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Jodeln ist auch fernab der Alpen beliebt: Werner Goos jodelt in seinem Garten in Schleswig-Holstein auf Plattdeutsch.
Jodeln ist auch fernab der Alpen beliebt: Werner Goos jodelt in seinem Garten in Schleswig-Holstein auf Plattdeutsch.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Frage & Antwort, Nr. 261: Wie entstand das Jodeln?

Von Andrea Schorsch

Neulich bin ich im Fernsehen bei der Volksmusik hängengeblieben. Eigentlich ist das nichts für mich, aber Jodeln fasziniert mich. Nun möchte ich wissen: Wieso gibt es das Jodeln nur in den Bergen? Ist das einfach Brauchtum? Oder steckt etwas anderes dahinter? (fragt Rüdiger K. aus Bottrop)

Wenn vom Jodeln die Rede ist, mögen einem Dirndl und kracherne Lederhosen einfallen, vielleicht auch der Schuhplattler, auf jeden Fall aber die Berge. Die Nordseeküste, wo der Deich die höchste Erhebung ist, bringt man eher selten mit dem Jodeln in Verbindung. Das hat natürlich seine Gründe, doch eines sei schon hier gesagt: Das Jodeln ist keineswegs auf die Alpen beschränkt. Gejodelt wird auch im Harz und im Erzgebirge, übrigens auch in Spanien, Schweden, Polen und überhaupt auf der ganzen Welt. Das größte Jodelgebiet ist, das mag erstaunen, im Regenwald Zentralafrikas angesiedelt.

Jodeln ist ein wortloses Singen, es ist ein Juchzen und Jubilieren mit einer Aneinanderreihung von Silben. Typisch fürs Jodeln sind große Intervallsprünge, ein weiter Tonumfang und der spontane Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme. Der Sprung in hohe Tonlagen ist beim Jodeln beliebt, das geschieht – Holadaittijo! – meist auf einem "e" oder "i", denn diese Vokale lassen sich besonders hoch singen.

Eine Theorie allein reicht nicht

Auch das Alphorn könnte etwas mit dem Jodeln zu tun haben. Es ist Gegenstand der "Instrumentalthese".
Auch das Alphorn könnte etwas mit dem Jodeln zu tun haben. Es ist Gegenstand der "Instrumentalthese".(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Wie das Jodeln einst entstand, weiß man gar nicht so genau. Es gibt unterschiedliche Theorien. Silke Martin von der Universität Weimar hat sie 2012 in ihrer Arbeit "Alpenloopings in Heimatklänge. Überlegungen zum Jodeln als Globalisierungsbewegung zwischen Tradition und Experiment" zusammengestellt. Wie Martin gegenüber n-tv.de sagt, "kann keine der Hypothesen den Ursprung des Jodelns hinreichend erklären".

Fest steht: Mithilfe der textfreien Juchzer ist Verständigung möglich. Das Jodeln überbrückt weite Distanzen, und das ist nicht nur in bergigen, sondern überhaupt in unwegsamen Regionen von Vorteil. So nutzten Hirten und Waldarbeiter das Jodeln, um sich damit Informationen zuzurufen. Es war, wie Martin sagt, ein "Rufen von Mensch zu Mensch beziehungsweise von Tal zu Tal". Ein "holareiduljöh!" konnte dem weit entfernten Kollegen etwa ein Zeichen sein, dass es jetzt Zeit zum Abendessen war. Oder es ließ ihn wissen, dass die anderen auf dem Weg zu ihm waren. Auch das Vieh wurde oft mit Jodlern angelockt.

Nicht immer Mittel der Kommunikation

Doch Verständigung ist nicht alles, wenn es ums Jodeln geht. Das Jubilieren in den Bergen kann auch rein ästhetisch motiviert sein. Dafür spricht die sogenannte Widerspiegelungshypothese. Sie geht, wie Martin erklärt, davon aus, dass die großen Intervallsprünge und der weite Tonumfang ein musikalisches Bild des Gebirges zeichnen wollen. Das Jodeln gibt demnach also die Höhen und Tiefen der Berglandschaft wieder.

Auch der Affekt ist bei der Erklärung des Jodelns nicht zu vernachlässigen. Jodelnde wollen, das besagt die Affekthypothese, möglichst laut rufen und schreien. Dabei überschlägt sich ihre Stimme. Und schon ist der Jodler geboren. Auch könnte es sein, dass mit der Jodelstimme die Klänge von Alphorn oder Panflöte imitiert werden sollen. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich daraus die Instrumentalthese.

Jodeln vertreibt böse Geister

Wenn jedoch heute die Aka- und Baka-Pygmäen in Afrika ihre Jodelgesänge anstimmen, hat das rituelle Gründe. Die Männer bitten damit die Geister um Verzeihung, bevor sie auf der Jagd ein Tier erlegen; die Frauen entschuldigen sich jodelnd dafür, dass sie beim Honigsammeln den Bienen einen Teil ihrer Nahrung wegnehmen. Kolumbianische Landarbeiter vertreiben mit Jodlern böse Geister vom Feld. Und in vielen anderen Gegenden der Welt prägt das Jodeln einen wichtigen Tag im Leben: Dort ist es Teil der Hochzeitszeremonien.

Übrigens: Wer nach Jodelrekorden sucht, landet tatsächlich in den Alpen. Den Weltrekord im Dauerjodeln hält der Österreicher Roland Roßkogler mit 14 Stunden 37 Minuten, und den weltweit schnellsten Jodler schaffte 1992 der Schweizer Peter Hinnen: In einer einzigen Sekunde jodelte er 22 Töne.

Quelle: n-tv.de

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