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Rettungspaket ungültigHRE kämpft um Existenz

04.10.2008, 20:25 Uhr

Das 35 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ist gescheitert. Das Unternehmen teilte mit, die Kreditzusagen mehrerer Finanzinstitute seien nicht mehr gültig. Zuvor hatte die Deutsche Bank bei einer Prüfung Finanzierungslücken im Milliardenbereich entdeckt.

Das Rettungspaket für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ist gescheitert. Wie das Unternehmen mitteilte, ist die Kreditzusage durch mehrere Finanzinstitute nicht mehr gültig. Die Gruppe prüfe die daraus drohenden Konsequenzen für die Einheiten des Konzerns.

Die Bank kämpfe um ihre Existenz, sagte HRE-Sprecher Hans Obermeier. Die Bank sei augenscheinlich in einer schwierigen Situation. Er nehme an und hoffe, dass alle an den Diskussionen Beteiligten sich des Ernstes der Situation voll bewusst seien. Zu spezifischen Maßnahmen, die die HRE nun prüfe, werde er sich jetzt nicht äußern. Die Großaktionäre stünden bereit, die Bank finanziell zu unterstützen.

Zuvor war bekannt geworden, dass HRE deutlich mehr Geld braucht als bislang bekannt. Die "Welt am Sonntag" berichtete unter Berufung auf Finanzkreise, die Deutsche Bank habe bei einer Prüfung festgestellt, dass das von Bundesregierung und Finanzbranche vereinbarte Rettungspaket nicht ausreiche. Der vor einer Woche geschnürte Hilfsplan sah einen kurzfristigen Kredit von 15 Milliarden Euro und eine langfristige Refinanzierung von 35 Milliarden Euro bis in die zweite Jahreshälfte 2009 vor. Laut Prüfung der Deutschen Bank fehlten aber dem Vernehmen nach bis Jahresende bis zu 50 Milliarden Euro und bis Ende 2009 sogar 70 bis 100 Milliarden Euro.

Der Staat soll's richten

Die "Welt am Sonntag" berichtete, die Deutsche Bank habe die neuen Zahlen in einer Telefonkonferenz am Freitagabend genannt, an der neben Vertretern der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Bundesbank auch Manager aller Bankengruppen und der Versicherungsbranche teilgenommen hätten.

Branchenbeobachter schlossen nicht aus, dass die Finanzindustrie Druck auf den Bund ausübe, damit er sich noch stärker bei der Rettung der Hypo Real Estate engagiert. Nach Informationen aus dem Umfeld der Verhandlungen strebte die Branche anfänglich eine Verstaatlichung des Immobilien- und Staatsfinanzierers an.

Dickes Paket

Das vor einer Woche vereinbarte Rettungspaket sah einen Kredit von insgesamt 35 Milliarden Euro vor: 15 Milliarden kurzfristig von der Finanzbranche und weitere 20 Milliarden von der Bundesbank, die bis in die zweite Jahreshälfte 2009 hinein reichen sollen. Der gesamte deutsche Bankensektor sowie Versicherer wollten sich am Rettungspaket für die HRE beteiligen. Von der Bürgschaft des privaten Sektors von 8,5 Milliarden Euro wollten die privaten Banken den Löwenanteil von 4,5 Milliarden Euro übernehmen. Sparkassen und Landesbanken sollten 1,6 Milliarden Euro schultern.

Diese Kredite waren mit Bürgschaften abgesichert, von denen der Bund mit rund 26,5 Milliarden den Großteil übernimmt. Die Finanzbranche hatte sich erst in der Nacht zum Freitag nach einem zähen Ringen auf die Lastenverteilung bei ihrem Teil der Bürgschaften von insgesamt 8,5 Milliarden Euro geeinigt. Damit galt die Rettung der HRE eigentlich als gesichert.

Ein dramatisch höherer Liquiditätsbedarf kippte nun aber die mühsam ausgehandelte Rettung der HRE. Die Finanzbranche sehe keinen weiteren Spielraum für eine größere Unterstützung der HRE, hieß es in der "Welt am Sonntag". "Es ist allerhöchste Zeit, dass die Bundesregierung den Ernst der Lage erkennt", wurde ein Bankmanager zitiert.

Die HRE war wegen Liquiditätsproblemen ihrer Staatsfinanzierungstochter Depfa in Schwierigkeiten geraten. Diese hatte systematisch ihre langfristigen Ausleihungen mit kurzfristigen Mitteln vom Geldmarkt refinanziert. Durch die Kreditkrise trocknete der Markt aber aus, so dass die Depfa plötzlich eine riesige Liquiditätslücke hatte.