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Geringstes Plus seit 1999Preise steigen langsam

09.04.2009, 20:09 Uhr

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind so stabil wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Billigere Kraftstoffe und Lebensmittel drückten die Teuerungsrate im März auf 0,5 Prozent, den geringsten Anstieg seit Juli 1999. Im Februar lagen die Preise im Schnitt noch um 1,0 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist. Experten erwarten in den kommenden Monaten sogar fallende Preise.

Die Verbraucherpreise in Deutschland sind so stabil wie seit fast zehn Jahren nicht mehr. Billigere Kraftstoffe und Lebensmittel drückten die Teuerungsrate im März auf 0,5 Prozent. Das ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der geringste Anstieg seit Juli 1999. Im Februar lagen die Preise im Schnitt noch um 1,0 Prozent über dem Niveau vor Jahresfrist. Experten erwarten in den kommenden Monaten sogar fallende Preise.

"Wir werden spätestens im Sommer Minuswerte sehen", sagte der Chefvolkswirt von Sal. Oppenheim, Norbert Braems. "Inflation ist bis 2010 kein Thema mehr." Grund ist vor allem der niedrige Ölpreis. Wegen der rezessionsbedingten schwachen Nachfrage bleibt aber auch dem Einzelhandel kaum Spielraum, um höhere Preise durchzusetzen. "Die Preise für Autos sinken, in den Kaufhäusern häufen sich die Sonderangebote", sagte Braems.

Geringer Preisauftrieb im gesamten Jahr

Diese Beobachtung machen auch die GfK-Marktforscher. "Eine ganze Reihe von Firmen investiert weniger in Werbung und Marketing und senkt dafür einfach die Preise", sagte GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst. So sollen auch in der schwersten Wirtschaftskrise seit 60 Jahren Kunden angelockt und Marktanteile verteidigt werden.

Experten von 19 Instituten und Banken erwarten im Schnitt, dass die Teuerungsrate im Jahresmittel nur 0,4 Prozent betragen wird. 2008 waren es noch 2,6 Prozent. Das stärkt die Kaufkraft und stabilisiert den privaten Konsum. Nach Einschätzung des Chefs der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, werden Verbraucher und Unternehmen allein durch die sinkenden Energiepreise um rund 30 Milliarden Euro entlastet.

Der geringe Preisdruck in Europas größter Volkswirtschaft lässt der EZB Spielraum für weitere Zinssenkungen. Seit September hat die Europäische Zentralbank ihren Leitzins von 4,25 auf das Rekordtief von 1,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet deutete für Mai einen weiteren Schritt an. "Ich habe nicht ausgeschlossen, dass wir - in sehr maßvoller Art und Weise - vom gegenwärtigen Niveau nach unten gehen könnten", sagte Trichet der italienischen Zeitung "Il Sole 25 Ore". Mit billigem Geld will die Notenbank Konsum und Investitionen anregen. Dadurch soll die Rezession bekämpft und ein Abgleiten in die Deflation verhindert werden.

Heizöl kostete im März 36,3 Prozent weniger als vor Jahresfrist, Benzin und Diesel 18 Prozent weniger. Ohne Mineralölprodukte hätte die Teuerungsrate 1,7 Prozent betragen. Einige Energiepreise zogen dagegen an: Gas verteuerte sich um 17,9 Prozent, Umlagen für Zentralheizung und Fernwärme um 14,7 Prozent und Strom um 6,4 Prozent. Auch Molkereiprodukte und viele andere Lebensmittel verbilligten sich spürbar. Quark war für 24,5 Prozent und süße Sahne für 22,7 Prozent günstiger zu haben.