Wissen
Hieroglyphen an der Tür eines jüngst freigelegten Grabes aus der Pharaonenzeit.
Hieroglyphen an der Tür eines jüngst freigelegten Grabes aus der Pharaonenzeit.(Foto: dpa)

Frage & Antwort, Nr. 131: Wie spricht man Hieroglyphen aus?

Von Andrea Schorsch

Woher weiß man denn eigentlich, wie ägyptische Hieroglyphen zu Zeiten der alten Ägypter ausgesprochen wurden? (fragt Eva Blumenberg aus Mönchengladbach)

Hieroglyphen faszinieren. Kleinere Kinder verstehen sie als Bilderrätsel, größere als Geheimsprache, und Erwachsene als anspruchsvollen Code, dessen Entschlüsselung einen Zugang zu alten Welten ermöglicht.

Für die Ägypter waren Hieroglyphen "Worte Gottes". Sie wurden in der Zeit von 3200 v. Chr. bis 300 n. Chr. vorwiegend in dauerhafte Materialien wie beispielsweise Stein eingearbeitet. Als das Interesse an der altägyptischen Schrift in der Renaissance wieder aufkeimte, ging man zunächst davon aus, dass Hieroglyphen durchweg so etwas wie schematische Illustrationen sind und also Gegenstände, Tiere, Personen etc. direkt darstellen.

Erst im 19. Jahrhundert konnten Wissenschaftler anhand der Hieroglyphen für "Ptolemäus" und "Kleopatra" nachweisen, dass die Schrift auch Lautzeichen enthält. So gibt es also neben den Zeichen, die das Gemeinte direkt abbilden, auch andere Zeichen, die für einen oder mehrere Konsonanten stehen. Wohlgemerkt: nur Konsonanten. Und damit kommen wir zurück zur Ausgangsfrage.

Hase oder Hose?

Prof. Dr. Rainer Hannig hier mit einem von fünf Bänden des von ihm verfassten Wörterbuchs.
Prof. Dr. Rainer Hannig hier mit einem von fünf Bänden des von ihm verfassten Wörterbuchs.(Foto: picture-alliance / dpa)

"Die alten Ägypter haben keine Vokale geschrieben", erklärt uns Rainer Hannig, Sprachforscher und Lexikograph im Bereich Ägyptologie der Philipps-Universität Marburg. Die Hieroglyphenschrift notiert ausschließlich Konsonanten. "So kann ein Wort, das hs geschrieben wird, also Hase oder Hose ausgesprochen worden sein", sagt der Experte. "Wir kennen die Aussprache nur eingeschränkt."

Bei der Transkription von Hieroglyphen in moderne Alphabete sind daher recht verschiedene Schreibweisen zustande gekommen. Während die sagenumwobene altägyptische Königin im Deutschen Nofretete heißt, spricht man im Englischen von Nefertiti. Die Hieroglyphen bezeichneten sie als Nfr.t-jy.tj.

"Einzelne Worte", so Hannig, "kann man aus dem Koptischen ableiten." (Koptisch ist die Nachfolgesprache des Ägyptischen. Sie wurde ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. allmählich vom Arabischen verdrängt.)

Ramses war Riamesesa

"Außerdem", fügt der Ägyptologe hinzu, "helfen uns ägyptische Fremdworte in anderen Sprachen weiter. Ramses z.B. ist in einer anderen Sprache als Riameschescha überliefert. Daraus kann man dann schließen, dass die Ägypter es wie Riamesesa aussprachen."

Doch es bleibt dabei: Die richtige Aussprache der Hieroglyphen lässt sich nur bedingt erforschen. "Aber für das Verstehen von Texten", betont Hannig, "ist das kein Hindernis." Und da ist die Forschung weit. Hannig selbst ist Verfasser der Hannig-Lexica, einem umfassenden Hieroglyphisch-Deutschen Wörterbuch. Bislang besteht es aus fünf Bänden. Und die Arbeit geht weiter.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen