Warten auf Fed-EntscheidungKeine Zinserhöhung erwartet
Die Spekulationen über US-Zinserhöhungen in den kommenden Monaten sind nach Einschätzung führender Wirtschaftszeitungen übertrieben. Es sei äußerst wahrscheinlich, dass die Fed die Zinssätze bei ihrem nächsten Treffen am 24. und 25. Juni unverändert belasse, hieß es.
Die US-Notenbank Fed will die Zügel in der Geldpolitik offenbar nicht so stark anziehen wie an den Finanzmärkten zuletzt erwartet. Der Präsident der Federal Reserve von Richmond, Jeffrey Lacker, deutete an, dass die Fed ihre Leitzinsen trotz der hohen Inflation für eine Weile konstant halten könnte. In Medienberichten hieß es ebenfalls, Fed-Vertreter hielten die Zinssorgen vieler Anleger für überzogen. Die Finanzmärkte reduzierten daraufhin ihre Spekulation auf eine baldige Zinserhöhung in den USA etwas: An den asiatischen und europäischen Rentenmärkten sanken die Renditen. Die meisten Marktteilnehmer rechnen dennoch weiter damit, dass die Fed im August die Zinsen erhöht.
Die US-Notenbank hatte zuletzt immer lauter vor den wirtschaftlichen Folgen des hohen Preisdrucks in den Vereinigten Staaten gewarnt. Vor allem Notenbank-Chef Ben Bernanke versetzte die Finanzmärkte mit einer eindringlichen Warnung vor Inflationsgefahren in Aufruhr. Daraufhin setzten immer mehr Finanzmarktteilnehmer auf eine Serie von Zinserhöhungen bereits in diesem Jahr. Die Fed entscheidet das nächste Mal am 25. Juni über die US-Leitzinsen.
Lacker betonte nun jedoch, die Inflationserwartungen seien trotz des hohen Preisauftriebs weiter stabil. So habe die Inflation bislang noch keine Auswirkungen auf die Lohnforderungen. Lacker ist zwar in diesem Jahr in dem geldpolitischen Gremium der Fed nicht stimmberechtigt. Er gilt jedoch grundsätzlich eher als Anhänger einer strafferen Geldpolitik und signalisierte mit seinen Bemerkungen, dass er eine Zinserhöhung nicht für dringend hält.
Auch führende Wirtschaftszeitungen berichteten, die Fed halte die Spekulationen über US-Zinserhöhungen in den kommenden Monaten für übertrieben. Die Erwartung von drei oder vier Zinserhöhungen bis Jahresende spiegelten die Einschätzung vieler Fed-Vertreter nicht wider, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf nicht namentlich genannte Fed-Insider. Es sei äußerst wahrscheinlich, dass die Fed die Zinssätze bei ihrem nächsten Treffen am 24. und 25. Juni unverändert belasse.
Eine Erhöhung im August sei zwar nicht ausgeschlossen, entsprechende Markterwartungen seien jedoch ebenfalls "zu aggressiv", sagten die Personen der Zeitung. Das "Wall Street Journal" berichtete ebenfalls, die Fed wolle zwar ihre Wachsamkeit im Hinblick auf die Inflation demonstrieren, gleichzeitig aber der Wirtschaft Zeit zur Erholung geben. US-Zinsfutures zeigen, dass Investoren im August mit großer Mehrheit eine Erhöhung des Schlüsselzinses um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent erwarten. Bis Jahresende sind im Schnitt Zinserhöhungen um insgesamt 75 Basispunkte eingepreist.