DIC gemanagte Fonds wolle innerhalb weniger Jahre zehn bis 15 Mrd. US-Dollar anlegen, sagte Ansari. Seit mehreren Jahren versuchen die arabischen Golf-Staaten, die Gewinne aus der Ölförderung in anderen Industriebranchen zu investieren. Besonders stark gefördert werden der Luftverkehr mit mehreren Fluggesellschaften, wie Emirates aus Dubai, und der Tourismus mit zahlreichen Mega-Projekten. Um für ein Ende der Ölreserven gewappnet zu sein, wird zunehmend auch im Ausland investiert. Der 2004 gegründete DIC ist in zahlreichen Branchen aktiv. Neben dem Aktienpaket bei DaimlerChrysler gehört dem Fonds die britische Tussauds-Gruppe, die das bekannte Londoner Wachsfigurenkabinett und andere Freizeiteinrichtungen betreibt. Der Autokonzern Volkswagen hatte sich vor zwei Jahren um eine Beteiligung des Golfemirats Abu Dhabi bemüht. Der Plan scheiterte an unterschiedlichen Preisvorstellungen.

Vom Luft-und Raumfahrtkonzern EADS wird Finanzvorstand Hans Peter Ring an der Investorenkonferenz teilnehmen. Konkrete Verhandlungen mit ihm hat DIC noch nicht geführt. "Diese Gespräche beginnen, wenn er hier ist", sagte DIC-Chef Ansari. Es seien natürlich einige Fragen zu klären. "Wie lange werden die Probleme bei Airbus andauern, wieviel wird es kosten, sie zu beheben?" sagte Ansari. "Sollten wir heute investieren oder in einem Jahr?" Bereits am Vortag hatten Gerüchte über einen Einstieg von Dubai die EADS-Aktie beflügelt. Am Donnerstag legte das Papier zeitweise um knapp fünf Prozent auf 22,34 Euro zu.

Für Dubai ist die Entwicklung bei EADS und Airbus nach den Lieferproblemen für den Riesenjumbo A380 auch aus industriepolitischen Gründen von Bedeutung. Die Dubai-Fluggesellschaft Emirates ist wichtigster Kunde des A380 mit 43 Bestellungen des 300 Mio. Euro teuren Flugzeugs und untersucht derzeit die Konsequenzen aus den Verzögerungen.

Ansari schloss nicht aus, dass DIC seine Beteiligung an DaimlerChrysler unter bestimmten Umständen gewinnbringend wieder reduzieren könne. Ein Verkauf von Aktien sei eine Frage des geeigneten Zeitpunkts und des richtigen Preises. Für das Zwei-Prozent-Paket hatte DIC eine Mrd. US-Dollar gezahlt.