Frage & Antwort, Nr. 75Verliere ich beim Blutspenden Antikörper?
Blut ist ein ganz spezieller Saft, der in der Medizin dringend gebraucht wird. Jeder Blutspender hat sich sicherlich schon einmal gefragt, ob eine Blutspende für gesunde Menschen tatsächlich ungefährlich ist.
Stimmt es, dass einem beim Blutspenden Antikörper verloren gehen? (fragt C. Braun aus Baden-Württemberg)
Ja, aber eine kurze Rechnung kann zeigen, wie ungefährlich das für den Spender ist, sagt Dr. Burkhardt Ziegler, Facharzt für Labor-, Umwelt- und Transfusionsmedizin. Blut besteht aus Blutkörperchen und Blutplasma. In dem Plasma sind ca. 20 Prozent der Eiweißbestandteile Antikörper. 1 Liter Blutplasma enthält rund 60 Gramm Eiweiß, davon sind 20 Prozent Antikörper. Pro Liter Blutplasma sind das dann 12 Gramm Antikörper. Pro Blutspende werden rund 500 Milliliter Blut entnommen, so dass es sich pro Blutspende um rund 6 Gramm Antikörper handelt.
Das ist, auf den gesamten Organismus des Menschen gesehen, eine so kleine Menge, dass sie vernachlässigt werden kann und sich kein Blutspender deshalb Sorgen machen muss, erklärt Ziegler. Um es zu verdeutlichen: 6 Gramm Antikörper sind ungefähr 5 Prozent der gesamten im Körper zirkulierenden Antikörpermenge (Blutplasma und Lymphe). Es ist die Menge, die innerhalb von zwei Tagen nachproduziert wird.
Spezieller Nutzen der Antikörper
Die Antikörper, die sich in den Blutspenden befinden, können unter Umständen sogar im Empfänger direkt weiterwirken. Von den Blutspenden, die ja in den Blutspendediensten aufgearbeitet werden, kommt nur ein kleiner Teil als Blutkonserve zum Empfänger. Alle Blutspenden werden in ihre Bestandteile (rote Blutkörperchen, Plasma, andere Blutkörperchen wie Blutplättchen) getrennt und weiterverarbeitet. Auf diese Art und Weise können auch ganz speziell Antikörper aus Blutspenden gewonnen werden. Diese werden dann zu so genannten Antikörperkonserven oder Impf-Sera für die passive Immunisierung aufgearbeitet.
Selbst für Spender von Blutplasma besteht diesbezüglich keine Gefahr, obwohl diese wegen häufigerer und größerer (660 ml) Spenden noch mehr von ihren körpereigenen Antikörpern abgeben. Der Körper kann innerhalb kurzer Zeit, in ungefähr 2 Tagen, den Verlust des flüssigen Anteils des Blutes samt seiner Bestandteile regenerieren. Plasmaspender dürfen daher schon nach 48 Stunden erneut und in einem Jahr sogar bis zu 28,5 Liter Blutplasma spenden.
Übrigens: Für Blutspender gibt es kaum Risiken bei einer Spende. Jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren kann Blut und/oder Plasma spenden. Der Spender sollte sich jedoch vor jeder Spende gesund fühlen und vor allem keine Kreislaufprobleme haben. Eine Altersobergrenze existiert nicht.
Alle Spender werden vor der Spende ärztlich untersucht und auf Risiken zum Schutz der eigenen Gesundheit und des Empfängers befragt.
Selbstverständlich werden Blutkonserven von Drogenabhängigen wegen der damit verbundenen Risiken nicht verwendet. Dazu dient eine vertrauliche Selbstauskunft des Spenders (schriftlich, anonym, verschlüsselt), in der er bestimmt, ob seine Blutspende verwendet werden soll. Alle Blutspenden werden beim Blutspendedienst im Labor intensiv untersucht, um Risiken der Transfusion zu vermindern.