Dolchstoß für Napster?Bertelsmann zieht sich zurück
Mit dem plötzlichen Ausscheiden von Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff ist nun auch das Napster-Projekt für die Gütersloher nicht mehr interessant. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen teilte das Unternehmen mit, die Kaufpläne für die Online-Musiktauschbörse nicht weiter verfolgen zu wollen. Zuvor hatte ein US-Gericht den Kauf von Napster untersagt. Das dürfte im Sinne des neuen Unternehemnschefs, Gunter Thielen, sein. Das Internet-Musikangebot galt in Gütersloh ohnehin als Projekt Thomas Middelhoffs. Im übrigen Konzern stießen die Pläne, den Dienst als kostenpflichtigen Abonnement-Service umzuwandeln, überwiegend auf Skepsis
Erst Mitte Mai dieses Jahres hatte Bertelsmann die komplette Übernahme der Tauschbörse bekannt gegeben. Den Kaufpreis in Höhe von acht Mio. Dollar wollten die Gütersloher den Napster-Gläubigern zur Tilgung der Schulden überlassen.
Die internetbasierte Tauschbörse hatte in der Vergangenheit für jede Menge Diskussionsstoff bei großen internationalen Musikkonzernen gesorgt, die sich von dem kostenlosen Dienst bedroht sahen. Im Juli vergangenen Jahres war das Angebot abgeschaltet worden. Seitdem befindet sich Napster im Rechtsstreit mit den großen Musik-Labels der Welt.
Branchenkenner rechnen damit, dass Napster ohne aktuelle Einnahmen und mangels Aussicht auf einen Käufer die Geschäftstätigkeit einstellen muss. Im Juni hatte die Gesellschaft bereits Gläubigerschutz beantragt.
Ein zweites, von Middelhoff eingefädeltes Musikgeschäft, wird hingegen in Gütersloh weiter verfolgt. Am Dienstag hatte die EU-Kommission die Genehmigung für die Übernahme der amerikanische Plattenfirma Zomba Music durch die Bertelsman Group genehmigt. Die Wettbewerbsstruktur auf dem europäischen Musikmarkt werde durch die Übernahme nicht bedeutend verändert, weil sich der Marktanteil von BMG nur geringfügig erhöhe, hieß es zur Begründung aus Brüssel. Das US-Plattenlabel Zomba hat unter anderem Britney Spears unter Vertrag.