Freitag, 19. Mai 2006
Goleo war doch nicht schuld: Scheingeschäfte bei Nici
Ein Misserfolg mit dem WM-Maskottchen "Goleo" ist offenbar nicht der Grund für die Insolvenz des fränkischen Plüschtier-Vermarkters Nici gewesen. Firmenkreisen zufolge prüfen Staatsanwaltschaft und Insolvenzverwalter, ob das Unternehmen den Banken zweistellige Millionenumsätze nur vorgespiegelt hat.
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, haben Staatsanwälte und Polizeibeamte die Nici-Zentrale und die Privatwohnung des ehemaligen Vorstandschefs durchsucht. Bei einer externen Prüfung seien Scheinrechnungen an erfundene Käufer gefunden worden, bestätigten Unternehmenskreise. Diese fingierten Forderungen - allein in diesem Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag - seien an Factoring-Gesellschaften der Banken verkauft worden. Die Staatsanwaltschaft in Hof war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Dem Zeitungsbericht zufolge will sie sich am Freitag äußern.
Auch Insolvenzverwalter Michael Jaffe will den Geldzu- und Abfluss von Nici in einer Sonderprüfung unter die Lupe nehmen. Dabei würden auch Buchungen aus den Jahren 2004 und 2005 geprüft werden. Das Unternehmen hatte kurz vor dem Insolvenzantrag am Dienstag die Umsatzzahlen der vergangenen Jahre von seiner Internetseite gelöscht. Für 2005 waren 155 Mio. Euro Umsatz angegeben worden, die Zahlen zeigten ein starkes Wachstum. Jaffe sprach am Donnerstag zunächst nur von "Unregelmäßigkeiten in der Bilanz". Ein Ergebnis der Prüfung sei erst in einigen Wochen zu erwarten, erklärte der Münchner Rechtsanwalt.
Goleos Weste wieder reingewaschen
Zunächst hatte das Unternehmen hohe Lizenzzahlungen für das Fußball-WM-Maskottchen "Goleo" und dessen schleppenden Verkauf als Grund für die Finanzprobleme angegeben. Nici habe nur zwei bis drei Mio. Euro Lizenzgebühr gezahlt, der Rest sei umsatzabhängig, hieß es nun.
Jaffe will das zahlungsunfähige Unternehmen weiterführen und mit dem Vertrieb der Plüsch-Löwen fortfahren. Gespräche mit den Banken und Lieferanten seien konstruktiv verlaufen, sagte ein Sprecher Jaffes. Zudem hätten sich Interessenten für einen Einstieg bei dem Unternehmen aus dem fränkischen Altenkunstadt gemeldet, teilte der Verwalter mit. Die Löhne und Gehälter der 576 Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld zunächst gesichert.
Der 1986 gegründete Plüschtierhersteller vermarktet seine Produkte in mehr als 40 Ländern. Die Plüschtiere selbst lässt Nici in Asien fertigen. Das Unternehmen vermarktet "Goleo"-Produkte vom Schlüsselanhänger bis zur 200 Euro teuren Großausführung.


