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Missbrauch durch PriesterRom befahl Schweigen

18.08.2003, 14:09 Uhr

Dass die Katholische Kirche sexuellen Missbrauch durch Priester oft verschwiegen hat, ist bekannt. Eine britische Zeitung berichtet nun, dass der Vatikan die Geheimhaltung offiziell angeordnet hat.

Der Vatikan hat nach britischen Presseberichten 1962 offiziell angeordnet, Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester zu vertuschen. Die Bischöfe in der ganzen Welt seien damals in einem Vatikan-Dokument angewiesen worden, solche Vergehen "mit größter Geheimhaltung" zu behandeln, berichtet die Londoner Zeitung "The Observer".

Opfer sexuellen Missbrauchs sollten unter der Drohung der Exkommunizierung zum Stillschweigen verpflichtet werden. Das lateinische Rundschreiben mit dem Titel "Crimine Solicitationies" beziehe sich auf sexuelle Belästigung im Zuge der Beichte und trage das Siegel des damaligen Papstes Johannes XXIII.

Ein US-Anwalt habe das 69-Seiten-Schreiben bei Nachforschungen über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche entdeckt. Der Vatikan wollte dazu am Montag keine Stellung nehmen. "Es gibt dazu zurzeit keine Reaktion", hieß es in der Vatikan-Pressestelle.

Vor allem die US-Kirche wird seit zwei Jahren von einer Serie von Skandalen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester erschüttert. 2001 hatte Papst Johannes Paul II. ein hartes Vorgehen gegen solche Vergehen gefordert.