Geldmenge M3 wächst weiterZinserhöhung fast sicher
Das erneut starke Wachstum der Geldmenge M3 in der Euro-Zone im April hat die Erwartung einer kurz bevorstehenden Leitzinserhöhung weiter untermauert.
Das erneut starke Wachstum der Geldmenge M3 in der Euro-Zone im April hat die Erwartung einer kurz bevorstehenden Leitzinserhöhung weiter untermauert.
Im Vergleich zum April 2005 sei M3 bereinigt um 8,8 Prozent gestiegen nach revidiert 8,5 Prozent im März, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt mit. Das Wachstum der Buchkredite an den privaten Sektor legte deutlich zu auf eine Jahresrate von 11,3 nach 10,8 Prozent im Vormonat. Das EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher unterstrich die Absicht der EZB, die Zinsen weiter zu erhöhen, ließ Ausmaß und Zeitpunkt aber offen. Analysten nannten eine Anhebung des Schlüsselzinses um 25 Basispunkte auf 2,75 Prozent im Juni sehr wahrscheinlich.
Volkswirte hatten mit einem etwas geringeren Anstieg von M3 um 8,5 Prozent gerechnet. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit. Diese Komponenten können schnell in Umlauf gebracht werden und die Inflation anheizen. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Februar bis April) erhöhte sich die Geldmenge um 8,4 nach 8,1 Prozent. Das Geldmengenwachstum liegt seit fast fünf Jahren über dem Referenzwert von 4,5 Prozent, bis zu dem die Geldversorgung nach Einschätzung der EZB nicht zu stärkerem Preisanstieg führt.
Experten rechnen mit kleiner Zinserhöhung im Juni
Analysten zufolge bestätigen die M3-Daten für April klar den Zinserhöhungskurs der EZB. Uwe Angenendt von der BHF sagte: "Die überreichliche Liquiditätsversorgung im Eurosystem wird durch die Daten nachhaltig unterlegt, beim nächsten Meeting wird die EZB reagieren." Hinter dem starken Anstieg der Buchkredite stehe die hohe Übernahmeaktivität im Euro-Raum. Karsten Junius von der DekaBank sagte, der Anstieg der Kredite um 11,3 Prozent sei ein Allzeithoch: "Die EZB wird jetzt die Zinsen wie erwartet erhöhen, die machen planmäßig ihre 25 Basispunkte."
Commerzbank-Analyst Michael Schubert sagte, beim M3-Wachstum hätten Portfolioumschichtungen praktisch keine Rolle gespielt: "Das ist ausschließlich wieder auf das sehr niedrige Zinsniveau zurückzuführen." Dies sei weiterhin Grund, die Zinsen anzuheben. Die monetäre Dynamik hätte allerdings schon längst zum Anziehen der Inflation führen müssen, schränkte er ein: "Aber es ist unsicher, ob es dazu kommt." Eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte würde er der Zentralbank deshalb nicht empfehlen.
EZB-Ratsmitglied Liebscher sagte der Agentur dpa-AFX, es gebe "ein breites Spektrum an Risikopotenzial für die Preisstabilität". Die üppige Ausstattung der Wirtschaft mit Geld könne bei anziehender Konjunktur das Inflationsrisiko erhöhen. Auf die Frage, ob die EZB die Zinsen weiter anheben werde, antwortete er: "Davon gehe ich aus." Einen konkreten Zeitplan gebe es aber nicht. "Wir werden das tun, was wir als notwendig erachten", sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Bei der Präsentation des OeNB-Jahresberichts sagte Liebscher laut Redetext, die jüngsten Stimmungsindikatoren in der Euro-Zone signalisierten eine Fortsetzung der Wirtschaftserholung. Ein Risikofaktor bleibe der Ölpreis.
Der EZB-Rat tritt am 8. Juni in Madrid zu seiner nächsten Zinssitzung zusammen. Die Zentralbank hatte bereits im Dezember und März den Schlüsselzins für die Bankenrefinanzierung um je 25 Basispunkte angehoben, um Preisrisiken zu begegnen.