Umstrittener SeitenwechselHansen in der Defensive
Sein Wechsel in den Vorstand der Deutschen Bahn sorgt nicht nur bei Gewerkschaftsvertretern für Aufsehen - jetzt verteidigt der zurückgetretene Transnet-Chef, Norbert Hansen, seine Entscheidung.
Der zurückgetretene Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, hat seinen geplanten Wechsel in die Führung der Deutschen Bahn verteidigt. Mit seiner vorgesehenen Position als Arbeitsdirektor werde die Stellung der Gewerkschaftsseite gestärkt, sagte Hansen in Berlin. "Das Benennungsrecht der Gewerkschaften für diese Funktion ist weitergehender als das, was ihnen bisher bei der Benennung des Personalvorstands über ihre Mandate im Aufsichtsrat gegeben war." Bei der Bundesbahn sei es über Jahrzehnte üblich gewesen, dass Spitzengewerkschafter Personalchefs waren. "An diese alte Tradition wird angeknüpft."
Hansen wies Kritik zurück, es gehe ihm um persönliche materielle Vorteile. "Wenn es darum ginge, wäre ich nicht so dämlich gewesen, diesen Job anzunehmen." Mit seinem Schritt solle auch Verunsicherung und Ängsten unter den Beschäftigten angesichts des geplanten Börsengangs entgegengewirkt werden. Er kenne aus eigener Erfahrung die Befindlichkeiten der Bahner, die berücksichtigt werden müssten. Es gelte, die Identifikation der Belegschaft mit ihrem Beruf und dem Unternehmen zu stärken.
Beide Seiten im Blick
Neuer Chef der Gewerkschaft Transnet soll der bisherige stellvertretende Vorsitzende Lothar Krauß werden. Das wurde nach Gremienberatungen in Frankfurt mitgeteilt. Der 52-jährige Krauß ist seit 1999 Gewerkschaftsvize. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn.
Hansen verteidigte seine Linie als Gewerkschaftschef, beim Eintreten für die Beschäftigten-Interessen auch die wirtschaftliche Situation des Unternehmens mit im Blick gehabt zu haben. "Ich bin kein Klassenkämpfer."
Die Spitzengremien der Verkehrsgewerkschaft Transnet kamen am Vormittag zu Beratungen über die Situation nach dem Rücktritt ihres Vorsitzenden Norbert Hansen zusammen. Unter anderem wollten sie einen Kandidaten für die Nachfolge nominieren. Die größten Aussichten für den Spitzenposten der rund 240.000 Mitglieder starken Organisation wurden Hansens bisherigem Stellvertreter Alexander Kirchner eingeräumt.
Umstrittener Wechsel
Hansen war am Donnerstag zurückgetreten, weil er einen Posten als Arbeitsdirektor bei der Deutschen Bahn AG annehmen will. Vorwürfe, er habe aus Eigennutz gehandelt und sei wegen dieser Karriere in den letzten Jahren mit seiner ganzen Organisation stets für eine Teilprivatisierung der Bahn eingetreten, wies er am Donnerstagabend in Berlin als "aberwitzig" zurück.
Vielmehr sei unter den Koalitionsparteien abgesprochen, dass die Besetzung dieses Vorstandsressorts künftig stets unter "maßgeblicher Mitsprache" der Gewerkschaften erfolgen solle, sagte Hansen. Deshalb sei sein Wechsel auf diesen Posten "für den gewerkschaftlichen Einfluss auf die Deutsche Bahn AG ganz hervorragend".
Kanzleramt angeblich nicht beteiligt
Auf den umstrittenen Wechsel von Bahn-Gewerkschafter Norbert Hansen ins Konzernmanagement hat Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht "eingewirkt". Dies betonte Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag in Berlin.
Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, SPD-Chef Kurt Beck habe sich mit Merkel über den Wechsel von Transnet-Chef Hansen "verständigt". Steg sagte dazu: "Darüber liegen mir keine Informationen vor, insofern kann ich diese Berichte nicht bestätigen."
Steg fügte an: "Ich kann für die Bundeskanzlerin hier feststellen, dass sie da nicht eingewirkt hat (...) und die Personalie Hansen sie nicht beschäftigt hat."