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Deutschlands tödlicher Exportschlager: Der Kampfpanzer "Leopard 2"

 
Deutschlands tödlicher Exportschlager: Der Kampfpanzer "Leopard 2"

Was ist eigentlich ein Panzer?

Und was macht einen Panzer zu einem weltweit begehrten Exportprodukt der Rüstungsindustrie?

Im Prinzip ist ein Panzer eigentlich nichts anderes als ein kostspieliges Schießgerät aus Stahl, in dem Soldaten sitzen, die vor Beschuss halbwegs geschützt auf Befehl von oben auch querfeldein durch die Landschaft zum Einsatz rollen können.

Doch was macht aus einem herkömmlichen Panzer einen guten Panzer?

Drei Eigenschaften sind es, die aus der Sicht von Militärexperten im Panzerbau entscheiden: ...

... Feuerkraft, ...

... Beweglichkeit ...

... und die Fähigkeit, Angriffe von Feinden so gut wie möglich zu überstehen.

Militärhistoriker erkennen in jedem Panzerfahrzeug der Kriegsgeschichte einen mehr oder weniger gelungenen Kompromiss aus Bewaffnung, Motorisierung und Panzerung.

Der deutsche Kampfpanzer "Leopard II" ist das Ergebnis von Maschinenbaukunst und Erfahrung. Unter Rüstungsexperten gilt er als der derzeit Beste seiner Klasse.

Dabei stammt er eigentlich aus einer ganz anderen Zeit: ...

In der Ära des Kalten Krieges sollten schwere Kampfpanzer (wie hier ein "Leopard I") den Ansturm einer überlegenen Roten Armee im "Verteidigungsfall" aufhalten.

Oder zumindest den Vorstoß bremsen.

Bis weit in die 1980er Jahre hinein sind die Verteidigungsetats großzügig ausgestattet: Schweres Kriegsgerät (im Bild ein "M60" der US-Armee) ist reichlich vorhanden.

Und das auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. (Hier Kampfpanzer vom Typ "T-72" aus russischer Produktion)

Die Rüstungsindustrie läuft auf Hochtouren. Die Militärs sind trotzdem unzufrieden. Sie schielen auf die neuesten Modelle ihrer Gegner.

Die Erfahrungen im Truppenalltag tun ein Übriges. Die Militärs bestellen Verbesserungen: Weniger Gewicht, mehr Schutz, mehr Feuerkraft heißt die Devise.

Das Wettrüsten der Supermächte bleibt nicht auf das nukleare Arsenal beschränkt. Die Zahl immer neuer Panzertypen steigt. (Hier heimlich aufgenommene Aufnahmen von 1989, die den damals noch hochgeheimen sowjetischen Hauptkampfpanzer der "T-80" zeigen).

In Europa stehen sich schließlich gewaltige Heere gegenüber: Panzerarmeen sollen im Ernstfall die Speerspitze des Angriffs bilden oder die Hauptlast der Verteidgung tragen. Ihre Zahl geht - hier wie dort - in die Tausende.

In ihren Hauptquartieren geben die Strategen am liebsten Panzertypen aus der heimischen Waffenproduktion den Vorzug: In Deutschland entwickeln Ingenieure in den 1960er Jahren den "Leopard 1".

Mit einem echten Leoparden (hier ein Jungtier) hat das Panzerfahrzeug abgesehen vom Namen rein gar nichts zu tun.

Auch das Nachfolgemodell "Leopard 2" ist weder niedlich noch elegant, anmutig oder leise.

Der "Leo2" ist eine röhrend-laute, tödlich effektive Kampfmaschine.

Seine Konkurrenzmodelle heißen "Challenger 2" und kommen aus Großbritannien ...

... oder "Leclerc" aus Frankreich ...

... oder "M1A1 Abrams" aus den USA.

Das Wettrüsten geht ungebremst weiter - nur haben sich die geopolitischen Schwerpunkte verschoben.

Die Israelis schützen sich mit hochmodernen "Merkava".

Die Japaner bauen am "Prototyp 10".

Russische Waffenschmieden entwickeln den "T-80" (Mitte) weiter zum "T-90" (jeweils außen).

Der Kampfwagen zählt zum Stolz der russischen Streitkräfte.

Die aufstrebenden Schwellenländer ziehen nach: Ein "ZTZ-99" aus China.

"Arjun"-Kampfpanzer aus Indien.

Trotz des überaus breiten Angebots aus aller Herren Länder zählt der deutsche "Leopard 2" zu den meistverkauften Panzern der Welt.

"Seine vielseitige Überlegenheit nutzen die Streitkräfte von 16 Nationen", heißt es beim Generalunternehmer Krauss-Maffei Wegmann (KMW).

Saudi-Arabien bemüht sich seit Jahren darum, endlich als Nr. 17 in die Gruppe der "Leopard"-Staaten aufzusteigen.

Schon jetzt ist der Kampfpanzer aus Deutschland in den Anden und der arktischen Tundra ebenso unterwegs wie in den Alpen, in Asien und am Mittelmeer.

Generell gilt: Der Export lohnt sich für die deutsche Industrie. Mit jedem verkauften Panzer sind lukrative Wartungsverträge verbunden.

Dazu kommen Extras, Sonderwünsche und Spezialversionen.

Die kanadischen Streitkräfte setzten den "Leopard 2" zum Beispiel nach einigen Anpassungen bereits in Afghanistan ein.

