Hartz soll Million gewährt habenSonderbonus für Volkert
Der frühere VW-Betriebsratschef Volkert hat nach Presseberichten angeblich rund eine Mio. Euro Sonderzahlungen kassiert. Das habe Ex-Personalvorstand Hartz in einer Vernehmung am vorigen Montag ausgesagt. Zwischen Volkert und Hartz habe es eine mündliche Absprache gegeben, wonach die Sonderboni seit dem Jahr 2000 gewährt worden seien.
Der frühere VW-Betriebsratschef Klaus Volkert hat nach Presseberichten angeblich rund eine Mio. Euro Sonderzahlungen kassiert. Pro Jahr seien je nach Konzernergebnis 200.000 bis 300.000 Euro an Volkert ausgeschüttet worden, berichtete der "Focus". Das habe Ex-Personalvorstand Peter Hartz in einer Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig am vorigen Montag ausgesagt. Auch die "Die Welt" berichtete unter Berufung auf Justizkreise von dem Bonus in Millionenhöhe.
Behörden-Sprecher Klaus Ziehe wollte diese Zahlen am Samstag im Detail nicht bestätigen. Hartz habe die Verantwortung für Sonderbonuszahlungen "in nicht unerheblicher Höhe" übernommen, sagte Ziehe. In der Summe könnten das schon sechs- bis siebenstellige Beträge gewesen sein. Laut "Focus" flossen die Zahlungen seit 2000. Sie basierten auf einer mündlichen Absprache mit Hartz. Volkert selbst habe beim damaligen VW-Chef Ferdinand Pich interveniert, der ihn mit seinen Gehaltsforderungen wiederum an Hartz verwiesen habe.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt in der VW-Affäre wegen Untreue und Begünstigung gegen insgesamt 13 Beschuldigte. Im Kern drehen sich die Ermittlungen um die Frage, ob Betriebsräte mit unzulässigen Sonderzuwendungen beeinflusst worden sind.
Das Verfahren gegen Hartz könne möglicherweise noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, sagte Ziehe. Mit der jetzt eingeräumten Begünstigung von Volkert hätten die Ermittlungen eine neue Qualität bekommen. "Der Schadensbetrag, der jetzt im Raume stehen könnte, ist nicht zu vergleichen mit mancher Veranstaltung", sagte Ziehe unter Anspielung auf die angeblichen "Lustreisen" von Betriebsräten auf VW-Kosten.
Unterdessen widersprach ein VW-Sprecher am Samstag Informationen der "Welt", die Aussage von Hartz könne Volkswagen in Bedrängnis bringen. Das Blatt hatte berichtet, dass der Autohersteller den mutmaßlich von Hartz angerichteten Schaden über eine Versicherung begleichen ließ. Sollte Hartz im Zusammenhang mit dem Schaden eine vorsätzliche Straftat nachgewiesen werden, müsse VW den Betrag an den Versicherer zurückerstatten. Dazu sagte der Sprecher: "Die Meldungen, VW drohe Regress durch Versicherungen, sind falsch. Sollte die Versicherung vorsätzlich verursachte Schäden ausgeglichen haben, wäre ein Rückgriff allenfalls beim Schädiger, nicht aber bei VW möglich."
Mit Blick auf die VW-Affäre beklagte der Ethikverband der Deutschen Wirtschaft ein fehlendes Unrechtsbewusstsein in Wirtschaft und Politik. "Je schneller sämtliche Details über das schon bekannte Maß hinaus veröffentlicht worden wären, desto besser hätten beide den Schaden in Grenzen halten können. Genau das ist bisher seitens des Hauptbeteiligten nicht geschehen, ja es fehlte zu Beginn der Affäre sogar das notwendige Schuldbewusstsein", bemängelte der Ethikverband. Es mache sich "eine neue Unredlichkeit" in Deutschland breit. Der Imageschaden für VW sei beträchtlich.