Donnerstag, 09. August 2007
Nicht so schlimm wie IKB: Hypokrise erreicht WestLB
Die Verwerfungen am US-Immobilienmarkt haben auch die ohnehin schon von Verlusten im Eigenhandel gebeutelte WestLB erreicht. Die Situation der WestLB lasse sich aber in keiner Weise mit der IKB vergleichen, die durch ihr US-Engagement in eine Schieflage geraten war, betonte ein Sprecher des Düsseldorfer Geldhauses. Das Engagement der WestLB und ihrer US-Töchter im US-Immobilienmarkt halte sich in engen Grenzen. Die Absicherung der bestehenden Positionen im "Subprime"-Sektor sei "relativ hoch", weil fast 93 Prozent der Engagements von den Rating-Agenturen mit "A" oder höher bewertet würden. Zur Höhe des Engagements äußerte er sich nicht.
Gerüchte um gravierende Auswirkungen des US-Engagements auf die WestLB hatten am Vormittag die Runde am Markt gemacht. Bei der Bundesbank gebe es deshalb ein Krisentreffen, hatten Händler gemutmaßt. Doch dies entpuppte sich als haltlos: Bei der Bundesbank gebe es ein Treffen zur IKB, sagte ein Sprecher. Gegenstand seien Details der vor zwei Wochen beschlossenen Auffanglösung für die Düsseldorfer Mittelstandsbank. Nähere Angaben zu den Beratungen machte er nicht. Die IKB hatte sich mit ihrem Fonds Rhineland Funding am US-Markt für bonitätsschwache Hypothekenkredite (Subprime-Markt) verspekuliert und musste von ihrem Großaktionär, der staatlichen Förderbank KfW, gestützt werden. Die KfW bewilligte der IKB unter anderem eine 8,1 Mrd. Euro schwere Liquiditätslinie und trägt nun das Risiko.
Die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hatte auf ihrer Internetseite berichtet, die WestLB-Tochter Brightwater habe sich "angeblich heftig verspekuliert" und drohe in eine Schieflage zu geraten. Von Liquiditätsengpässen bei der Tochter könne keine Rede sein, betonte dagegen ein Sprecher des Instituts. Erst zu Wochenbeginn war ein von der WestLB Mellon verwalteter Fonds eingefroren worden. Dieser sei aber nicht im US-Markt für Hypothekendarlehen engagiert, hatte ein WestLB-Mellon-Manager versichert.
Die Gerüchte um ihr US-Engagement kommen für die WestLB zur Unzeit. Das Geldhaus muss gerade einen Führungswechsel und die Verluste aus Risiko-Geschäften im Eigenhandel von mindestens 243 Mio. Euro verdauen. Erst Anfang der Woche hatte NRW-Finanzminister Helmut Linssen betont, weitere Verluste des Instituts seien nicht auszuschließen. Die Landesregierung will sich von ihrem 38-prozentigen Anteil an dem Geldhaus trennen und schaltet dazu eine Investment-Bank als Berater ein. Noch im August sollen Linssen zufolge die Weichen für die Zukunft der Bank gestellt werden.
