M3 wächst weiterZinsen auch bald?
Geldmenge und Kredite sind im Euro-Raum auch im Mai kräftig gewachsen. Die Daten werden die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung von Volkswirten in ihrem Zinserhöhungskurs bestätigen.
Geldmenge und Kredite sind im Euro-Raum auch im Mai kräftig gewachsen. Die Daten werden die Europäische Zentralbank (EZB) nach Einschätzung von Volkswirten in ihrem Zinserhöhungskurs bestätigen.
Die Geldmenge M3 erhöhte sich im Mai bereinigt um 8,9 Prozent nach revidiert 8,7 Prozent im April, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Die Geldversorgung der Wirtschaft nahm damit so stark zu wie seit April 2003 nicht mehr. Da übermäßige Geld- und Kreditversorgung zu steigender Inflation in der Zukunft führen können, ist das M3-Wachstum einer der Gründe für höhere Zinsen. Die EZB hat im Dezember, März und Juni den Leitzins um jeweils 25 Basispunkte auf derzeit 2,75 Prozent angehoben. Der nächste Schritt wird für August erwartet.
"Das M3-Wachstum ist ein Grund zu Zinserhöhungen, aber nicht zu einer Erhöhung des Tempos. Dazu gibt es zu viele Fragezeichen, ob es tatsächlich einen Anstieg der Inflation anzeigt", sagte Michael Schubert, Analyst von der Commerzbank. Wegen des Kurseinbruchs an den Aktienmärkten hätten Anleger ihr Geld in kurzfristigen verzinslichen Anlagen in Sicherheit gebracht, die in M3 erfasst werden. "Es ist unklar, ob solche Umschichtungen ein zusätzliches Inflationsrisiko darstellen." Solche Portfolioumschichtungen hatten M3 bereits in der Vergangenheit künstlich aufgebläht, ohne dass die Teuerungsrate übermäßig gestiegen wäre.
Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (März bis Mai) verzeichnete die Geldmenge eine Jahresrate von 8,7 nach 8,4 Prozent im vorangegangenen Zeitraum. Das Geldmengenwachstum liegt schon seit fast fünf Jahren weit über dem Referenzwert von 4,5 Prozent, bis zu dem die Geldversorgung nach Einschätzung der EZB nicht zu stärkerem Preisanstieg führt. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit.
Kreditwachstum Grund zur Sorge für EZB
Ein Grund zur Sorge für die nach Preisstabilität strebende EZB ist den Volkswirten zufolge aber das starke Kreditwachstum. Mit 11,4 Prozent blieb es auf dem höchsten Stand seit Beginn der Datenerfassung 1992. Vor allem Unternehmenskredite und Immobilienkredite legten stark zu. "Die weitere Ausweitung der Kredite spricht dafür, dass wir eine günstige konjunkturelle Entwicklung haben, und dass damit die Inflationsgefahr von der Geldmengenseite nach wie vor besteht", sagte Uwe Angenendt, Chef-Volkswirt von der BHF-Bank.
Die EZB sollte das allerdings nicht zur Eile treiben, sind sich die Analysten einig. Bisher erhöhte die Zentralbank im Quartalsrhythmus die Zinsen. In den vergangenen Tagen kamen nach Äußerungen einiger EZB-Ratsmitglieder aber Spekulationen auf, die Währungshüter könnten schon Anfang August und damit etwas schneller den nächsten Schritt auf der Zinstreppe gehen. "Die Daten sind stark, definitiv wachsend, und unterstützen klar den Zinserhöhungskurs der EZB. Allerdings ist es auch nicht wild genug, um die Geschwindigkeit der EZB notwendigerweise zu erhöhen", sagte Rainer Guntermann, Volkswirt von Dresdner Kleinwort.