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Der lange Weg zur FreiheitNelson Mandela für zu Hause

06.09.2014, 06:37 Uhr
imageVon Sabine Oelmann

"Mandela - der lange Weg zur Freiheit" ist eine Liebeserklärung an einen Menschen, der durch seinen unermüdlichen Kampf für Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit die ganze Welt veränderte. Jetzt auf DVD.

Nelson Mandela war ein großartiger, wenn auch ein nicht ganz unumstrittener Mann. Wie er derjenige werden konnte, der er war, darüber weiß Justin Chadwick, der Regisseur des Films "Mandela - Der lange Weg zur Freiheit", zu berichten. Im Interview mit n-tv.de erzählt der Regisseur und Friedenspreisträger über seine Arbeit an dem Film, über seine Begegnungen mit der Mandela-Familie und warum es sich immer lohnt, für ein besseres Leben zu kämpfen.

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Regisseur Justin Chadwick, Nelson Mandelas Tochter Zindzi Mandela, Idris Elba, Hauptdarsteller und Anant Singh, Produzent (v.l.) auf der Deutschland-Filmpremiere. (Foto: imago/Raimund Müller)

In Form eines "BioPics" kreierte der Brite das Porträt des Mannes, der so viele Menschen mit seiner Lebensgeschichte berührt hat und der durch seine eigene Biografie die Leben von Millionen Menschen, nicht nur in Südafrika, verändert und verbessert hat. "Mandela" lief im Kino - nun kommt der Film ins Heimkino. Das bietet Gelegenheit, sich dem Thema noch einmal zu widmen und Nelson Mandela nicht nur als Mythos zu bestaunen, sondern als Menschen mit Zweifeln, Fehlern und Wut, aber auch ganz viel Liebe, Verständnis und Weisheit zu betrachten.

Dieses Jahr ist Nelson Mandela gestorben, und sicher, es war keine Überraschung, aber dennoch ist eine ganze Ära beendet worden. Dabei fängt die Arbeit, die Nelson Mandela hinterlassen hat, nun erst wirklich an. Es ist nicht nur die Aufgabe seiner Familie und seiner Freunde, das Thema Apartheid und Menschenrechte fortzuführen. Ausgerechnet am Tag der Weltpremiere von "Mandela - Der lange Weg zur Freiheit" starb Mandela mit 95 Jahren im Kreise seiner Familie.

1918 geboren, 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, 27 Jahre Häftling auf der Gefängnisinsel Robben Island, das sind die Eckdaten. Dabei war Nelson Mandela ein Mann, der nicht automatisch ins Friedensaktivistengewerbe hineingeboren wurde. Er kam nicht als Lichtgestalt zur Welt, das war Justin Chadwick ganz wichtig: "Ich erzähle in meinem Film von seiner Kindheit, seiner ersten Liebe, seinen Frauen, von Winnie, von seinen Kindern, von seinen gelebten und seinen unterdrückten Gefühlen bis zu seiner Amtseinführung als erster Präsident des demokratischen Südafrikas."

Die Entstehung einer Ikone

Bildgewaltig geht das zu, man lernt eine Menge. Sollte man den Film nicht in Schulen zeigen? Chadwick findet, dass das eine gute Idee sei. "Mandela kann auch heute noch Vorbild sein, nicht nur in Sachen Anti-Apartheid, sondern auch, wie man seinen Weg geht, sich hocharbeitet, sich treu bleibt, alles Dinge, die immer Gültigkeit haben". Mandela, ein Ghetto-Boy? "Er war ein Sportler, seine physische Starke hat ihm sicher auch dabei geholfen, seine psychische Stärke unter den schlimmsten Bedingungen nicht zu verlieren", ist sich Chadwick sicher.

Der Regisseur beschreibt die Entstehung einer modernen Ikone, die die Aufhebung der Rassentrennung und damit eine langersehnte politische Wende in Südafrika herbeiführte: "Mandela war ein Gentleman, ein Mann, dem Traditionen wichtig waren, der aus einfach Verhältnissen kam, und der seinen Weg unbeirrt gegangen ist. Er war ein Menschenfreund." Chadwick traut sich, den Vergötterten am Anfang seines Lebens jedoch durchaus als zweifelnden, unsicheren, im Umgang mit Frauen gern als Macho auftretenden "Normalo" zu zeigen, der nach und nach jedoch immer mehr Charisma ausstrahlte: "Ich weiß nicht, woher er das nahm. Aber er hatte etwas sehr Anziehendes. Ich habe ihn 1993 getroffen, und ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber diese Energie, die sprudelte nur so aus ihm heraus. Er zog jeden mit seinem Lächeln und seinem Charme in den Bann. Ich möchte gar nicht wissen, wie er als junger Mann war", erzählt der Regisseur lachend.

Der Madiba-Effekt

Ist das der Madiba-Effekt? "Ja, vielleicht. Wenn "Madiba" (sein traditioneller Clan-Name) in ein Stadion kam, dann rasteten die Menschen im besten Sinne des Wortes aus" so Chadwick. "Wir vergessen fast immer, dass Mandela auch mal jung war und sich nicht vorgestellt hat, Jahrzehnte in einem Gefängnis zu verbringen, er hatte Träume und Hoffnungen. Er war ein Vater, kein Heiliger!"

War Nelson Mandela nicht irgendwann eine Art Popstar, wollen wir wissen. Justin Chadwick zögert: "Ich weiß nicht so viel über Pop-Stars, muss ich zugeben, aber ich weiß, dass Nelson Mandela ein Mann der Gerechtigkeit war, und ich weiß, dass er seinen Namen und das, was er inzwischen darstellte, unwahrscheinlich ernst genommen hat. Er hat nie aufgehört, für das zu arbeiten, woran er geglaubt hat. Ich glaube, bis zu dem Tag, an dem er gestorben ist. Mandela war ehrlich und aufrichtig und hat sich immer für andere eingesetzt. Ich weiß nicht, ob das einem Pop-Star entspricht." Gibt es noch Personen wie ihn? Chadwick zögert auch hier kurz: "Ich fürchte, es werden immer weniger. Aber irgendwo gibt es solche Mandelas noch!"

Vergebung contra Kampf

Was ist mit Winnie Mandela? Sie war nicht so versöhnlich gestimmt, kämpfte an vielen Fronten, verhärtete mehr als ihr Mann im Gefängnis. Wenn er sagte "Vergebung", dann sagte sie "Kampf".

"Ich habe Winnie oft besucht, ihre Kinder, ihre Enkel. Sie war Anfang 20, als sie Nelson kennenlernte, sie hatte ganz normale Wünsche an das Leben. Auch sie wurde verhaftet, sie wurde furchtbar gequält und gefoltert, missbraucht - da ist es schwer, sanftmütig zu bleiben, würde ich sagen. Mandela war ein Mann unter Männern, er wurde, da er so unter Beobachtung stand, verschont. Aber sie musste ständig Angst darum haben, was ihren Töchtern passieren könnte, sie musste sie ernähren, erziehen, und das alles ohne Hoffnung, ihren Mann je wieder zu sehen. Sie hat noch später gesagt, dass sie nicht reden wollte, sondern kämpfen. Sie war eine gebrochene Frau."

Chadwicks Fazit: "Ich glaube an dieses Land und die Menschen dort und daran, dass sie ihren Weg weitergehen werden.

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Quelle: ntv.de