Archiv

85 deutsche FilialenMetro übernimmt Wal-Mart

28.07.2006, 08:56 Uhr

Der Handelskonzern Metro übernimmt das Deutschland-Geschäft des US-Kaufhausriesen Wal-Mart und will damit seine zuletzt angeschlagene Supermarktkette Real stärken. Über achtzig Häuser gehen nun an Metro. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Wal-Mart gibt nach acht Jahren mit immensen Verlusten in Deutschland auf. Der US-Kaufhausriese verkauft seine 85 Supermärkte an den Düsseldorfer Handelskonzern Metro und erwartet daraus ein Minus vor Steuern von einer Milliarde Dollar, wie der Konzern bekannt gab. Metro will die Supermärkte nun sanieren und mit dem Zukauf ihrer angeschlagenen Tochter Real wieder auf die Beine helfen.

Metro übernimmt an 19 Standorten auch die Immobilien, die übrigen 66 Warenhäuser sind gemietet. Der Konzern verleibt sich die Häuser den Angaben zufolge sogar noch mit einem Sonderertrag ein, der in diesem Jahr verbucht werde und in der Umsatz- und Ergebnisprognose nicht enthalten sei. Metro wollte die Summe nicht präzise nennen. Nach Abzug der Kosten für die Restrukturierung und Integration dürfte sich der Sondererlös am Ende aber auf einen zweistelligen Mio.-Betrag belaufen, erläuterte Metro-Chef Hans-Joachim Körber. Es sei jedoch noch zu früh, um eine genaue Aussage zu machen. Investoren zeigten sich erfreut: Die Metro-Aktie gewann zeitweise mehr als vier Prozent.

Durch die Übernahme der Wal-Mart-Häuser kommen rund 11.000 Beschäftigte zu Real hinzu. Bislang zählt die Kette inklusive der Extra-Märkte in Deutschland 36.000 Mitarbeiter in mehr als 550 Geschäften. Den Angaben zufolge kam Wal-Mart im vergangenen Jahr hier zu Lande auf einen Umsatz von rund zwei Mrd. Euro. "Wal-Mart war zu klein, um alleine in Deutschland auf einen grünen Zweig zu kommen", sagte Analystin Barbara Ambrus von der Landesbank Baden-Württemberg.

Wal-Mart-Supermärkte heißen bald Real

Wal-Mart zieht mit dem Verkauf einen Schlussstrich unter das gescheiterte Projekt, im deutschen Einzelhandel Fuß zu fassen. Der US-Konzern hatte 1998 die Wertkauf- und Interspar-Märkte gekauft und seither Verluste angehäuft. Das in den USA und anderen Ländern weitaus erfolgreichere Konzept, mit riesigen Geschäften auf der grünen Wiese und Kampfpreisen den Markt zu diktieren, ging vom ersten Tag an nicht auf. Die Konzernführung hat bereits eingeräumt, die Schwierigkeiten im hart umkämpften deutschen Markt unterschätzt zu haben. Die Einzelhandelsmargen hier zu Lande gehören im internationalen Vergleich zu den niedrigsten. Meist leichter zu erreichende Discountmärkte wie Aldi oder Lidl können preislich locker mithalten und auf die angestammte Kundschaft vertrauen. Beim Service unterscheiden sich die Billigketten ohnehin kaum, wie Verbraucherschützer immer wieder kritisieren.

Metro-Chef Körber nannte die Übernahme eine "ideale Ergänzung" zum Standortnetz der Tochter Real. Das Unternehmen hätte zwar gerne mehr Zeit gehabt bei der Transaktion, Wal-Mart habe sich aber rasch von dem Geschäft trennen wollen. Im vierten Quartal erwarte Metro die Genehmigung durch die Kartellbehörden, danach würden die Märkte in Real umbenannt. Eine Sprecherin des Bundeskartellamts sagte, die Übernahme sei wegen der Umsatzgrößen wohl ein Thema für die EU-Kommission in Brüssel.

Telekom-Manager soll bei Real aufräumen

Real war zuletzt in die roten Zahlen gerutscht und hatte nach einem Skandal um falsch etikettiertes Fleisch massive Einbußen verkraften müssen. Körber hatte der Tochter danach ein Sparprogramm verordnet. Betriebsbedingte Kündigungen schloss das Unternehmen zuletzt nicht aus, vor allem aber sollen längere Arbeitszeiten und ein verbessertes Warensortiment die Kehrtwende bringen. Nun soll es der Telekom-Manager Andreas Riedel richten. Er solle vor allem das Lebensmittel-Geschäft neu positionieren. Metro-Einkaufsvorstand Stefan Feuerstein, der auch Real neu ausrichten sollte, wird den Konzern verlassen.

Branchenexperten äußerten sich überwiegend zuversichtlich. "Real wird mit dem Zukauf die nötige Größe haben, um sich positiver zu entwickeln. Sehr positiv sehe ich, dass aus der Übernahme für Metro keine Belastungen für die Zukunft entstehen", sagte LBBW-Analystin Ambrus. Carmen Hummel von der Münchener HVB sprach von einem exzellenten Schritt für Real. "Es sind signifikante Synergieeffekte im Bereich Einkauf, Verwaltung und Logistik zu erwarten."

Nils Lesser von der Privatbank Merck Finck verwies auf das Problem der Überkapazitäten auf dem deutschen Markt. Christian Bruns von Sal. Oppenheim sieht hohes Synergiepotenzial, warnt aber vor Problemen bei der Zusammenführung: "Die Integration eines verlustreichen Geschäfts in ein Unternehmen, das selber in der Restrukturierung steht, ist ein sehr ambitioniertes Unterfangen, zumal wenn das alte Management ausgetauscht wird."

von Tom Käckenhoff und Olaf Zapke