Archiv

Hoch die FlügelJungfernflug des A380

27.04.2005, 08:59 Uhr

Das größte Passagierflugzeug der Welt absolvierte erfolgreich seinen ersten Flug. Der Flug-Premiere des 600 Tonnen schweren Flugzeugs wohnten 50.000 Zuschauer bei. Die Ziele sind hoch gesteckt: Airbus will mit dem A380 den Jumbo-Jet des US-Konkurrenten Boeing überflügeln. Die Maschine ist für 555 bis 840 Passagiere ausgelegt. Ihre Erstauslieferung ist für den Sommer 2006 geplant.

Das größte Passagierflugzeug der Welt hat am Mittwoch erfolgreich seinen Jungfernflug absolviert. Der Testflug des Airbus A380 führte vom Flughafen Toulouse-Blagnac über die Pyrenäen zurück nach Toulouse.

Die Flug-Premiere des rund 600 Tonnen schweren Flugzeugs beobachteten rund 50.000 Zuschauer. Zur sechsköpfigen Crew um die französischen Testpiloten Claude Lelaie und Jacques Rosay gehörte der deutsche Bordingenieur Manfred Birnfeld. Airbus-Chef Noel Forgeard lobte den Erstflug des Airbus A380 als "kollektiven Erfolg der 50.000 Mitarbeiter". "Wir waren pünktlich, die europäische Luftfahrt kann stolz sein", sagte Forgeard nach dem erfolgreichen Start des Flugzeuges in Toulouse.

"Jede Minute genossen!"

Auch die Testpiloten äußerten sich begeistert über das neue Flaggschiff der Airbus-Flotte. "Das war ein überaus erfolgreicher Jungfernflug und wir haben jede Minute davon genossen", sagte Testpilot Claude Lelaie. "Nach diesen ersten Erfahrungen können wir das Potenzial dieser großartigen Maschine nun so richtig spüren."

Sein Kollege Jacques Rosay erklärte: "Während der ersten Minuten des Flugs waren wir beeindruckt davon, wie einfach sich das Flugzeug fliegen lässt - genauso, wie wir es schon am Simulator empfunden hatten. Wir zweifeln nicht daran, dass sich jeder Airbus-Pilot im Cockpit des A380 sofort wie zu Hause fühlen wird." Der A380 sei "ein echtes Mitglied der Airbus-Familie".

Neue Seite in der Geschichte der Luftfahrt

Der französische Präsident Jacques Chirac würdigte den Erstflug des Airbus A380 als Ermutigung für den weiteren Aufbau Europas. "Heute wurde in Toulouse-Blagnac eine neue Seite der Geschichte der Luftfahrt geschrieben", erklärte Chirac in Paris. "Das ist ein herrliches Ergebnis der industriellen Zusammenarbeit Europas und eine Ermutigung, auf diesem Weg des Aufbaus eines Europas der Innovation und des Fortschritts voran zu schreiten."

Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder zeigte sich mehr als erfreut. "Das ist nicht nur ein großer Erfolg europäischer Industriepolitik, sondern auch ein großer Erfolg für die Innovationskraft europäischer Unternehmen", sagte Schröder der Nachrichtenagentur Reuters. Er freue sich sehr darüber. "Das zeigt, wenn wir uns anstrengen..., dass wir mithalten können in der absoluten Weltspitze."

Hehre Ziele

Die Ziele sind bei Airbus hoch gesteckt: Der A380 soll als weltgrößtes Passagierflugzeug den Jumbo Jet des Erzrivalen Boeing überflügeln. Der neue Airbus soll nach früheren Schätzungen des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) allein in Deutschland rund 40.000 Arbeitsplätze sichern.

Der A380 wird zu einem erheblichen Teil an sechs norddeutschen Airbus-Standorten sowie Laupheim in Baden-Württemberg fabriziert. Wichtigster Standort in Deutschland ist Hamburg mit dem Airbus-Werksgelände in Finkenwerder direkt an der Elbe. Hier wird das Riesenflugzeug mit seiner Innenausstattung versehen, lackiert und zum Teil an die Kunden ausgeliefert. Zulieferer sind über die gesamte Bundesrepublik verteilt.

Die Maschine ist für 555 bis 840 Passagiere ausgelegt. Ihre Erstauslieferung ist für den Sommer 2006 geplant. Ursprünglich hätte der Erstflug im März stattfinden sollen. Seit knapp drei Wochen wurden in Toulouse Roll- und Bremstests mit dem ersten Serienmodell des A380 ausgeführt. Daran war neben den französischen Testpiloten Lelaie und Rosay auch der deutsche Bordingenieur Birnfeld beteiligt.

Die Piste 32 in Toulouse-Blagnac von der der A380 abhob, war vor mehr als drei Jahrzehnten für das Überschallflugzeug Concorde gebaut worden. Der Start war aus Sicherheitsgründen nur Richtung Nordwest möglich, um ein Überfliegen der Stadt Toulouse auszuschließen.

Über die Wirtschaftlichkeit des neuen Großraumflugzeuges gehen die Meinungen weit auseinander. Eine von Boeing in Auftrag gegebene Studie rechnet damit, dass der A380 bis 2025 Verluste von 8,1 Mrd. US-Dollar einbringt. Dagegen heißt es in einer Studie des Büros Oddo Securities, Airbus werde die Entwicklungskosten schon ab 2012 voll wieder eingespielt haben. Bislang hat Boeings Jumbo Jet keine Konkurrenz in der Klasse der größten Flugzeuge.