Fußball

So läuft der zehnte Spieltag Selten war späte Rache so einfach

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Ein Dokument der Zeitgeschichte.

(Foto: imago/Uwe Kraft)

Das Fußballjahr jagt seinem Ende entgegen, kaum ein Tag vergeht ohne ein wichtiges Spiel. Da geht es fast unter, dass es neben dem Top-Duell zwischen FC Bayern und RB Leipzig auch noch eine Chance zur Revanche gibt. Dabei geht es um einen Ex-BVB-Coach und einen Ex-Schalke-Profi.

Spiel der Woche: Bayer Leverkusen - FC Schalke 04

Ja, der Tabellenführer FC Bayern empfängt den Tabellenzweiten Rasenballsport Leipzig. Ja, das Spiel ist für 18.30 Uhr am Samstagabend (wie alle anderen Partien auch live im ntv.de-Ticker) angesetzt und damit ganz offiziell das Bundesliga-Topspiel des zehnten Spieltags. Und ja, trotzdem taucht es in dieser Vorschau nur unter "Was ist sonst noch los?" auf. Warum? Nun, in den jüngsten vier Aufeinandertreffen gab es gerade mal drei Tore und nur einmal einen Sieger. Aufregend klingt irgendwie anders. Vermutlich wird es schon allein wegen dieses Absatzes ein Spiel für die Geschichtsbücher.

In diesen Büchern erspielt sich gerade auch der FC Schalke 04 seinen Platz, wobei erspielen ein Euphemismus ist für das, was das Schlusslicht im Jahr 2020 auf dem Rasen zeigt. Mittlerweile ist es mehr ein Offenbarungseid nach dem anderen, und an diesem Sonntag (18 Uhr) könnte es richtig schmerzhaft werden. Denn mit Bayer Leverkusen kommt eine Mannschaft nach Gelsenkirchen, die in dieser Saison nur ein einziges ihrer 15 Spiele verloren hat und die in ihren jüngsten sechs Bundesliga-Partien mehr Tore (17) geschossen hat als die Königsblauen in allen 26 Versuchen seit Jahresbeginn zusammen (15).

Außerdem kommt es zum ersten Aufeinandertreffen des Bayer-Trainers Peter Bosz mit dem Schalker Co-Trainer Naldo. Das klingt unspektakulär, ist es für die beiden bestimmt auch, bringt aber eine gewisse Geschichte mit. Denn vor etwas mehr als drei Jahren war es Naldo, der mit seinem Treffer zum 4:4 in der vierten Minute der Nachspielzeit den Schlusspunkt des wildesten Revierderbys der jüngeren - genau - Geschichte setzte, denn nach 25 Minuten lagen die Knappen gegen Borussia Dortmund mit 0:4 hinten, ein Debakel schien unausweichlich. Bosz war damals noch Trainer bei Borussia Dortmund, noch, weil er zwei Wochen später nach dann acht sieglosen Bundesliga-Spielen und dem Champions-League-Vorrundenaus (punktgleich mit dem zyprischen Rekordmeister Apoel Nikosia) entlassen wurde.

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Ein Kopfball aus dem Lehrbuch.

(Foto: imago/Claus Bergmann)

Mittlerweile hat der Niederländer, der mit vollem Namen übrigens Peter Sylvester Bosz heißt, dieses schwarzgelbe Scheitern hinter sich gelassen und sich in Leverkusen rehabilitiert. Seine Elf ist mittlerweile "von der Mentalität her sehr stark", sagte er am Donnerstagabend nach dem 3:2 in der Europa League beim OGC Nizza. Ein Satz, der in Dortmund seit Jahren nicht zu hören war und der auch auf den FC Schalke derzeit nicht unbedingt zutrifft. Und so könnte Bosz sich drei Jahre nach dieser Schmach revanchieren, ja gewissermaßen späte Rache üben. Indem er den FC Schalke weiter sieglos belässt, der dann zum 26. Mal in Folge ohne Bundesliga-Erfolg bliebe und sich rasant in Richtung 2. Liga bewegt.

Was ist sonst noch los?

