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Mittwoch, 14. Juni 2006

Schering-Aktien verkauft

Merck zieht Bayer über den Tisch

Dieses Manöver scheint perfekt aufgegangen zu sein: Bayer kann jetzt zwar den Berliner Pharmakonzern Schering übernehmen – doch Merck lässt den Konkurrenten teuer dafür bezahlen. Für die zuvor am Markt eingesammelten Schering-Aktien gibt’s 89 Euro pro Stück und damit einen hübschen Gewinn für Merck. Gleichzeitig zog Bayer die Schadenersatzklage gegen Merck zurück.

Merck erhält insgesamt 3,7 Mrd. Euro für sein 21,8-prozentiges Aktienpaket und will den daraus erzielten außerordentlichen Gewinn von 400 Mio. Euro noch im zweiten Quartal verbuchen. Auch alle anderen Schering-Aktionäre, die ihre Aktien innerhalb des öffentlichen Angebotsverfahrens angedient haben oder dies noch bis zum Ablauf der Annahmefrist um Mitternacht deutscher Zeit tun wollen, werden diesen Preis erhalten. Er liegt um drei Euro über dem ursprünglichen Angebot.

Merck-Chef Michael Römer verteidigte die Transaktion: "Kurze Spekulationsgewinne waren nie unser Ziel und sind wahrlich kein Handlungsgrund für ein Unternehmen, das in Generationen denkt." Es sei aber geradezu eine Verpflichtung gewesen, die Option zur Sicherung der eigenen Position bis zum Schluss zu verfolgen.

Bayer ist "froh"

Egal, was die Motivation von Merck war, für Bayer verteuert sich die größte Übernahme der Firmengeschichte noch mal deutlich – bisher waren hier 16,5 Mrd. Euro veranschlagt worden. Dennoch machte man in Leverkusen gute Miene. "Wir sind sehr froh über diese Entscheidung von Merck, denn ein langfristiger Bieterwettbewerb hätte die Zukunft von Schering stark beeinflusst", sagte Bayer-Chef Werner Wenning. Von diesen Schritten profitierten alle drei beteiligten Firmen, sagte Wenning.

Bayer sei sehr optimistisch, nunmehr mindestens die angestrebte Dreiviertelmehrheit bei Schering zu bekommen und damit den Integrationsprozess schnell angehen zu können, so Wenning weiter. Durch das zukünftige Unternehmen "Bayer Schering Pharma" werde der Standort Deutschland gestärkt. Auch mit dem Erzrivalen Merck will sich Bayer künftig vertragen. Man prüfe Kooperationsmöglichkeiten, meldeten die beiden Firmen übereinstimmend. Merck sind vor allem am Krebsgeschäft von Schering sowie am Vertriebsnetz des Konkurrenten in den USA interessiert.

Merck in den Dax?

Das Ende des Übernahmepokers kam allen drei Pharmaaktien zugute, sie verzeichneten ordentliche Kursgewinne. Sollte die Schering-Übernahme erwartungsgemäß schnell über die Bühne gehen, dürften die Tage von Schering im Dax gezählt sein. Es werde davon ausgegangen, dass Bayer nun recht schnell 95 Prozent der ausstehenden Aktien angedient werden, hieß es am Markt. Der Free-Float von Schering würde somit unter die Fünf-Prozent-Marke fallen und damit die Kriterien für einen Fast-Exit erfüllen. Als aussichtsreichster Aufstiegskandidat gilt ausgerechnet Merck. Als "Nummer 2" wird Puma genannt.

So aggressiv wie um Schering wurde in Deutschland selten um ein Unternehmen gekämpft. Die Übernahmeschlacht hatte mit einem feindlichen Angebot für Schering begonnen. Als "Weißer Ritter" war dann Bayer den Berlinern zur Hilfe gekommen und hatte das Angebot von Merck übertrumpft. Als die Übernahme von Schering dann schon in trockenen Tüchern zu sein schien, hatte Merck vor einigen Tagen überraschend angefangen, am Markt massiv Schering-Aktien einzukaufen und sich rasch der Sperrminorität von mehr als 25 Prozent der Anteile genähert. Bayer wurde von dem Störfeuer völlig überrascht. Eine solche Vorgehensweise sei von strategischen Investoren bislang nicht bekannt, hieß es in Leverkusen.

Dass Merck sich zudem darüber ausschwieg, was nun mit den Schering-Anteilen passieren sollte, brachte das Fass zum Überlaufen. So reichte Bayer am Dienstag in den USA Klage gegen Merck ein. Schering-Aktien werden auch an der NYSE gehandelt, Bayer konnte sich also auf US-Recht berufen. Der Konzern forderte das US-Gericht auf, anzuordnen, dass Merck seine Schering-Aktien wieder abgebe. Gleichzeitig kauften Bayer ihrerseits Aktien am Markt auf.

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