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Er sprudelt, spritzt und knallt: Sekt scheint ein optimales Feier-Getränk zu sein.
Er sprudelt, spritzt und knallt: Sekt scheint ein optimales Feier-Getränk zu sein.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Montag, 10. Dezember 2007

Frage & Antwort, Nr. 34: Warum knallen Korken?

Von Andrea Schorsch

Wieso entweicht die Kohlensäure aus der Wasserflasche, wenn man sie schüttelt? (fragt Martin Klein aus Hamburg)

Rund um die Kohlensäure in Getränken gibt es viele Tipps. Im Sommer geht es meist darum, wie man Mineralwasser von einem Übermaß an Gas befreit. Wenn zu Silvester die Korken knallen und womöglich angebrochene Flaschen übrig bleiben, dann stellt sich allerdings die umgekehrte Frage: Wie lässt sich verhindern, dass der Sekt schal wird?

Schwelgen wir zunächst in sommerlichen Erinnerungen und beginnen wir mit dem ersten Fall: Jeder weiß, dass man eine Wasserflasche nur zu schütteln braucht, um den Kohlensäuregehalt im Getränk zu reduzieren. Dieses Phänomen erklärt sich recht einfach. Kohlensäure setzt sich aus Wasser, also H2O, und Kohlendioxid, CO2, zusammen. Da dies eine vergleichsweise instabile Verbindung ist, brauchen wir nur wenig Energie zuzuführen, um die Kohlensäure zu zersetzen. Genau das tun wir, wenn wir die Wasserflasche schütteln, das Sprudelwasser umrühren oder es erwärmen. Die Kohlensäure zerfällt dann in ihre Bestandteile, wobei das CO2 gasförmig entweicht. Das ist an den vielen kleinen Bläschen im Glas gut erkennbar. Und auch an dem Zischen hören wir es, wenn wir die Flasche nach dem Schütteln öffnen.

Die aufsteigenden Blasen reißen dabei unweigerlich Flüssigkeit mit sich. Deshalb setzen uns stark bewegte Getränkedosen oder Flaschen zuweilen einer unfreiwilligen Dusche aus. Um das zu verhindern, soll es angeblich helfen, auf dem Deckel der Cola-Dose vor dem Öffnen ein wenig herum zu klopfen. Doch Testreihen haben bewiesen, dass dieses Phänomen keines ist. Sie können klopfen, Sie können es aber getrost auch lassen. Das einzige, worauf es ankommt, ist, dass der Doseninhalt zur Ruhe kommt. Dann kann sich das frei gewordene CO2 wieder in der Flüssigkeit lösen.

Salzen statt schütteln

Wasser im Glas verliert mit der Zeit immer mehr Kohlensäure.
Wasser im Glas verliert mit der Zeit immer mehr Kohlensäure.(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Auch wenn uns das Mineralwasser im Glas serviert wird und kein Löffel zum Umrühren bereit liegt, können wir die Kohlensäure auf einfache Weise reduzieren: Es genügt, ein wenig Salz ins Wasser zu geben. Selbst wenn es so wenig ist, dass wir es nicht schmecken, beeinflusst dies den Kohlesäuregehalt des Getränks. Eine starke Sprudelentwicklung ist sichtbar und das Gas entweicht.

Das liegt daran, dass jede Flüssigkeit - abhängig von der Temperatur - nur eine bestimmte Menge an Ionen, an elektrisch geladenen Teilchen, aufnehmen kann. Wird diese Menge überschritten, setzen sich die am schwersten löslichen Ionen als Bodensatz ab oder aber entweichen, sofern sie gasförmig sind. Wenn wir Kochsalz (NaCl) ins Wasser geben, zerfällt es in Natrium- und in Chloridionen. Kochsalz ist leichter löslich als Kohlensäure, und daher verdrängt es diese aus dem Wasser.

Sekt besser austrinken?

Aber lassen wir Mineralwasser, Cola & Co. Widmen wir uns nun dem Sekt und damit dem umgekehrten Fall. Wie bleibt der Schampus prickelnd, wenn die Party vorbei ist, die Flaschen jedoch nicht leer geworden sind? Sie kennen die Empfehlung: Ein Löffel im Flaschenhals soll die Kohlensäure im Getränk weitgehend bewahren. Eine Legende? Das Ergebnis verschiedenster Untersuchungen ist ein klares Jein.

Stecken wir einen Silberlöffel in die Flasche und stellen diese in den Kühlschrank, dann hält sich tatsächlich mehr Kohlensäure im Sekt als ohne Löffel. Zumindest war dies das Ergebnis einiger Messreihen. Der Grund dafür ist folgender: Der Löffel leitet Wärme aus der Flasche ab. So wird der Sekt schneller kalt, und es bleibt mehr Kohlensäure darin gelöst. Wichtig ist also, dass der Löffel aus einem Wärme leitenden Material besteht. Plastik ist in diesem Fall nicht die richtige Wahl, und auch Edelstahl zeigt nur eine geringe Wirkung. Außerdem ist es unerlässlich, dass der Sekt in den Kühlschrank kommt.

Stark ausgeprägt war der Effekt in den meisten Untersuchungen nicht, in manchen Testreihen war er kaum nachweisbar. Aber so oder so: Auch wenn der Silberlöffel mehr Kohlensäure im Getränk hält, ist solcherart aufbewahrter Schaumwein nicht wirklich ein Genuss. An der Luft oxidiert er nämlich und verändert dadurch seinen Geschmack. Nun könnte man glauben, mit einem abdichtenden Klemmverschluss wären alle Probleme gelöst. Wenn Sie sich innerhalb eines Tages über die Sektreste hermachen, trifft das auch zu. Je länger Sie aber warten, um so mehr lässt auch solcherart verschlossener Schampus geschmacklich nach. Eine rundum zufriedenstellende Lösung für die Hinterlassenschaften der Silvesterparty gibt es also nicht. Am besten lässt man es gar nicht erst zu Resten kommen. In diesem Sinne: zum Wohl!

Quelle: n-tv.de

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