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Freitag, 29. April 2005

US-Ökomom Rifkin: Massenbeschäftigung ist vorbei

Der amerikanische Volkswirtschaftler und Regierungsberater Jeremy Rifkin sagt ein Ende der Arbeitsgesellschaft voraus. "Wir vollziehen gerade einen Wandel hin zu einem Markt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert", sagt Rifkin im Interview mit der Stuttgarter Zeitung, das Samstag veröffentlicht wird.

Jobs in Fabriken gehen gegen Null

"Bis 2010 werden nur noch zwölf Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Fabriken gebraucht. Bis 2020 werden es weltweit nur noch zwei Prozent sein." Die in Deutschland stattfindende Kapitalismuskritik und Diskussion um Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland hält Rifkin für Augenwischerei. "Die Zahl der Jobs, die in Deutschland verschwinden, weil sie zum Beispiel nach Osteuropa oder China verlagert wird, ist verschwindend gering", sagt Rifkin. "Sie macht gerade mal ein Prozent der abgebauten Stellen aus. Der wirkliche Jobkiller ist der technologische Fortschritt. Aber davon hören Sie von den Politikern kein Wort. Maschinen machen sich als Buhmann eben schlechter als Chinesen oder Polen."

Arbeit nur noch für Eliten

Laut Rifkin wird Arbeit in Zukunft hauptsächlich etwas für Eliten sein. "Für besondere Aufgaben wird man immer noch die Top-Ärzte, Top-Anwälte oder Top-Designer brauchen", sagt Rifkin. "Aber Durchschnittsqualität kann ein Computer oder ein Roboter billiger liefern." Als Beispiel nennt der Amerikaner der US-Stahlproduktion. Diese sei zwischen 1982 und 2002 um 36 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sei die Zahl der US-Stahlarbeiter um 74 Prozent gesunken. Diese Entwicklung sei weltweit gleich. "Selbst in China sind den letzten sieben Jahren 15 Prozent aller Jobs verschwunden", sagt Rifkin. "In den 20 größten Volkswirtschaften der Erde sind zwischen 1995 und 2002 mehr als 30 Millionen Arbeitsplätze abgebaut worden."

Blick nach Amerika lohnt nicht immer

Rifkin warnt die deutsche Bundesregierung davor, bei den anstehenden Reformen auf Amerika zu schielen. "Je härter sie die Sozialsystem beschneiden, desto eher tauchen die Probleme an anderer Stelle wieder auf", sagt der US-Ökonom, der Unternehmen und Regierungen in aller Welt berät. "Schlechtere Gesundheit, größere Armut, weniger Sicherheit, mehr Kriminalität. Natürlich ist die amerikanische Arbeitslosenquote niedriger als die deutsche. Aber bei uns sitzen allein zwei Millionen Leute in den Gefängnissen. Meinen Sie, das ist keine versteckte Arbeitslosigkeit?"

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