Ministerium widersprichtStreit um Krankenstand
Der Krankenstand in deutschen Unternehmen wird von Gesundheitsministerium und Krankenkassen unterschiedlich beurteilt. Die Betriebskrankenkassen meldeten erst kürzlich mehr Krankschreibungen als im Vorjahr. Das Bundesgesundheitsministerium spricht dagegen vom niedrigsten Krankenstand seit 1970.
Zwischen Gesundheitsministerium und Betriebskrankenkassen (BKK) ist ein Streit um die Anzahl der Krankmeldungen in deutschen Unternehmen entbrannt. Die Kassen hatten Ende November bekannt gegeben, dass die Zahl der Krankschreibungen erstmals seit Jahren wieder zunehme. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2007 sind deutsche Arbeitnehmer demnach im Schnitt an 11,4 Tagen arbeitsunfähig gewesen. Im selben Zeitraum des Vorjahres seien es 10,6 Tage gewesen.
Tiefster Stand seit 1970
Das Bundesgesundheitsministerium hat diesen Angaben jetzt widersprochen und damit einen Vorabbericht der "Thüringer Allgemeinen" bestätigt. Der Zeitung zufolge ist der Krankenstand in deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr sogar auf ein Rekordtief gefallen. Noch nie seit der Wiedervereinigung seien weniger Mitarbeiter wegen Krankheit ausgefallen als 2007. Für Westdeutschland gelte der Rekord sogar bis zur Einführung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall im Jahr 1970.
Die Zeitung beruft sich auf vorläufige Zahlen aus dem Bundesgesundheitsministerium. Von Januar bis Dezember haben demnach jeden Tag durchschnittlich 3,21 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wegen Krankheit am Arbeitsplatz gefehlt. 2006 habe dieser Wert bei 3,29 Prozent gelegen.
Ursachen unklar
Die widersprüchlichen Angaben gehen dem Ministerium zufolge auf nicht vergleichbares Zahlenmaterial zurück. Die Ursachen für den Rückgang ließen sich anhand der vorläufigen Zahlen nicht erkennen. Die Zeitung hatte einen Mitarbeiter des Ministeriums damit zitiert, die meisten Unternehmen hätten "alte und kranke Menschen aussortiert". Freie Stellen seien mit Jüngeren besetzt worden. Zudem gehe der Anteil körperlicher Arbeit zurück.