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"Ohne Bundesliga geht auch"Premiere sucht Ersatz

21.12.2005, 19:45 Uhr

Der Bezahl-TV-Sender Premiere sucht nach dem Verlust der Fernseh-Rechte für die Fußball-Bundesliga nach Ersatz. Die nun freien Investitionsmittel wolle Premiere für den Kauf anderer Übertragungsrechte einsetzen, sagte Vorstandschef Georg Kofler ohne konkrete Pläne zu nennen. "Ohne Bundesliga bricht die Welt hier nicht zusammen." Das sah man an der Börse anders: Premiere-Aktien verloren mehr als 40 Prozent.

Der Bezahl-TV-Sender Premiere sucht nach dem Verlust der Fernseh-Rechte für die Fußball-Bundesliga nach Ersatz. Die nun freien Investitionsmittel wolle Premiere für den Kauf anderer Übertragungsrechte einsetzen, sagte Vorstandschef Georg Kofler ohne konkrete Pläne zu nennen. "Ohne Bundesliga bricht die Welt hier nicht zusammen."

Gleichzeitig schloss Kofler unmittelbar nach der Entscheidung der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine Kooperation mit dem neuen Rechteinhaber, dem Kabelnetzbetreiber Unity Media, nicht aus. Gespräche gebe es aber noch nicht, sagte er.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte die Pay-TV-Rechte an Kabel Deutschland und Unity Media (früher Ish und Iesy), vergeben. Die ARD-Sportschau behält die Rechte für das frei empfangbare Fernsehen, sendet aber Samstag erst ab 18.30 Uhr. Das Gesamtvolumen des TV-Vertrages für drei Jahre beläuft sich auf 1,26 Mrd. Euro, pro Saison sind 420 Mio. Euro fällig.

Aktie stürzt ab

An der Börse wurde der Verlust der Bundesliga-Rechte schwer genommen. Die erst seit Frühjahr an der Börse notierte Premiere-Aktie stürzte am Mittwoch um mehr als 40 Prozent auf 12,55 Euro ab. Anleger hatten sie im März für 28 Euro erworben. Nach Angaben der Deutschen Börse hat es in den vergangenen beiden Jahren lediglich einen Fall mit einem ähnlichen hohen Kursverlust im MDAX gegeben: Der Einbruch der WCM-Aktie im April 2005.

Händler bezeichnen die Entscheidung des DFL als "sehr harten Schlag für Premiere". Ein Analyst von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) sagte, mit "dieser Entscheidung ist Premiere vor eine gravierende Zerreißprobe gestellt." Es sei schwierig einzuschätzen, wie der faire Wert der Aktien danach einzuschätzen sei. So gebe es keine genauen Angaben darüber, wie viele Kunden durch den Verlust der Rechte verloren gingen. "In jedem Fall wird es zu einer Neubewertung kommen".

"Es hat schon schlechtere Tage gegeben"

Der Premiere-Chef demonstrierte jedoch in einer Telefonkonferenz Optimismus. "Das ist kein schöner Tag für Premiere. Aber es hat schon schlechtere Tage gegeben", sagte der Chef des einzigen deutschen Bezahl-Fernsehsenders. Er glaube auch nicht, wie einige Branchenexperten, dass Premiere ein Drittel seiner Abonnenten verlieren werde. Wie viele der rund 3,5 Mio. Abonnenten von Premiere ab Sommer 2006 wegen des Verlustes der Fußball-Bundesliga abspringen werden, sei offen. Doch nicht nur die Börse, auch die eigene Belegschaft musste Kofler mit aller Kraft aufmuntern. "Mir ist schon klar, dass das dramatische Auswirkungen auf den Aktienkurs und den psychotherapeutischen Zustand mancher Leute hier im Hause hat."

Zu hoch gepokert?

Für den Drei-Jahres-Vertrag ab August 2006 hatte Kofler der Liga statt bisher knapp 200 fast 300 Mio. Euro pro Spielzeit angeboten. Dafür hatte Premiere aber mehr Exklusivität verlangt - erst ab 22.00 Uhr sollte das ZDF-Sportstudio die ersten Zusammenfassungen senden dürfen. Das lehnten die Vereine auch mit Blick auf ihre Werbepartner jedoch ab. Der Premiere-Chef rechtfertigte das Festhalten an mehr Exklusivität: "Wir haben nicht gezockt, sondern eine klare unternehmerische Entscheidung getroffen. Wir hätten sonst mehr bezahlt und weniger Wachstumschancen gehabt." Für sich persönlich sieht Kofler keinen Grund zum Rücktritt. Er sei als Bergsteiger gewohnt, auch durch schwieriges Gelände zu gehen

Konkrete Pläne für die künftige Entwicklung von Premiere nannte Kofler nicht. Bis zum Auslaufen der Rechte sei noch genügend Zeit. Premiere werde notfalls die Abopreise senken und die Durststrecke überstehen. Er bezweifle den Erfolg der Pay-TV-Konkurrenz, die jetzt "beim Stande null" anfange. Zudem müsse abgewartet werden, ob es nicht noch kartellrechtliche Probleme für die neuen Rechteinhaber und die dahinter stehenden Kabelnetzbetreiber gebe.

Auch für eine veränderte Geschäftsprognose sei es jetzt zu früh, sagte Kofler. Diese werde er Mitte Februar geben. Dann werde er auch über die Pläne einen gebührenfreien Sportkanal einzuführen mehr sagen können. Premiere hat für die Saison 2006/2007 nicht nur die Pay-TV-Rechte, sondern auch die Übertragungsrechte an der Champions League für das frei empfangbare Fernsehen gekauft. Wenn Premiere bis März nicht über einen Free-TV-Kanal verfügt, fallen die Rechte wieder an die Uefa zurück.