Dienstag, 19. April 2005
Gerüchte: Eigentümerwechsel: Springer kauft ProSiebenSat.1
Der Axel-Springer-Verlag steht Medienberichten zufolge kurz vor der Übernahme der Privatsenderkette ProSiebenSat.1. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass sich der Verlag und die ProSieben-Hauptaktionäre um den US-Medienunternehmer Haim Saban über das Geschäft im Prinzip einig seien. Nun solle rasch ein Kaufvertrag ausgehandelt und dem Bundeskartellamt vorgelegt werden. Verlagssprecherin Edda Fels wollte den Bericht nicht kommentieren.
Wie die "Süddeutsche" ohne Angaben von Quellen schreibt, will Springer seinen Anteil an der Fernsehkette von derzeit 11,8 Prozent auf mehr als 50 Prozent aufstocken. Die Preisspanne für Springer liege zwischen 1,3 und 1,5 Milliarden Euro. Als Finanzier sei die Deutsche Bank im Gespräch. Bei einer Übernahme wäre Deutschlands größtes Presseunternehmen auch im Privatfernsehen die Nummer Eins.
Saban hatte die Aktienmehrheit der aus inzwischen sechs Programmen bestehenden TV-Kette mit Hauptsitz München in mehreren Schritten seit 2003 für insgesamt rund eine Milliarde aus der Insolvenzmasse des Medienhändlers Leo Kirch übernommen.
Gegen eine schnelle Übernahme steht allerdings offenbar eine Klausel im Übernahmevertrag zwischen Saban und der Kirch-Gruppe, wonach die Käufer bei einem Ausstieg binnen zwei Jahren mehr als 80 Prozent ihres Verkaufsgewinnes an die Kirch Media abführen müssen. Bereits am Wochenende hatte der "Spiegel" von einem Schreiben Sabans an die Gläubiger berichtet, worin der US-israelische Unternehmer 15 Millionen Euro bietet, wenn die Gläubiger auf den Passus verzichten.
Laut "SZ" kommt die Offerte von Springer und ist bis heute um 18.00 Uhr befristet. Der Kirch-Gläubigerausschuss ist demnach noch nicht einverstanden. "Wir haben noch Diskussionsbedarf", zitierte die Zeitung aus Kreisen der Hauptgläubiger. Sollte es keine Einigung geben, gilt die Klausel den Berichten zufolge bis zum 1. August.
Bereits im Januar hatte es erste Bericht vom Interesse Springers an ProSiebenSat.1 gegeben. Vorstandschef Mathias Döpfner hatte damals laut "Spiegel" in den USA Gespräche mit Saban geführt. Saban selbst hatte aber stets betont, dass er seinen eigenen Anteil behalten will.
