Geldmenge M3 wächst weiterZinserhöhung wahrscheinlicher
Die Geldmenge M3 ist in der Euro-Zone im März erneut überraschend stark gewachsen und hat damit die Erwartung einer Leitzinserhöhung im Juni gestützt. Einige Experten reden schon von 50 Basispunkten.
Die Geldmenge M3 ist in der Euro-Zone im März erneut überraschend stark gewachsen und hat damit die Erwartung einer Leitzinserhöhung im Juni gestützt.
Im Vergleich zum März 2005 sei M3 bereinigt um 8,6 Prozent gestiegen nach 8,0 Prozent im Februar, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt mit. Analysten hatten nur mit 7,9 Prozent gerechnet. Das Wachstum der Buchkredite an den privaten Sektor legte ebenfalls noch einmal zu auf 10,8 nach revidiert 10,4 Prozent im Vormonat. Die Kreditvergabe hatte bereits im vergangenen Monat den höchsten Stand seit fast sechs Jahren erreicht. Bundesbankpräsident Axel Weber unterstrich in einem Festvortrag die Bedeutung der Geldmengen-Analyse für die Geldpolitik der EZB. Heinrich Bayer von der Postbank zeigte sich wie die meisten Analysten gewiss: "Das Menü für eine Zinserhöhung im Juni ist angerichtet."
Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Januar bis März) erhöhte sich M3 um 8,1 Prozent. Das Geldmengenwachstum liegt schon seit fast fünf Jahren weit über dem Referenzwert von 4,5 Prozent, bis zu dem die Geldversorgung nach Einschätzung der EZB nicht zu stärkerer Inflation führt. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.
Der M3-Anstieg ist einer der Gründe für den restriktiveren Kurs der EZB, die im Dezember und März den Leitzins um jeweils 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben hatte. Die nächste Zinserhöhung wird von den Finanzmärkten für Juni erwartet.
Analysten: Im Juni auch 50 Basispunkte möglich
Thomas Mayer von der Deutschen Bank unterstrich, dass die wichtigste Ursache für den M3-Anstieg die sehr für Schwankungen anfälligen marktfähigen Finanzinstrumente seien. Diese hatten im März um 6,1 Prozent zugelegt, nachdem sie im Februar nur um revidiert 3,6 Prozent gestiegen waren. Die in M3 enthaltenen liquiden Anlagen waren in den vergangenen Monaten weniger stark gestiegen, weil sich die Anleger wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs zurück in risikoreichere Anlagen bewegt hatten. Christoph Balz von der Commerzbank sagte, das niedrige Zinsniveau rege eindeutig die Geldmengen-und Kreditentwicklung an: "Die EZB legt sicher gerade viel Gewicht auf M3, weil die konjunkturelle Unsicherheit nicht mehr da ist."
Postbank-Analyst Bayer schloss auch eine Zinserhöhung um 50 Basispunkte auf drei Prozent im Juni nicht aus. "Im EZB-Rat gibt es den einen oder anderen, der gerne 50 Basispunkte sehen würde, während andere eher für eine moderate Gangart sind." Bei einem großen Zinsschritt drohten aber Gefahren: "Eine überraschende Leitzinserhöhung könnte den Euro deutlich stärker machen und das könnte die Konjunktur abkühlen." Bei den derzeitigen Inflationsraten sollte die EZB keine besondere Eile haben.
Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sagte, die EZB komme zunehmend unter Rechtfertigungsdruck, warum sie nicht schon im Mai die Zinsen erhöhe. Zwar habe sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet unglücklicherweise bei der letzten Zinssitzung Anfang April sehr weit aus dem Fenster gelehnt: "Eine Mai-Zinserhöhung würde seiner Glaubwürdigkeit schaden." Es gebe nach M3 und den scharfen Äußerungen einiger EZB-Ratsmitglieder allerdings schon eine kleine Möglichkeit, dass im Mai dennoch bereits die Zinsen erhöht würden. Und natürlich bestehe die Möglichkeit eines großen Schritts im Juni.
Bundesbankpräsident Weber sagte bei einer Festveranstaltung zu Ehren des scheidenden EZB-Chefvolkswirtes Otmar Issing, ein Verzicht auf die Geldmengen-Analyse wäre fahrlässig für die geldpolitische Strategie der EZB. Kaum ein Zusammenhang sei so gut erforscht wie der zwischen übermäßiger Geldmengenausweitung und dem Anstieg des Preisniveaus. Manche EZB-Beobachter vermuten, M3 könne mit dem Weggang Issings künftig in der EZB weniger Beachtung finden. Diesem Eindruck trat Weber entgegen. Dank ihrer umfassenden geldpolitischen Strategie sei die Politik der EZB unabhängig vom Wirken einzelner Entscheidungsträger.