Der müde FC Bayern empfängt die noch etwas müderen Rasenballsportler (eine immer noch bemerkenswerte Wortschöpfung, um das Sponsoren-im-Namen-Verbot zu umgehen) aus Leipzig. Für beide Teams ist es das fünfte Spiel in 15 Tagen. Die Münchner konnten in der Champions League immerhin ein paar Stammkräfte - Manuel Neuer, Leon Goretzka und Robert Lewandowski reisten gar nicht erst mit - schonen, die nun am Samstagabend (18.30 Uhr) sicher wieder dabei sein werden. Leipzig dagegen musste in Bestbesetzung ran, um mit dem Sieg beim Erdoğan-Klub Istanbul Başakşehir sicherzustellen, dass am kommenden Dienstag (21 Uhr) ein Sieg im direkten Duell mit Manchester United fürs Weiterkommen reicht.

Ein solches Endspiel ums europäische Überwintern erwartet auch Borussia Mönchengladbach, das am Mittwoch (21 Uhr) bei Real Madrid antreten muss. Davor steht aber der SC Freiburg, der in der laufenden Saison zu Hause noch sieglos ist und überhaupt nur eine seiner bislang neun Partien gewinnen konnte. Die weiteren 15.30-Uhr-Spiele am Samstag: Der 1. FC Köln empfängt nach dem Überraschungserfolg beim BVB nun den VfL Wolfsburg, der neben Leverkusen die zweite noch ungeschlagene Mannschaft der Bundesliga stellt. Im Tabellenkeller hofft der 1. FSV Mainz 05 (Platz 16) darauf, mit einem Erfolg gegen Arminia Bielefeld (Platz 17) erstmals in dieser Saison dort zu landen, wo nach 34 Runden weder Relegation noch direkter Abstieg folgen.

Borussia Dortmund muss bei Eintracht Frankfurt ran, im ehemaligen Waldstadion sind die Schwarzgelben seit 2013 sieglos (drei Remis, drei Niederlagen). Am Sonntag (15.30 Uhr) versucht sich der SV Werder Bremen daran, nach sechs Spielen ohne drei Punkte, davon fünf 1:1-Unentschieden, mal wieder zu gewinnen - allerdings gehört auch der VfB Stuttgart dank seiner fünf Unentschieden zu den Bundesligisten, die am häufigsten mit gemischten Gefühlen den Schlusspfiff erleben. Am Montagabend (20.30 Uhr) reist der FC Augsburg zur TSG Hoffenheim, die einerseits in der Europa League schon ungeschlagener Gruppensieger ist und andererseits in der Bundesliga seit Ende September auf einen Sieg wartet.

Was war am Freitagabend los?

Auf der kurzen Rückreise nach Köpenick hatte der 1. FC Union reichlich Frust und neue Sorgen im Gepäck, der glückliche Stadtrivale Hertha hofft auf eine nachhaltige Wirkung des Derby-Sieges. "Das wird uns einfach gut tun", erklärte ein erleichterter Hertha-Coach Bruna Labbadia nach dem 3:1 (0:1) im siebten Pflichtspiel-Duell der Berliner Klubs. Einen Rückstand gedreht, sich von zwischenzeitlicher Ratlosigkeit befreit und dann auch noch dem lange fremdelnden Mittelstürmer eine neue Perspektive eröffnet: Für Hertha BSC war es nach bislang ziemlich unbefriedigendem Saisonverlauf ein Abend nach Maß.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Wenn ich nach ihm gehe, ist er schon morgen 60 Minuten dabei."
Das sagte Bayerns Trainer Flick vor dem Spitzenspiel gegen RB Leipzig auf die Frage, ob Nationalspieler Joshua Kimmich nach seiner Knieverletzung doch noch in diesem Jahr ein Comeback feiern könnte.

"Ich habe schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft, denn da werde ich nicht mehr zu kommen bis dahin."
Das sagte Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt über seine Weihnachtseinkäufe angesichts des engen Fußball-Terminplans mit noch fünf Pflichtspielen bis Weihnachten.

Quelle: ntv.de