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Tag der AbrechnungEmpörung bei der IKB

27.03.2008, 11:44 Uhr

Der Aufsichtsrat hat jegliche Verantwortung für die Schieflage der IKB von sich gewiesen und gibt dem Vorstand die Alleinschuld. Aktionäre sind verärgert und zeigen für die Beteuerungen wenig Verständnis.

Der Aufsichtsrat der IKB hat jegliche Verantwortung für die Schieflage der Mittelstandsbank von sich gewiesen. Allein der inzwischen fast komplett entlassene Vorstand trage die Schuld an dem Debakel des Düsseldorfer Traditionshauses, sagte der Chef des Kontrollgremiums, Ulrich Hartmann, auf der Hauptversammlung. Die Krise der Bank sei für den Aufsichtsrat ebenso überraschend gekommen wie für die Aktionäre.

"Wir hatten keine Chance, das Risiko zu erkennen und die Existenzkrise abzuwenden", betonte der ehemalige Chef des Energieriesen Eon vor mehreren hundert aufgebrachten Anlegern. Diese zeigten allerdings wenig Verständnis für die Unschuldsbekundungen der obersten Kontrolleure. Die IKB hatte sich mit Fehlspekulationen in US-Ramschhypotheken an den Rand der Pleite gebracht. An der Börse verlor die IKB-Aktie seit Ausbruch der US-Hyothekenkrise im Sommer 2007 mehr als 80 Prozent an Wert.

Hartmann schlug vor, die Entlastung der Vorstände und Aufsichtsräte zu vertagen, bis das Ergebnis der vom Bund gewünschten Sonderprüfung vorliege. Er sei davon überzeugt, dass das Gutachten zeigen werde, dass das Kontrollgremium unzureichend vom Vorstand informiert worden sei. Dieser habe das US-Engagement stets als "unternehmerisch vertretbar" bezeichnet und betont, wie "risikoarm" das Geschäft dort sei. Tatsache sei, dass das Risikomanagement der IKB nicht funktioniert habe. Dem Aufsichtsrat der IKB, dem prominente Vertreter wie der Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium Jörg Asmussen angehören, wird Versagen bei der Kontrolle der Bank vorgeworfen. Er ist anders als der Vorstand noch im Amt.

Die Aktionäre nutzten die Hauptversammlung als Bühne, ihrem Ärger und Frust gehörig Luft zu machen. "Wir stehen fassungslos vor einem Scherbenhaufen namens IKB", sagte Hans Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Es sei nicht vorstellbar, wie sich eine Bank so verzocken könne und keiner etwas gemerkt haben wolle. Er nannte die IKB eine provinzielle Amateur-Truppe, die versucht habe, Champions League zu spielen und dabei kläglich gescheitert sei.

Norbert Vowinckel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) griff den Aufsichtsrat an: "Man ist nicht nur für das verantwortlich, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut." Ein Kleinanleger monierte, er habe IKB-Papiere zur Altersvorsorge gekauft und nie mit Aktien gezockt. "Ich bin bitter enttäuscht und auch schwer verärgert", sagte er.

Die eigentlich auf das grundsolide Geschäft mit deutschen Mittelständlern ausgerichtete Bank hatte sich mit US-Hypotheken verspekuliert und konnte nur durch Milliardengelder des Bundes, der Hauptaktionärin KfW und anderer Banken vor der Pleite gerettet werden. Ob noch mehr Risiken in den Büchern schlummern, ist nicht klar.

Neben der Sonderprüfung müssen auch über eine geplante Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro abstimmen, die zum größten Teil von der KfW getragen werden soll. IKB-Chef Günther Bräunig warb bei den Aktionären um ihre Zustimmung: "Mit Blick in die Zukunft möchte ich Sie umso dringender auffordern, unseren Kurs der Stabilisierung und Neuausrichtung der Bank mitzutragen", sagte Bräunig, der nach Entlassung des ehemaligen Vorstandschef Stefan Ortseifen im Sommer das Ruder bei der IKB übernommen hatte. Nur so habe das Institut eine Chance, wieder auf die Beine zu kommen.

Hartmann betonte, der Vorstand der IKB habe den Aufsichtsrat erst am 27. Juli 2007 über das Risiko der Portfolio-Investments informiert, die die Krise ausgelöst hatten. Die IKB hatte eine Woche vorher noch mitgeteilt, dass das US-Engagement der Bank keine negativen Auswirkungen habe. Hartmann sagte, es habe zuvor mehrfach Untersuchungen der Finanzaufsicht BaFin, der Bundesbank und der Luxemburger Bankenaufsicht gegeben. Sie alle hätten aber keine Risiken festgestellt. Aber auch von diesen Überprüfungen habe der Aufsichtsrat erst durch ein Sondergutachten erfahren, das Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) nach dem Bekanntwerden der Probleme erstellt hatten, sagte Hartmann.