Dell-Gewinn bricht einUntersuchung der Börsenaufsicht
Der weltgrößte PC-Hersteller Dell hat einen Gewinneinbruch erlitten und sieht sich zudem mit Bilanz-Ermittlungen der Börsenaufsicht (SEC) konfrontiert.
Der weltgrößte PC-Hersteller Dell hat die Anleger mit einem Gewinneinbruch und Bilanz-Ermittlungen der Börsenaufsicht (SEC) geschockt: seine Aktien verloren nachbörslich rund fünf Prozent. Bereits zu Wochenbeginn musste Dell mit dem Rückruf von Mio. Laptops eine Hiobsbotschaft verkünden; zudem stellte sich erneut heraus, dass ihm sein ärgster Rivale Hewlett-Packard das Wasser abgräbt.
Der Ertrag im abgelaufenen Geschäftsquartal halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 502 Mio. Dollar, wie der US-Konzern am Donnerstag nach Börsenschluss bekannt gab. Der Umsatz stieg lediglich um fünf Prozent auf 14,1 Mrd. Dollar und damit so langsam wie seit mindestens drei Jahren nicht mehr. "Die Einkaufspreise für Komponenten sind nicht so stark gesunken wie wir erwartet hatten, folglich litt unsere Marge", sagte Dell-Chef Kevin Rollins. Er räumte ein, Dell habe seine Computer zu billig verkauft.
Analysten verwiesen darauf, dass Dells frühere Wettbewerbsvorteile aus seinem Direktvertriebsmodell längst ausgereizt seien und das Unternehmen zudem mit Imageproblemen zu kämpfen habe. "Dell hat die Trendwende eingeleitet. Aber ich weiß nicht, ob die bisherigen Schritte ausreichen", sagte Analyst Shaw Wu von American Technology Research.
SEC fordert lastwagenweise Unterlagen
Dell erklärte, das Unternehmen glaube nicht, dass die SEC-Untersuchung "substanzielle Auswirkungen" auf die Finanzlage des Konzerns haben werde. Der Konzern ist einem Sprecher zufolge bereits seit einem Jahr über die Nachforschungen der strengen US-Börsenaufsicht informiert. Dell wollte gegenüber der Öffentlichkeit jedoch keine Details über die informelle SEC-Untersuchung zur Umsatzverbuchung und weiteren Bilanzfragen nennen. Allein eine jüngste Ausweitung des Verfahrens habe Dell dazu bewogen, den Vorgang öffentlich zu machen. "Wir hatten das Gefühl, das wir das nicht mehr verschweigen können", sagte Finanzvorstand Jim Schneider. Zu viele Personen seien inzwischen an den Ermittlungen beteiligt. Näheres wollte Schneider nicht sagen. "Wir reden hier von Unterlagen, die einen Lastwagen füllen würden", fügte er mit Blick auf die von der SEC angeforderten Dokumente hinzu.
Dells größter Rivale Rivale Hewlett-Packard hatte am Donnerstag einen Gewinnschub bekannt gegeben und im abgelaufenen Quartal knapp 1,4 Mrd. Dollar verdient. HP gewinnt in den Vereinigten Staaten weiter Marktanteile. Auf dem entscheidenden US-Markt verkauft Dell 34 Prozent aller Computer, HP inzwischen 20 Prozent. Auf dem Weltmarkt ringen die beiden US-Giganten im Geschäft mit Desktops und Notebooks etwa mit Fujitsu Siemens, den Japanern Sony und
Toshiba sowie der taiwanischen Acer und Chinas Lenovo um Kunden. Lenovo hat die traditionsreiche PC-Sparte des US-Konzerns IBM übernommen.