Frage & Antwort, Nr. 37Wer ist der Posthilfsbote Säbelbein?
Wer ist der Verfasser eines satirischen Gedichts auf die Post, bei der die Strophen mit dem Vers enden: "ob Posthilfsmeister Säbelbein lädt für Berlin Pakete ein"?
Wer ist der Verfasser eines satirischen Gedichts auf die Post, bei der die Strophen mit dem Vers enden: "ob Posthilfsmeister Säbelbein lädt für Berlin Pakete ein"? Und wo befindet sich eine Fundstelle ? (fragt Hubertus Schulz aus Althütte)
Die folgenden Zeilen stammen vom Schriftsteller Heinrich Schäffer (1855-1922). Sie wurden wahrscheinlich erstmals im "Illustrierten Briefmarken Journal" von 1896 veröffentlicht. Das Gedicht "Postdienst auf dem Bahnhof" ist zudem im "Das lustige Salzer-Buch" Hg. Marcell Salzer, Hamburg 1912 und in dem Sammelwerk "Deutsches Lachen" Hg. Hermann Siegfried Rehm, Leipzig 1936 sowie auf einigen Internetseiten und nun auch auf n-tv.de nachzulesen.
Postdienst auf dem Bahnhof
Der Posthilfsbote Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.
Der Hilfspackmeister Livius
Schaut treulich, wie er soll und muß,-
Daß auch der Hilfsbot? Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.
Da naht sich auch Herr Stiefelbrand
Der seines Zeichens Praktikant,
Der schauet starr und unverwandt:
Ob Hilfspackmeister Livius
Nachsehe, wie er soll und muß,-
Daß auch der Hilfsbot? Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.
Darauf kommt, wie von ungefähr
Herr Schellen ? Obersekretär.
Er kontrolliert: ob Stiefelbrand
Auch schauet starr und unverwandt
Wie Hilfspackmeister Livius
Nachschaue, wie er soll und muß
Daß auch der Hilfsbot? Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.
Und siehe, aus des Tunnels Tor
Tritt stolz des Amtes Direktor.
Sein Adlerblick erblitzt daher:
Ob Schellen ? Obersekretär ?
Auch kontrollier?, daß Stiefelbrand
Nachschaue, starr und unverwandt
Wie Hilfspackmeister Livius
Sich überzeugt so, wie er muß
Daß Hilfspostbote Säbelbein
Lädt für Berlin Pakete ein.
Die Glocke klingt, fort fährt der Zug!
Ach, leider war nicht Zeit genug
Dass Posthilfsbote Säbelbein
Lädt sämtliche Pakete ein.
Es blieb, oh böses Missgeschick,
Der Ladung Hälfte noch zurück!
Da schwindet durch des Tunnels Tor
Dahin des Amtes Direktor
Herr Schellen, Obersekretär,
Klabastert spornstreichs hinterher
Worauf Praktikant Stiefelbrand
Im Wartesaale "eins" verschwand
Und Livius trinkt voll Verdruss
In "vierter" einen Schnaps zum Schluss.
Auf dem Bahnsteig steht ganz allein
Der Posthilfsbote Säbelbein.
Und spricht: "So geht es allemal
Weil Mangel ist am Personal!"
Die Verse Schäffers werden zur so genannten Trivialliteratur gezählt. Darunter werden alle literarischen Werke gezählt, die als einfach gelten und für jedermann verständlich sind. Die meist einsilbigen Paarreime in der Form aa, bb, cc unterstützen die Verständlichkeit zusätzlich. Mit dem satirischen Gedicht traf Schäffer den Zeitgeist. Er beschreibt mit einfältiger Übertreibung die zur damaligen Zeit vorherrschenden (hierarchischen) Verhältnisse bei der Post. Mit einem Augenzwinkern in Form des ironischen Abschlusssatzes: "So geht es allemal weil Mangel ist am Personal" beendet Schäffer sein Gedicht mit sieben Strophen.