KinderschänderskandalPortugal schockiert
Noch ist der Prozess um Portugals bislang größten Pädophilie-Skandal nicht beendet, da erschüttert ein neuer Fall das Land. Unter den Festgenommenen sind Geschäftsleute, Unternehmer und Manager.
Ein Jahr nach der Aufdeckung eines großen Pädophilie-Skandals in Portugal wird das Land erneut von einem Fall von Kindesmissbrauch erschüttert. Auf der Azoren-Insel Sao Miguel nahm die Polizei zwölf Männer fest, die sich regelmäßig in einer Garage der Ortschaft Lagoa an Minderjährigen vergangen haben sollen. Unter den 17 bis 54 Jahre alten Verdächtigen seien Geschäftsleute, Unternehmer, ein Bankmanager und ein Arzt, berichtete die Presse.
Nach einer mehrstündigen Vernehmung wurde gegen acht der Männer Haftbefehl erlassen, die übrigen kamen unter Auflagen wieder frei.
Auf die Spur des mutmaßlichen Kinderschänderrings war die Polizei durch die Festnahme eines 37-jährigen Anstreichers im November vergangenen Jahres gekommen. Er soll die Treffen in der Garage organisiert haben. Im Zuge der Ermittlungen hatten der Landwirtschaftsminister der Azoren, Ricardo Rodrigues, und der Leiter der Gesundheitsbehörde der Stadt Lagoa, Lus Arruda, ihren Rücktritt erklärt. Sie waren mit dem Skandal in Verbindung gebracht worden, bestritten jedoch jede Verwicklung.
Der Prozess um Portugals bislang größten Pädophilie-Skandal geht derweil weiter. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte erst vor knapp zwei Wochen Anklage gegen den früheren Arbeitsminister Paulo Pedroso und neun weitere Verdächtige wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben. Die oberste Anklagebehörde legt den Beschuldigten zur Last, Kinder aus staatlichen Waisenheimen vergewaltigt und die Prostitution von Minderjährigen gefördert zu haben. Unter den Angeklagten sind neben dem sozialistischen Ex-Minister zwei Show-Stars des Fernsehens und ein ehemaliger Botschafter. Die Ermittler hatten 600 Zeugen und Opfer befragt, darunter zahlreiche Ex-Bewohner von Waisenheimen der renommierten staatlichen Organisation Casa Pia.