Anfang August gehts losIPO für Infineons Qimonda
Der Münchener Halbleiterkonzern Infineon bringt in der zweiten Augustwoche seine Speicherchiptochter Qimonda für gut eine Milliarde Dollar an die New Yorker Börse.
Der Münchener Halbleiterkonzern Infineon bringt seine Speicherchiptochter Qimonda in der zweiten Augustwoche an die New Yorker Börse und macht damit den ersten Schritt, sich vom schwankungsanfälligen Geschäft mit Speicherchips zu trennen. Die erwarteten Einnahmen von gut einer Milliarde Dollar für Infineon und Qimonda hellten aber die Stimmung der Börsianer nach schwachen Quartalszahlen nicht auf.
Bei der Emission sollen vorwiegend institutionellen Anlegern 63 Mio. Anteile in einer Spanne von je 16 bis 18 Dollar angeboten werden, teilte Infineon am Freitag mit. Zwei Drittel davon sollen der Tochter über eine Kapitalerhöhung zufließen, ein Drittel streicht die Muttergesellschaft Infineon ein, die bei entsprechender Nachfrage zusätzlich 9,45 Mio. Anteile anbieten will. Im Höchstfall fließen dem Halbleiterkonzern 548 Mio. Dollar zu.
Sollte auch die Mehrzuteilungsoption gezogen werden, wären 21 Prozent des Speicherchipunternehmens Qimonda in Streubesitz. Infineon will sich aber rasch von weiteren Aktien trennen: "Wir haben nicht vor, über lange Zeit die Mehrheit zu behalten", bekräftigte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart die Trennungspläne. 190 Tage nach dem Börsengang darf Infineon allerdings keine weiteren Aktien verkaufen. Qimonda will laut Verkaufsprospekt zunächst keine Dividenden ausschütten.
Bei dem Börsengang wird Qimonda mit bis zu 5,4 Mrd. Dollar bewertet - das ist mehr als die Hälfte des Börsenwerts des gesamten Infineon-Konzerns. Analysten äußerten sich äußerst skeptisch zu dem Unternehmenswert und dem erwarteten Erlös. Auf das Börsenparkett der New York Stock Exchange sollen die Banken Citigroup, JP Morgan und Credit Suisse Qimonda begleiten. "Gehen sie davon aus, dass wir in der Woche ab dem 7. August zu der Preisfindung und zu der Transaktion kommen werden", sagte Finanzvorstand Peter Fischl in einer Telefonkonferenz.
Die Infineon-Aktie, die schon vorher durch enttäuschende Quartalszahlen belastet wurde, notierte 4,8 Prozent schwächer bei 8,49 Euro. Infineon war im dritten Geschäftsquartal vor allem durch hohe Steuern und ein anhaltend schwaches Geschäft mit Telekommunikationschips auf Grund des Absatzschwunds beim Hauptkunden Benq Mobile in den roten Zahlen stecken geblieben. Bei nahezu stagnierenden Umsätzen von 1,97 Mrd. Euro lag der Verlust von April bis Juni 23 Mio. Euro. Der Gewinn von 30 Mio. Euro aus dem Börsengang der zusammen mit Hynix betriebenen Tochter Inotera sei von Kosten für den Konzernumbau aufgezehrt worden. Analysten hatten mit einem Gewinn gerechnet.
Qimonda profitierte dagegen von höheren Auslieferungszahlen und besseren Preisen auf dem Speicherchip-Markt. Der operative Gewinn habe sich auf 100 Mio. Euro fast verfünffacht.
Analysten sind skeptisch
Branchenexperten äußerten sich skeptisch zum Zeitpunkt und zu den Erfolgschancen des Börsengangs: "Ich denke, dass es fünf vor zwölf ist, dass der Börsengang jetzt angegangen wird, da sich die Rahmenbedingungen zunehmend verschlechtern", sagte Analyst Bernd Laux von Cheuvreux. "Qimonda kommt mit dem IPO am Gipfelpunkt des Zyklus. Das ist günstig aus Sicht der Verkäufer, aber nicht aus Sicht der Investoren." Er habe Zweifel, ob der Börsengang funktionieren werde. "Der Preis ist viel zu teuer. 13 oder 14 Dollar sind eher realistisch", sagte Laux.
Fischl verteidigte die Preisspanne auch im Vergleich zur börsennotierten Konkurrenz als "fair und angemessen". Analyst Karsten Iltgen von der WestLB ist darin mit dem Finanzvorstand zwar einer Meinung, hat aber dennoch Bedenken. "Es wird sicher nicht einfach, das zu platzieren."