Deutsche Börse will EuronextEuronext will mit NYSE
Die Deutsche Börse hat ihre Fusionsabsicht mit der Euronext unterstrichen und konkrete Bedingungen für einen Zusammenschluss genannt.
Die Deutsche Börse hat ihre Fusionsabsicht mit der Euronext unterstrichen und konkrete Bedingungen für einen Zusammenschluss genannt. So werde zunächst eine Doppelspitze für das neue Unternehmen angestrebt, teilte der Frankfurter Marktbetreiber wenige Tage vor den Hauptversammlungen der beiden Börsen in der kommenden Woche mit.
Zunächst sollen demnach Euronext-Chef Jean-Francois Theodore und Börsen-Chef Reto Francioni die neue Börse gemeinsam führen. Nach einer Übergangsfrist solle dann Francioni alleiniger Vorstandschef werden. Den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden beanspruchen die Deutschen von Beginn an für sich.
In der Mitteilung hieß es weiter, der Aktienhandel der fusionierten Börse solle im Rahmen eines europäischen Standortkonzepts von Paris aus geführt werden, der Derivatehandel von Frankfurt und London (Euronext Liffe). Nach der Fusion solle ein neuer Name für den dann vor der Londoner Börse LSE größten europäischen Marktbetreiber gefunden werden. Die Führung des französisch dominierten europäischen Börsenkonzerns Euronext hat betont gelassen auf Bedingungen der Deutschen Börse für eine Fusion der beiden Marktbetreiber reagiert. Die Vorschläge der Deutschen enthielten nichts Neues, sagte eine Sprecherin der Euronext in Paris.
Arbeitnehmer im Börsen-AR kritisieren Fusionsbedingungen
Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Börse haben die von dem Börsenkonzern aufgestellten Bedingungen für eine Fusion mit der umworbenen Vierländerbörse Euronext scharf angegriffen. Sie fürchten um die Mitbestimmung und um Arbeitsplätze.
Die geplante neue Konzernstruktur sehe praktisch keine Mitbestimmungsmöglichkeiten für die knapp 3.000 Beschäftigten vor, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrats, der Nachrichtenagentur Reuters. Für die vorgeschlagene Holding in Amsterdam sei zwar eine paritätische Besetzung durch Aufsichtsräte von Deutscher Börse und Euronext vorgesehen, aber keine Beteiligung der Arbeitnehmer.
In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben an die Belegschaft heißt es, bei einer Fusion der beiden Börsenkonzerne sei mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen zu rechnen. Dies werde auch vom Vorstand nicht bestritten. Bislang gebe es keine Erklärung über die Sicherheit der Arbeitsplätze. "Bei bisher erfolgten Fusionen, zum Beispiel bei Clearstream und der Absicht, die (Londoner Börse) LSE zu übernehmen, gab es eindeutige Erklärungen zu Arbeitsplatzsicherheit und den Perspektiven für die Mitarbeiter. Dies vermissen wir", heißt es in dem Schreiben. Bei der Börse war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Euronext kurz vor Einigung mit NYSE
Der europäische Börsenbetreiber Euronext hingegen steht nach Pariser Presseinformationen kurz vor einer Einigung mit der New Yorker Börse NYSE über einen "Zusammenschluss von Gleichen". Dies würde Pläne der Deutschen Börse zur Übernahme der Euronext NV vereiteln. Geplant sei die Gründung einer Dachgesellschaft, die die Beibehaltung der regionalen Markt- und Aufsichtsstrukturen ermögliche, berichtete die Wirtschaftszeitung "Les Echos".
Der "Figaro" ergänzte, die NYSE könne die Handelsplattform von Euronext übernehmen, auf der bereits die Börsen Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon arbeiten. Viele Marktteilnehmer würden die Annäherung an die Amerikaner einer Übernahme von Euronext durch die Deutsche Börse vorziehen, weil die Frankfurter über Clearstream auch die nachbörslichen Geschäfte kontrollierten und unkontrollierbare Monopolpreise verlangen könnten.
Die Mailänder Börse verhandelt derzeit über einen Anschluss an den dezentralen Euronext-Verbund. Allerdings schließen die Mailänder dabei eine Fusion auch mit der Deutschen Börse nicht aus. "Angesichts der Annäherung der NASDAQ an die Londoner Börse spricht eine gewisse Logik für den Verbund der Märkte von Deutschland, Frankreich und Italien, die bereits den Euro haben", heißt es in Mailand.
Angelsächsische Hedge Fonds drängen auf eine Fusion der Deutschen Börse mit Euronext, um ihre Beteiligungen an beiden Gesellschaften zu vergolden. Die Front zeigt jedoch Risse. So ist der Fonds Atticus jetzt auch offen für eine Fusion von Euronext mit der NYSE, deren Aktionär er ebenfalls ist. Frankreich unterstützt in dem Börsenstreit Euronext, die Bundesregierung steht hinter der Deutschen Börse. Eine Vorentscheidung soll bei der Euronext-Hauptversammlung am 23. Mai in Amsterdam fallen.