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Samstag, 16. Dezember 2006

Chefbuchhalter spricht: Von Pierer hält gegen

In der Affäre um Schwarze Kassen und angebliche Schmiergeldzahlungen bei Siemens gibt es neue Vorwürfe. Einem Bericht des "Tagesspiegel" zufolge hat der Chefbuchhalter der Com-Sparte über seinen Anwalt seine Vorgesetzten belastet.

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer lehnt einen Rücktritt im Zusammenhang mit der Affäre strikt ab. "Ich trete nicht zurück", sagte von Pierer der "Welt am Sonntag". "Die Frage stellt sich mir nicht. Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen."

Was wusste der Aufsichtsrat?


Von Pierer, früher Vorstandschef bei Siemens, will sich keine persönliche Versäumnisse anlasten lassen: "Wir haben nichts billigend in Kauf genommen. Wir haben viel gegen Korruption getan und unseren Leuten immer klar gesagt: Lasst lieber ein Geschäft sausen." Auch bei der Aufklärung handele der Konzern nun kompromisslos: "Wir haben alles getan, was man tun kann. Eine unabhängige und umfassende Aufklärung ist in die Wege geleitet."

Rückendeckung bekam von Pierer am Samstag von der Antikorruptions-Organisation Transparency International (TI). Ihr Deutschland-Vorsitzender Hansjörg Elshorst sagte der "Netzeitung", er halte es für unwahrscheinlich, dass Pierer von den damaligen Machenschaften in seinem Unternehmen gewusst habe.

"Pierer war einer derjenigen, die an oberster Spitze aktiv mitgewirkt haben, dass das Instrumentarium gegen die Korruption verschärft worden ist, da hat er sich Ende der 90er Jahre große Verdienste erworben. Insofern ist er eine Persönlichkeit, von der ich mir vorstellen könnte, dass man den wirklich abschirmt von solchen Informationen", sagte Elshorst der Internet-Zeitung. Eine Woche zuvor hatte die Organisation mitgeteilt, sie wolle sich wegen der Untreue-Ermittlungen von ihrem Mitglied Siemens trennen. Es sei nur noch nicht klar, ob Siemens selbst austrete oder ausgeschlossen werde.

"Beide Augen zudrücken "

Wie der Anwalt, Steffen Ufer, gegenüber dem "Tagesspiegel" sagte, hat auch der Zentralvorstand von Siemens die Praktiken gebilligt. Der Name des damaligen Vorstandschefs von Pierer, der heute den Aufsichtsrat leitet, soll entgegen den Zeitungsangaben nicht genannt worden sein. Man habe von seinem Mandanten gewünscht, beide Augen zuzudrücken, so der Anwalt weiter. Er habe gesagt, "dass in diesem Konzern fast jeder - außer vielleicht die Putzfrau - wusste, dass illegale Provisionen gezahlt werden". "Er hat aber zu keinem Zeitpunkt den Namen Pierer genannt."

Ufer sieht daher auch den Verdacht der Untreue zum Schaden von Siemens, wie ihn die Staatsanwaltschaft verfolgt, als nicht stichhaltig an. "Das ist Schwachsinn, das war doch alles im Interesse der Firma", sagte Ufer. Die Untreuevorwürfe seien nicht zu halten, eher werde es möglicherweise um Bestechung und Steuerhinterziehung beziehungsweise Beihilfe dazu gehen. Der Chefbuchhalter werde in der nächsten Woche nach weiteren Aussagen gegen Auflagen freikommen, betonte der Anwalt.

Vorwürfe gegen Führungszirkel

Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf Firmeninsider berichtete, sollen auch Ex-Finanzchef Neubürger und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Baumann frühzeitig von dubiosen Geldflüssen gewusst haben. Wirtschaftsprüfer hätten sie spätestens 2004 informiert. In der Finanzaffäre geht es um ungeklärte Transaktionen in Höhe von 420 Mio. Euro.

Erst am Dienstag war der frühere Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt verhaftet worden. Damit hatte die Schmiergeldaffäre erstmals die Ebene der Konzernspitze erreicht. Ein ehemaliger Vorstandskollege soll in Vernehmungen gesagt haben, dass Ganswindt schon seit 2004 von dem Schmiergeldsystem gewusst habe.

Mysteriöser Todesfall

Nach Angaben des Magazin ereignete sich ein Todesfall, bei dem ein Zusammenhang mit der Schmiergeldaffäre vermutet wird. Ein langjähriger Siemens-Vertriebsmitarbeiter der Kommunikationssparte in Russland ist den Angaben zufolge bereits am 21. November bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Der dreifache Familienvater aus München, den sowohl ein Zeuge als auch Unterlagen im Verfahren um schwarze Kassen unlängst belastet hätten, sei in München mit 120 Kilometern pro Stunde unangeschnallt gegen einen Baum gefahren und noch am Unfallort gestorben, schreibt der "Focus". Der Wagen soll nicht manipuliert gewesen sein. Die Kripo sehe Anhaltspunkte für einen Selbstmord, heißt es.

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