Aderlass in ChemiebrancheUnfreiwillig 35-Stunden
In der Chemiebranche müssen sich die Mitarbeiter auf harte Einschnitte einstellen. Bei Lanxess werden die Mitarbeiter auf 35 Stunden Arbeit pro Woche mit Lohnkürzungen gesetzt und die Boni gestrichen. Die Bayer-Tochter Material Science geht es für die Mitarbeiter ebenfalls in die 35-Stunden-Woche mit der Aussicht auf Kurzarbeit. Bei Evonik ist Ähnliches geplant.
In der Chemiebranche kommen auf tausende Mitarbeiter Einkommenseinbußen zu. Der Spezialchemiekonzern Lanxess senkt wegen der anhaltend schwachen Nachfrage für 5000 Tarifmitarbeiter in Deutschland die Arbeitszeit und die Löhne. Für sie gelte ab März für zunächst ein Jahr die 35-Stunden-Woche mit entsprechender Lohnreduzierung, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Bisher arbeiten die deutschen Lanxess-Mitarbeiter den Angaben zufolge 37,5 Stunden in der Woche. Zudem werde für 2009 kein Bonus ausgezahlt.
Auch für die Bayer-Kunststoffsparte Material Science gilt vom 9. Februar an für neun Monate die 35-Stunden-Woche mit entsprechenden Lohneinbußen. Mit der Anwendung der Öffnungsklausel im Chemie- Tarifvertrag solle "die schwierige Situation aus eigener Kraft" gemeistert werden. Bayer MaterialScience hatte zunächst Kurzarbeit angekündigt, die zunächst aber nicht kommt. Wie viele der 5500 Mitarbeiter in Deutschland von der 35-Stunden-Woche betroffen sind, war zunächst nicht bekannt.
Kurzarbeit bei Evonik
Auch im Management gibt es in beiden Unternehmen Einschnitte. Bei Lanxess hieß es, mit den zunächst für die folgenden zwölf Monate vorgesehenen Maßnahmen wolle der Konzern im Zeitraum 2009/2010 seine Auszahlungen um rund 50 Millionen Euro senken. Lanxess hat inklusive selbstständiger Tochterunternehmen insgesamt 6500 Tarifmitarbeiter in Deutschland. Die Vereinbarung über die Arbeitszeitverkürzung gelte nicht für alle Töchter, sagte ein Lanxess-Sprecher.
Der Industriekonzern Evonik hat wegen des Nachfragerückgangs in der Automobil-, Bau- und Textilindustrie Kurzarbeit in Teilen seiner deutschen Chemiesparte beantragt. Betroffen sind nach Firmenangaben 1160 Mitarbeiter - knapp 6 Prozent der deutschen Chemie-Beschäftigten des Unternehmens. Die in Abstimmung mit den Betriebsräten gestellten Anträge seien in einigen Betrieben bereits im Januar genehmigt und umgesetzt, teilte Evonik Industries am Freitag in Essen auf Anfrage mit. In anderen Betrieben soll die Kurzarbeit nach der Genehmigung noch im Februar beginnen.
Evonik stellt in seiner Chemiesparte, der früheren Degussa, unter anderem Vorprodukte für Autolack und Füllstoffe für Reifen her. Vor allem die Reifennachfrage war in den vergangenen Monaten eingebrochen. Die Kurzarbeit sei für bis zu sechs Monate geplant, sagte eine Sprecherin. Ob sie auf weitere Chemie-Beschäftigte des Unternehmens ausgedehnt werde, lasse sich derzeit noch nicht sagen. "Wir fahren auf Sicht und werden das je nach Geschäftsentwicklung entscheiden", sagte die Sprecherin.