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"Er kegelte alles um"Blutbad in Santa Monica

18.07.2003, 07:43 Uhr

Ein 86-Jähriger hat im kalifornischen Küstenort Santa Monica versehentlich ein Blutbad angerichtet. Er raste mit dem Auto durch eine Menschenmenge und tötete mindestens neun Menschen.

In Kalifornien ist ein weiteres Opfer des schweren Unfalls seinen Verletzungen erlegen. Ein sieben Monate alter Junge starb im Krankenhaus. Damit steigt die Zahl der Opfer auf zehn. Ein 86 Jahre alter Autofahrer war am Donnerstag im kalifornischen Santa Monica in einen belebten Straßenmarkt gerast. 20 Menschen werden nach US-Medienberichten noch in Krankenhäusern behandelt, davon fünf mit lebensgefährlichen Verletzungen.

"Das ist die schlimmste Tragödie, die ich in 30 Jahren Dienst gesehen habe," sagte der örtliche Polizeichef James Butts. Der Anblick des getöteten Kindes sei für ihn "herzzerreißend" gewesen, fügte er hinzu.

Augenzeugen zufolge fuhr das Auto mit hoher Geschwindigkeit durch den Marktbereich. Das Fahrzeug kam erst zum Stillstand, als ein Opfer auf der Windschutzscheibe landete. "Er fuhr durch wie ein Panzer und kegelte alles um", sagte ein Marktbesucher. Ein anderer meinte dazu: "Als der Mann aus dem Auto stieg, schien er völlig verwirrt zu sein." Die Menschen seien von dem Auto durch die Luft geschleudert worden. Der rote Buick habe Zelte und Stände zertrümmert. "Über 90 Stundenkilometer, und er wurde nicht langsamer ", sagte David Lang, Manager eines an der Marktstraße - der Arizona Avenue - gelegenen Schuhgeschäfts.

Die Schnauze des Autos war stark beschädigt, die Windschutzscheibe zerborsten. Mehr als ein Dutzend Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Ambulanzen kümmerten sich vor Ort um Verletzte. Andere Augenzeugen berichteten im Fernsehen, der Fahrer habe noch Gas gegeben. "Er pflügte durch sie hindurch, als wäre es nichts", sagte Rony Soussan.

Zehn Passanten mussten den demolierten Wagen beiseite schieben, um eine darunter liegende Frau zu befreien. Sie kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus.

Der Autofahrer wurde von der Polizei verhört und befindet sich inzwischen wieder auf freiem Fuß. Bei der Vernehmung soll er gesagt haben, er wisse nicht, wie er die Kontrolle über das Auto verloren habe. Er habe bremsen wollen und möglicherweise aus Versehen Gas gegeben. Alkohol oder Medikamente seien nicht im Spiel gewesen, gab ein Polizeisprecher bekannt.

Nachbarn berichteten, der Unglücksfahrer sei weder körperlich noch geistig beeinträchtigt gewesen. Am Mittwochabend ließ der Autofahrer über seinen Anwalt ein Statement verbreiten. Darin brachte er sein Beileid für die Opfer zum Ausdruck.

Der sich über mehrere Straßenblocks erstreckende Wochenmarkt in dem Küstenstädtchen zieht an jedem Mittwoch tausende Menschen an. Die Geschäftszone ist normalerweise für den Autoverkehr gesperrt.