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Zehn Jahre nach dem Kollaps"The Rover": Postapokalyptischer Roadtrip

07.11.2014, 07:09 Uhr
imageVon Thomas Badtke
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Ein ungleiches Paar mit einer Mission: Eric (Guy Pearce) will sein Auto wiederhaben, Rey (Robert Pattinson) seinen Bruder wiederfinden. (Foto: Senator)

Dem australischen Outback kann die Apokalypse nichts anhaben. Das Leben dort ist immer karg. Was man hat, das hat man und verteidigt es bis aufs Messer. Als Eric sein Auto geklaut wird, jagt er die Gangster. Unterstützung bekommt er von Robert Pattinson.

1979 erscheint Australien erstmals groß auf den Kinoleinwänden der Welt. Aufgemotzte und heruntergekommene Karren, ein Typ in Lederkluft und ein postapokalyptisches Szenario sind die Basis für den Kassenschlager "Mad Max" und die Geburtsstunde des späteren Hollywoodstars Mel Gibson - und des australischen Films gleichermaßen. Seitdem denken viele Filmfans an das unwirtliche Outback Down Under, wenn es um ein (Über-)Leben nach der Apokalypse geht.

Nun nimmt sich ein australischer Regisseur erneut dieses Themas an: David Michöd, der mit dem Gangster-Epos "Königreich des Verbrechens" bereits für internationales Aufsehen gesorgt hat. Jetzt zaubert er erneut einen Hit aus dem Ärmel, diesmal aber viel verstörender und minimalistischer. "The Rover" - ein Endzeit-Roadtrip.

Das Auto eines Mannes ...

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Eric wurde in einer nicht mehr allzufernen postapokalyptischen Zukunft sein Auto gestohlen. (Foto: Senator)

"Zehn Jahre nach dem Kollaps" heißt es da. Viel mehr Infos gibt es zu Anfang des Films nicht. Danach tauchen drei heruntergekommene Gestalten auf, einer ist angeschossen worden. Sie fliehen in einem Truck in das staubige Outback Australiens. Derweil stellt Eric (Guy Pearce; "Memento") sein Auto, einen gut erhaltenen Rover, an einer Spielunke ab und genehmigt sich einen. Wortlos. Hinter ihm und damit außerhalb des Etablissements, in dem chinesische Musik läuft, baut der Truck mit den drei Gangstern einen Unfall. Das Auto will nicht mehr anspringen. Die drei steigen einfach um, stehlen Erics Auto. Als der das mitbekommt, ist es mit seiner stoischen Ruhe vorbei.

Er bringt den liegengebliebenen Gangstertruck wieder zum laufen und rast hinter seinem gestohlenen Auto hinterher. Es dauert nicht lang und er hat Sichtkontakt. Auch die Gangster sehen ihn. Er fährt an sie heran. Stoßstange an Stoßstange. Aber rammen will er sein Auto nicht. Stattdessen lässt er sich wieder zurückfallen, bleibt für die Gangster aber sichtbar.

... ist ihm heilig

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Eric und Rey sind die beiden Hauptprotagonisten in "The Rover". (Foto: Senator)

Bereits nach kurzer Zeit haben die drei die Faxen dicke. Sie fahren rechts ran. Eric hält etwas dahinter und steigt aus. "Das ist mein Auto. Ich will es zurück", raunt er gelassen durch seinen ungepflegten Bart. Aber die drei denken nicht daran. Bewaffnet schlagen sie Eric nieder, lassen ihn liegen und verschwinden. Als Eric zu sich kommt, kreist bereits ein Geier über ihm.

Aber Eric lässt sich nicht beirren, bleibt seinem eingeschlagenen Weg treu - und der heißt, sein Auto um jeden Preis zurückzubekommen. Er macht sich auf die Suche und stolpert dabei über den verletzten Rey (Robert Pattinson; "Twilight"-Saga). Der entpuppt sich als der jüngere Bruder eines der drei Gangster. Sie haben ihn verletzt zurückgelassen, dachten, er sei tot. Rey ist das nicht, noch nicht - aber er weiß, wohin die drei unterwegs sind.

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Robert Pattinson startet seine Post-"Twilight"-Karriere erfolgreich mit "The Rover". (Foto: Senator)

Eric nimmt Rey kurzerhand mit. Nach einem kurzen Arztbesuch irgendwo im Nirgendwo mit anschließendem Schusswechsel fährt das ungleiche Pärchen in Richtung Zielort. Wer sich Eric dabei in den Weg stellt, wird erschossen. Als er gefangen genommen wird, befreit ihn Rey - und so freunden sich die beiden an. Irgendwie. Hier der nihilistische Eric, dort der zurückgebliebene, naive Rey. Gemeinsam kommen sie aber ans Ziel – und "The Rover" kann mit einem Showdown enden, dem man so viel Unkonventionalität und Gefühl gar nicht zugetraut hätte.

Minimalistisch - purer Genuss

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"The Rover" ist bei Senator auf DVD und Blu-ray erschienen. (Foto: Universum)

Das ist eine Stärke von "The Rover". Gewaltige Panoramen des Nichts, keine Gespräche, sondern umherfliegende Wörter, eher Wortfetzen und viel Ruhe. Dazu zwei Hauptdarsteller, die sich die Seele aus dem Leib spielen. Dass Guy Pearce schauspielerisch etwas auf dem Kasten hat, dürfte nach "The Rover" auch dem letzten Skeptiker klar werden. Dass aber der Schnulzen-Vampir Robert Pattinson auch etwas anderes kann, als Teenies zum Schmachten zu bringen, überrascht dann doch - positiv.

Pattinson sieht nicht nur heruntergekommen aus, er ist es in "The Rover" einfach auch. Sein Gang, sein schiefes Gesicht, sein Gebrabbel - er ist auf dem besten Weg, ein wirklich ernsthafter und ernst zu nehmender Schauspieler zu werden. Einen Schauspieler, den man irgendwann vielleicht nicht mehr mit der "Twilight"-Sage in Verbindung bringt - so wie man heute auch Leonardo DiCaprio nicht mehr unbedingt mit "Titanic" gleichsetzt, "Blood Diamond", "Departed", "Shutter Island" sei Dank.

So gesehen, lohnt sich "The Rover" gleich mehrfach: Erstklassige Schauspielkunst wird hier mit einem einfachen Plot (ein Typ will in einer zerstörten Welt einfach nur sein Auto zurück) gepaart. Den Hauptdarstellern will man während ihres todbringenden Roadtrips nicht über den Weg laufen. Überhaupt: ins australische Outback und dort Urlaub machen? Nein, danke! Dieser Zug ist spätestens nach Michôds nächster großer Leinwandnummer, die bei den Filmfestspielen in Cannes Weltpremiere und beim Fantasy Filmfest Deutschlandpremiere feierte, abgefahren.

Für einen Deutschen stellt sich am Ende zudem die Frage: Wieso hängt ein Mann so an einem Rover? Der Kollaps dieser Welt muss wirklich grausam gewesen sein und noch viel härter als im 1979er Aufreger "Mad Max". Die wirkliche Antwort liefern die letzten Filmszenen eindrucksvoll.

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Quelle: ntv.de

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