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"Out" gibt's nicht mehrGetragen wird, was gefällt

01.08.2003, 11:46 Uhr

Die Modebranche stöhnt: Keiner will die neuesten Klamotten kaufen, denn alle tragen ihr Zeug aus dem letzten Jahr noch auf!

Mode scheint in Deutschland derzeit nicht mehr so gefragt zu sein, wie noch vor einigen Jahren. Zwei Tage vor Beginn der weltweit größten Modemesse "CPD woman-man" in Düsseldorf hieß es aus Branchenkreisen, Frauen hätten in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres deutlich weniger Kleider und Jacken gekauft. Blusen und Röcke bleiben ebenfalls vermehrt in den Geschäften hängen und auch bei den als Modemuffeln bekannten Männern scheint die Mode aus der Mode zu sein.

Hoffen auf den Herbst

Die Leute haben anderes im Kopf als Klamotten", hieß es beim Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels. Nach den Worten des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers des Verbandes, Heijo Gassenmeier, ist auch der Umsatz mit Krawatten zwischen Januar und Mai des laufenden Jahres um 11, mit Sakkos und Blazern um 5 und mit Hosen um 2 Prozent zurückgegangen. Wie viele andere Konsumgüterbranchen ist auch die Modebranche schon zufrieden darüber, dass das Umsatzminus seit Jahresbeginn mit 5 nicht mehr ganz so drastisch ist, wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres, wo 9 Prozent Rückgang zu beklagen waren. Gassenmeier hofft wie Hersteller und Händler auf den Spätherbst als Umsatzbringer und auf die Geschäfte, die auf der am Sonntag beginnenden Internationalen Modemesse in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt getätigt werden.

Der neue "Neue Markt": Ostblock

Rund 1.900 Aussteller aus 46 Ländern werden in Düsseldorf die neuesten Trends für den kommenden Sommer präsentieren. Gut 60.000 Facheinkäufer aus aller Welt werden am Rhein erwartet. Insgesamt rechnet die Branche für 2003 mit 9,3 Milliarden Euro Umsatz und hofft auf den Export. Besonders asiatische und einige Ostblockländer werden von der deutschen Bekleidungsindustrie nicht mehr nur als Billig-Hersteller sondern mittelfristig auch als finanziell potente Abnehmerländer betrachtet.

Trödelmärkte und Second-Hand-Läden sind "in"

Derweil sieht man im Inland immer mehr auch gutbetuchte Konsumentinnen auf Trödelmärkten und in noblen Second-Hand-Länden nach ausgefallenen Modeartikeln Ausschau halten. Der Satz "das trägt man in der aktuellen Saison nicht mehr", ist weitgehend aus dem Modejargon verschwunden. Designer und Hersteller wissen ebenso wie der Handel, dass die Kunden nur noch dann den Geldbeutel aufmachen, wenn ihnen etwas wirklich gefällt. Und das muss - anders als früher - nicht mehr der neueste Schrei sein. "Gefragt ist, was gefällt", meinte eine Modeberaterin in der Düsseldorfer Altstadt.

Berlin kommt

Die Igedo-Company als Veranstalter der Modemesse setzt unterdessen schon seit Jahren nicht mehr nur auf Düsseldorf. Sie veranstaltet seit sieben Jahren mit wachsendem Erfolg in China Modemessen und startet im September auch in Moskau eine erste Messe. Auch auf heimischem Terrain sind die Messeleute rund um Igedo-Chef Manfred Kronen nicht faul. Dem Kölner Nachbarn haben sie vor einem Jahr die Männermode abspenstig gemacht und in die CPD integriert, nun gibt es ab Sonntag erstmals eine CPD-Sport und für die nächste Zukunft scheint auch die Kindermode, die sich bislang noch in der Domstadt hält, nach Düsseldorf kommen zu können. Dabei sind die Modemesse-Macher in der NRW-Landeshauptstadt überhaupt nicht ohne Probleme. Mit Argusaugen hat Kronen beispielsweise die sehr erfolgreiche Konkurrenzveranstaltung "Bread & Butter Berlin" Mitte Juli beobachtet. Mit Stars aus der Model- und Filmbranche ging dort im denkmalgeschützten Siemens-Kabelwerk in Spandau die größte europäische Messe für Sports-, Street- und Jeanswear über die Bühne. Dennoch setzt Kronen bei der dreitägigen CPD in Düsseldorf mit Events und Modeschauen weiter auf den "Verführungseffekt" der Mode. Der Preis sei wichtig, aber nicht alleine für den Erfolg neuer Kollektionen ausschlaggebend.

Von AP-Korrespondent Andreas Rehnolt