Archiv

Piechs DoppelrolleVW-Aufsichtsrat gespalten

10.10.2005, 10:56 Uhr

Die möglichen Interessenkonflikte von VW-Aufsichtsratschef Piech beim Einstieg von Porsche sollten nach Ansicht des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff nicht unter den Teppich gekehrt werden. Mit einer Entscheidung am heutigen Montag rechnet er aber nicht. Am Nachmittag tagt der Aufsichtsrat.

Im Aufsichtsrat von Volkswagen ist nach den Worten seines stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Peters am Montag nicht über die Rolle von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech abgestimmt worden.

"Der Aufsichtsrat hat nicht abgestimmt", sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef und IG-Metall-Chef Peters in Wolfsburg nach der Sondersitzung. In der drei Stunden dauernden Sitzung des Kontrollgremiums sei allerdings kontrovers über Piechs Doppelfunktion als Aufsichtsratschef und Miteigentümer von Porsche diskutiert worden. In einem Rechtsgutachten seien auch mögliche Interessenkonflikte Piechs angesprochen worden. Piech habe dagegen argumentiert, hieß es.

Ungeachtet der Diskussionen um Piechs weitere Rolle bei VW beauftragte der Aufsichtsrat den Vorstand, in den nächsten Wochen Details der weiteren Zusammenarbeit zwischen den beiden Autobauern auszuhandeln. Erste Ergebnisse sollten in der Aufsichtsratssitzung im November vorgelegt werden. Porsche war kürzlich bei VW eingestiegen und ist mit 18,5 Prozent inzwischen größter Aktionär von VW.

Mitteilung am Dienstag

VW-Chef Bernd Pischetsrieder will sich am Dienstag über die künftige Zusammenarbeit mit dem Sportwagenbauer Porsche äußern. Pischetsrieder und Finanzchef Hans Dieter Pötsch wollten die Analysten in einer Telefonkonferenz am Dienstag um 12 Uhr über die Pläne informieren, sagte ein Unternehmenssprecher. Porsche hat sich mit fast 19 Prozent an VW beteiligt. VW baut für Porsche bereits die Karosserie des Geländewagens "Cayenne". Zuletzt war über eine größere Rolle von VW bei der Produktion des geplanten Sportcoupes "Panamera" spekuliert worden.

Wulff fordert Debatte

Niedersachens hatte zuvor gefordert, die möglichen Interessenkonflikte von Piech beim Einstieg von Porsche nicht unter den Teppich gekehrt werden. Er sprach sich für eine offene Debatte im Aufsichtsrat aus. "Da wird ganz massiv auf zwei Schultern getragen, das muss verhindert werden", sagte Wulff in Wolfsburg vor der Aufsichtsratssitzung

Wulff bekräftigte, dass Niedersachsen seinen Anteil von 18,2 Prozent an Volkswagen behalten wolle. Zugleich forderte er, dass alle Anteilseigner "fair und gleich" behandelt würden. Er regte eine Untersuchung über mögliche Interessenkonflikte von VW-Aufsichtsratschef Piech im Kontrollgremium an.

Seit Tagen wird bereits über die Doppelrolle von Piech diskutiert. Piech hat bereits angekündigt, sich nicht aus dem Amt drängen lassen zu wollen. Er wolle bis zum Ende der Vertragslaufzeit 2007 im Amt bleiben. "In meiner Karriere haben schon einige versucht, mich rauszudrängen. Es ist noch keinem gelungen", sagte Piech dem "Spiegel".