Aufschwung in GefahrIfo-Institut korrigiert Prognose
Für den Wirtschaftsstandort Deutschland gibt es noch keine Entwarnung. Das Münchener Ifo-Institut sieht deutliche Gefahren für den Aufschwung und hat die BIP-Prognose für 2002 gesenkt. Das bedeutet nichts Gutes für den Arbeitsmarkt.
Für den Wirtschaftsstandort Deutschland gibt es noch keine Entwarnung. Das Münchener Ifo-Institut hat nun einen recht verhaltenenen Ausblick gegeben. Zwar rechnen die Konjunkturforscher mit einer weiteren Erholung der Konjunktur in Deutschland, sehen aber gleichzeitig deutliche Gefahren für den Aufschwung. Das bedeutet nichts Gutes für den Arbeitsmarkt.
Die konjunkturelle Lage sei nach wie vor von großer Labilität geprägt, die Erholung nicht gefestigt, erklärte das Institut. Auch wenn die bisher vorliegenden Indikatoren darauf hindeuteten, dass sich die begonnene wirtschaftliche Erholung fortsetze, gebe es durchaus beachtliche Risiken für die Prognose.
Störfaktoren Börsen & Euro
Sollte es zu einer weiteren signifikanten Eintrübung des Geschäftsklimas kommen, müsse sogar mit einem Stocken des Aufschwungs gerechnet werden, warnten die Experten.
Zusätzliche Risiken sieht das Institut in den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten, die die Bilanzmanipulationen in den USA ausgelöst hatten.
Auch ein weiterer Höhenflug der europäischen Gemeinschaftswährung könne die Konjunkturaussichten eintrüben, hieß es. Man gehe aber lediglich von einer weiteren leichten realen Aufwertung des Euro aus, beruhigten Konjunkturforscher.
BIP-Erwartungen gesenkt
Insgesamt werde das reale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 0,7 Prozent zunehmen, prognostizierte das Institut. Damit wurden die Erwartungen im Vergleich zu der im April veröffentlichten Gemeinschaftsprognose der sechs führenden Forschungsinstitute um 0,2 Prozentpunkte gesenkt. Die Prognose liegt jedoch um 0,1 Prozentpunkt über den Ifo-Berechnungen vom Dezember letzten Jahres.
Für das Jahr 2003 gehe das Ifo-Institut von einem Wachstum in Höhe von 2,3 Prozent des BIP aus. Zusammen mit den anderen Instituten hatte es zuvor mit 2,4 Prozent gerechnet. Die Bundesregierung prognostiziert für 2002 eine Zunahme des BIP von rund 0,75 und für das kommende Jahr von etwa 2,5 Prozent.
Schlechte Aussichten für den Arbeitsmarkt
Die Senkung der Wachstumsprognose bedeute für den Arbeitsmarkt nichts Gutes, warnte das Institut. Der konjunkturelle Tiefpunkt in der Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes ist noch nicht erreicht.
Im Durchschnitt des laufenden Jahres rechnen die Münchener mit einer Arbeitslosenzahl von rund 4,035 Mio. Sie werde auch im kommenden Jahr nur leicht auf rund 3,91 Mio. sinken, hieß es.
Zinserhöhung erst im Winter
Für die Prognose ist das Institut nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die monetären Zügel allenfalls leicht anzieht. Die EZB werde die Leitzinsen frühestens im kommenden Winterhalbjahr um einen viertel Prozentpunkt anheben, so die Forscher. Vorausetzung sei allerdings ein sich festigender Aufschwung.