Keine Einigung mit BankenMärklin ist insolvent
Der Modelleisenbahnbauer hat Insolvenz angemeldet. Die Gespräche mit den Banken über die Verlängerung eines 50-Millionen-Euro-Kredits war zuvor ergebnislos verlaufen. Der Geschäftsbetrieb soll den Angaben zufolge zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen.
Der Göppinger Modelleisenbahnbauer Märklin ist insolvent. Die Geschäftsführung habe beim zuständigen Amtsgericht in Göppingen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, teilte das Unternehmen mit. Die Gespräche mit den Banken über die Verlängerung eines 50-Millionen-Euro-Kredits seien ergebnislos verlaufen. Der Geschäftsbetrieb solle aber zunächst ohne Einschränkungen weiterlaufen.
Ende Januar war der Kredit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Göppinger Kreissparkasse ausgelaufen. Daraufhin erstellten die neuen Geschäftsführer Rainer Nothwang und Ralf Coenen einen Restrukturierungsplan. Die Sanierungsexperten kennen sich gut mit der Abwicklung von Insolvenzen aus. Coenen war Vorstandsmitglied beim Computerhersteller Maxdata, Nothwang war Finanzchef und Geschäftsführer beim Tankstellenbetreiber Lomo - beide Unternehmen meldeten im vergangenen Jahr Insolvenz an. Die beiden seien aber nicht deswegen bei Märklin eingestellt worden, sondern weil sie anpacken könnten, hieß es aus Unternehmenskreisen. Außerdem will die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bis Mitte Februar ein Sanierungsgutachten erstellen.
Langsamer Tod
Der Modellbahnhersteller kämpft seit Jahren mit roten Zahlen. Ende Juli 2008 hatte der britische Finanzinvestor Kingsbridge, der Märklin vor fast drei Jahren übernommen und den Betrieb damit vor einer Insolvenz gerettet hatte, angekündigt, die Personalkosten von derzeit 50 Mio. Euro um 5,0 Mio. Euro zu drücken. "Doch die fünf Millionen werden nicht reichen", sagte bereits Mitte Januar die zweite Bevollmächtigte der IG Metall Göppingen, Renate Gmoser. "Ich fürchte, dass es das Traditionsunternehmen über kurz oder lang in dieser Form nicht mehr geben wird."
Dabei verspürt die Branche nach Angaben des Verbandes der deutschen Spielwarenindustrie derzeit eine leichte Beruhigung des Abschwungs. Die Modellbahnhersteller hätten in den vergangenen Jahren zwar unter den sinkenden Einkommen ihrer Kunden gelitten, hieß es. Das habe sich jetzt aber leicht verbessert.
Auch bei Märklin stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2008 leicht auf 128 Mio. Euro - 2007 waren es 126 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2008 hatte der Erlös sogar noch um 22 Prozent auf 47 Mio. Euro zugelegt. Der Fehlbetrag im operativen Geschäft sank nach Unternehmensangaben im Vergleich zum Vorjahr. Zahlen nannte Märklin allerdings nicht.
Allein 2008 pumpte Kingsbridge erneut mehr als 5,0 Mio. Euro in das schwäbische Unternehmen. Märklin kündigte an, wegen der weltweiten Rezession verstärkt Kosten einsparen zu wollen. Der Vorstand befinde sich in Gesprächen mit der Belegschaft, sagte der Märklin-Beiratsvorsitzende Michel Perraudin. Das Unternehmen beschäftigt 1100 Menschen.