Fundsache, Nr. 1007Gibbon-Kolonie in Vietnam

In den vergangenen 45 Jahren reduzierte sich die Zahl der Weißwangen-Gibbons weltweit um 80 Prozent. Umso erfreuter sind die Forscher, die im bergigen Norden Vietnams nun zufällig die einzige "bekannte überlebensfähige Population" dieser Tiere überhaupt entdeckten.
Die lauten morgendlichen Rufe einer seltenen Art von Menschenaffen haben Forscher in Vietnam zu einer bislang unbekannten Kolonie von Gibbons geführt. In den schwer zugänglichen Wäldern im bergigen Norden des Landes an der Grenze zu Laos würden mehr als 450 Weißwangen-Gibbons zusammenleben, erklären die Forscher von Conservation International (CI). Sie stellen demnach rund zwei Drittel aller Gibbons dieser Art in Vietnam dar und bilden die einzige "bekannte überlebensfähige Population" dieser Tiere weltweit.
"Das ist eine unglaublich bedeutende Entdeckung" erklärt CI-Präsident Russell Mittermeier. "Sie unterstreicht die enorme Bedeutung von geschützten Gegenden als letzte Zufluchtsstätte für dezimierte Spezien." Die Gibbon-Kolonie lebt im Pu-Mat-Nationalpark in der Provinz Nghe An. Gibbons gehören ebenso wie Orang-Utan, Gorilla und Schimpansen zu den Menschenaffen. Aufgrund ihrer geringeren Größe nennt man sie auch die Kleinen Menschenaffen. Sie gelten als die romantischsten aller Primaten, weil sie mit ihren Partnern lebenslange Bindungen eingehen und sich gegenseitig Ständchen vorsingen.
Gibbons sind allerdings vom Aussterben bedroht, weil ihr Lebensraum immer kleiner wird und sie für den Tierhandel und wegen des angeblichen medizinischen Nutzens ihrer Körperteile gejagt werden. Die Zahl der Weißwangen-Gibbons ging Tierschützern zufolge in den vergangenen 45 Jahren um 80 Prozent zurück. In China sind sie praktisch ausgestorben.