Die Oberfläche der Venus ist vulkanisch aktiv. Spuren von Einschlägen sind wahrscheinlich mittlerweile verschwunden.
(Foto: Nasa)
Freitag, 08. Juni 2007
Frage & Antwort, Nr. 28: Warum dreht sich die Venus andersherum?
Andrea Schorsch
Warum dreht der Planet Venus andersherum als die meisten anderen Planeten in unserem Sonnensystem? (fragt Peter Stein aus Abu Dhabi).
In der Mythologie ist Venus die Göttin der Liebe. Sie ist von außergewöhnlicher Schönheit und Anmut. Der Planet Venus wurde nach ihr benannt, wahrscheinlich, weil er mit Ausnahme von Sonne und Mond das hellste Objekt am Himmel ist. Von der Erde aus ist die Venus morgens und abends am besten sichtbar. Deswegen ist sie sowohl unser Morgen- als auch unser Abendstern. Und ebenso wie die Göttin ist auch der Planet Venus in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich.
Zunächst einmal hat die Venus von allen Planeten die längste Rotationsperiode, sie dreht sich also extrem langsam um ihre eigene Achse. Ein Tag also eine Umdrehung dauert auf der Venus so lange wie 243 Tage bei uns. Das an sich ist schon bemerkenswert. Noch erstaunlicher ist aber, dass der Venustag länger dauert als ein Venusjahr. Der Planet dreht sich also schneller um die Sonne als um sich selbst.
Das Venusjahr ist kürzer
Das Venusjahr ist kürzer als ein Erdjahr: Es ist schon nach 225 Erdtagen vorbei. Jahreszeiten gibt es dabei auf der Venus nicht. Eine weitere Besonderheit: Die Venus hat keinen Mond. In unserem Sonnensystem teilt sie diese Eigenschaft nur mit dem Nachbarplaneten Merkur. Und mit all dem nicht genug. Der Morgenstern kann noch mit einer weiteren Eigenart aufwarten: Auf der Venus geht die Sonne die man allerdings durch die dichte permanente Wolkendecke nicht sehen kann im Westen auf. Und im Osten unter.
Damit kommen wir zur eingangs gestellten Frage. Denn dass der Sonnenlauf auf der Venus ein anderer ist, liegt daran, dass sich die Venus andersherum dreht als die meisten anderen Planeten und Monde in unserem Sonnensystem. Ihre Rotation wird als rückläufig bzw. retrograd bezeichnet. Die einzigen weiteren Planeten bzw. Ex-Planeten mit retrogradem Rotationssinn sind Uranus und Pluto.
Asteroideneinschlag als Ursache?
Warum die Venus derart eigenwillig rotiert, konnten Wissenschaftler bisher nicht abschließend beantworten. Dr. Tilmann Althaus vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg erklärt aber die aktuelle Theorie: "Es wird als wahrscheinlich angenommen, dass die Venus in der Frühzeit des Sonnensystems vor etwa 4,5 Milliarden Jahren von einem großen Asteroiden getroffen wurde." Der Einschlag dieses Asteroiden, so Althaus weiter, "erfolgte so heftig, dass die ursprüngliche Rotation der Venus gestoppt und sogar umgekehrt wurde".
Diesem Ansatz gehen auch die beiden Astronomen Alex Alemi und David J. Stevenson vom California Institute of Technology in Pasadena nach. Die Forscher vermuten, dass in der Frühzeit unseres Planetensystems Einschläge von großen Körpern auf Planeten eher die Regel als die Ausnahme waren. Bei einem solchen Zusammenstoß von der Erde mit einem anderen Himmelskörper ist sehr wahrscheinlich der Erdmond entstanden.
Keine Spuren
Auch die Venus besaß nach Ansicht von Alemi und Stevenson einst einen auf diese Weise entstandenen Trabanten. Einige Millionen Jahre später jedoch und da sind sie sich mit Althaus einig soll es zu einem weiteren Einschlag auf der Venus gekommen sein, der die Rotationsrichtung des Planeten veränderte. Das blieb nicht ohne Auswirkungen auf den Venusmond: Er ist nach Meinung der Experten auf den Planeten zurückgefallen.
Interessante Thesen und Theorien. Beweisen lassen sie sich nicht. Die Venus hat eine vulkanisch aktive Oberfläche. Und so, sagt Althaus, dürften alle Spuren, die es möglicherweise einmal gegeben hat, mittlerweile verschwunden sein.
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