Herr über die GaspipelineSchröder ist Chefaufseher
Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in Moskau den Aufsichtsratsvorsitz bei der Betreibergesellschaft der Gaspipeline durch die Ostsee übernommen. Gasprom sowie die beiden deutschen Versorger Ruhrgas und Wintershall schufen auf der konstituierenden Sitzung die Grundlagen für das Milliardenprojekt.
Altkanzler Gerhard Schröder hat am Donnerstag in Moskau erwartungsgemäß den Aufsichtsratsvorsitz bei der Betreibergesellschaft der geplanten Ostsee-Pipeline übernommen.
Die vom Kreml kontrollierte Gasprom sowie die beiden deutschen Energieversorger Ruhrgas und Wintershall schufen am Donnerstag auf der konstituierenden Sitzung die Grundlagen für das Milliardenprojekt. Wie Schröder in Moskau auf einer Pressekonferenz nach der ersten Sitzung des Aufsichtsrats mitteilte, erhält er für seinen Posten als Aufsichtsratschef des deutsch-russischen Ostsee-Gaspipeline-Konsortiums 250.000 Euro im Jahr. Der Altkanzler war in den vergangenen Monaten wegen dieses Postens scharf kritisiert worden.
Schröder selbst hatte das Gaspipeline-Projekt als Kanzler gefördert. Er hatte die Vorwürfe allerdings immer wieder zurückgewiesen. Die Pipeline sorgte auch für Verstimmungen in der Europäischen Union (EU). Vor allem Polen fühlt sich davon hintergangen und wirft Deutschland vor, damit in der Energiepolitik eher eigene als gemeinsame Interessen zu verfolgen.
Die Gaspipeline soll ab 2010 zunächst 27,5 und später 55 Mrd. Kubikmeter Gas aus Russland durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. An der neu gegründeten Firma Nordeuropäische Gaspipeline NEGP sind die russische Gasprom mit 51 Prozent und die deutschen Konzerne E.on und BASF mit je 24,5 Prozent beteiligt. Offizieller Firmensitz ist die Stadt Zug in der Schweiz, daneben wird eine Filiale in Moskau eingerichtet. Zum Geschäftsführer wurde der frühere Leiter der Dresdner Bank Russland, Matthias Warnig, bestellt.
E.on entsandte den Vorstandschef des Tochterunternehmens Ruhrgas, Burckhard Bergmann, und den Leiter der Unternehmenskommunikation der Ruhrgas Transport AG, Hans-Peter Floren, in das Aufsichtsgremium. BASF ist mit dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Eggert Voscherau und dem Chef der BASF-Tochter Wintershall, Reinier Zwitserloot, vertreten. Für die russische Seite zogen neben Schröder Gasprom-Chef Alexej Miller, dessen Stellvertreter Alexander Medwedew und die Gasprom-Managerin Wlada Russakowa in den Rat ein.
Seit seinem Ausscheiden aus der Regierung nach der Bundestagswahl im Herbst hat Schröder mehrere Posten in der Wirtschaft übernommen. Der frühere SPD-Vorsitzende soll unter anderem Berater bei der Investmentbank Rothschild werden und hat einen ähnlichen Posten beim Schweizer Ringier-Verlag erhalten. Zudem lässt er sich von einer amerikanischen Agentur gegen Honorar als Redner vermitteln.