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Mali stellt offenbar UltimatumGesundheitszustand ungewiss

06.08.2003, 09:19 Uhr

Die malischen Behörden sollen den Entführern der Sahara-Touristen mit einem Militärangriff gedroht haben, falls sie nicht Kranke und Ältere unter den Geiseln bis Freitag freiließen.

Die ermittelnden Behörden haben den Entführern der 14 europäischen Sahara-Geiseln mit einem Militärangriff gedroht, wenn sie nicht bis Freitag Kranke und Ältere freilassen. "Wenn die sechs kranken Geiseln und die Älteren nicht freigelassen werden, wird eine militärische Lösung die Krise beenden, die bereits viel zu lange dauert", berichtete die Zeitung "El Watan" am Mittwoch unter Berufung auf Sicherheitskreise. Diese hätten ihren Reporter in Kidal im Norden Malis informiert, wo sich die Entführer mit den Geiseln derzeit aufhalten sollen.

Die ARD berichtete dagegen, es gebe keine Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung der Geiseln. Sie würden regelmäßig mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Das ARD-Hauptstadtstudio habe zudem in Berlin erfahren, dass die Bundesregierung sich nicht auf direkte Verhandlungen mit den Entführern einlassen wolle, um Gespräche über Lösegeld zu vermeiden. Dies werde aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt, weil Deutschland sonst weltweit erpressbar werde. Das Auswärtige Amt äußert sich mit Verweis auf die Sicherheit der Geiseln nicht zu der Entführung.

Nach ARD-Informationen wollen die Entführer mit der malischen oder der deutschen Bundesregierung verhandeln. Der bisherige Vermittler, der angesehene Tuareg-Führer Iyad Ag Agaly, sei ausgeschaltet worden. Die ARD beruft sich bei ihren Informationen auf einen "wichtigen" Politiker mit guten Kontakten in den Norden Malis, wo die neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer festgehalten werden. Unverändert gehe es auch um Lösegeld, berichtete die ARD. Die Höhe aber sei unbestimmt. Ein malisches Regierungsmitglied habe gesagt, es sei für sein Land eine Ehrensache, die Geiselnahme friedlich zu beenden.

Die Geiselnehmer werden der islamistischen algerischen Salafistischen Gruppe für Gebet und Kampf zugeordnet, der Verbindungen zur Terrororganistion El Kaida nachgesagt werden. Agaly soll mit der Führung der Gruppe persönlich bekannt sein. Seine Tuareg-Rebellen lagen in der ersten Hälfte der 90er Jahr im Krieg mit der malischen Regierung.