Bei der Bundeswehr verrichtet der Leo in der Version "2 A6" als "Standardpanzer der Panzertruppe" (Zitat: Bundeswehr) seinen Dienst.

"Die Hauptwaffe ist eine neu entwickelte 120 Millimeter Kanone", heißt bei der Truppe. Hersteller des Geschützes ist der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall.

Mit der neuen "Glattrohrkanone L/55" schießt der "Leo 2 A6" bis zu 5 Kilometer weit.

Die Hightech-Geschosse verlassen das Rohr mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1385 Metern pro Sekunde. Das sind fast 5000 km/h.

Seine Ziele trifft er dabei aus voller Fahrt: Ein ausgeklügeltes System stabilisiert die Kanone.

Wenn der Kommandant es will, bleibt die Hauptwaffe automatisch auf das Ziel ausgerichtet.

In voller Bewaffnung wiegt das Fahrzeug mit Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze und Fahrer rund 55 Tonnen. Hinten im Turm schlummern dann bis zu 42 hochexplosive Granaten.

Der überschwerer Dieselantrieb von Motorenhersteller MTU schiebt den Panzer durch das Gelände: Dank des Aggregats im Heck kann der Fahrer fast aus dem Stand rund 1500 PS oder 1100 kW entfesseln.

Das treibt den Koloss bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von offiziell 72 km/h. Im inoffiziellen Truppenversuch sollen allerdings schon Geschwindigkeiten jenseits 100 Stundenkilometer erreichten worden sein - das allerdings nur auf befestigten Straßen.

Die Reichweite liegt bei etwa 450 Kilometern - mit einer Tankfüllung. Ohne Vorbereitungen kann das Stahlungetüm bauchnabeltiefe Gewässer durchqueren.

Mit einer Art Schnorchelaufsatz sind auch tiefere Furten kein Hindernis.

Ein Rundum-Periskop für den Kommandaten, eine Rückfahrkamera für den Fahrer und Nachtsichtgeräte für alle außer dem Ladeschützen machen den Panzer zu einer hochsensiblen Maschine.

Anschleichen? Zwecklos.

Falls ein ebenbürtiger Feind auftaucht, kann sich der Panzer hinter eine selbstgelegte Nebelwand zurückziehen.

Der Verkaufserfolg ist groß: Nach Herstellerangaben sind rund 3000 Panzer diesen Typs weltweit im Einsatz: "Vom Polarkreis über die Alpen und Anden bis an das Mittelmeer und den Pazifik", wie es bei KMW heißt.

Upgrades wie dieser spezielle Vorbau zum Schutz vor Minen sollen das Gefährt an die Bedingungen vor Ort anpassen.

Doch der Krieg insgesamt hat sich verändert. Die Szenarien von der offenen Panzerschlacht in Mitteleuropa sind Geschichte. Mit einer neue Version des "Leopard 2" versucht die deutsche Rüstungsindustrie Schritt zu halten.

Die Erfahrungen der US-Amerikaner im Irak und in Afghanistan zeigen: Herkömmliche Kampfpanzer sind dem asymmetrischen Krieg zwischen Hightech-Streitmächten und Aufständischen nicht gewachsen.

Im eng bebauten Umfeld verlieren die Besatzungen schnell den Überblick. Staub, Hitze, Hindernisse, Lärm und die schiere Größe machen selbst Kampfmaschinen wie den "Abrams" verwundbar.

Es ist das ungeschriebene Gesetz des Krieges: Jede Auseinandersetzung treibt die Entwicklung voran. Das Rad des Fortschritts dreht sich weiter.

Der neueste Wendung im Panzerbau? Laut KMW ist es das "Upgrade-Kit für das "sicherheitspolitische Umfeld des 21. Jahrhunderts". Es macht auf Wunsch aus jedem "Leo2" einen ...

... "Leopard 2 A7+": Jenes Modell, an dem Saudi-Arabien lebhaftes Interesse zeigt und das zum offenen Streit im Deutschen Bundestag führt.

Die wichtigsten Neuerungen des "2 A7+", einer Weiterentwicklung des "2 PSO" (für "Peace Support Operations"): Ein "Rundumschutz" gegen am Straßenrand versteckte Sprengkörper, ...

... eine Extra-Waffenstation auf dem Turmdach für Granatwerfer oder Maschinengewehr, ...

... ein Suchscheinwerfer, eine Zusatzkameras, ein Räumschild und optional auch eine "nicht-letale Bewaffnung", also zum Beispiel Tränengas.

Abgesehen von der verbesserten Panzerung, dem von innen bedienbaren Turm-MG, den erweiterten Beobachtungsmöglichkeiten für den Nahbereich und dem Hilfsaggregat für Strom und Klimaanlage, ist nichts davon wirklich neu.

Politisch brisant wird das umstrittene Panzergeschäft durch die Rolle Saudi-Arabiens im "arabischen Frühling": ...

... Deutschland kann das Auftreten der Saudis in Bahrein und die Unterdrückung von Menschenrechten im autoritäre Regime der Herrscher von Riad nicht ignorieren. Das verbieten nicht zuletzt die selbstgesetzten Ansprüche der deutschen Rüstungsexportpolitik.

Auf der anderen Seite winkt der deutschen Wirtschaft ein Milliardengeschäft. Am Bau des "Leopard 2" sind neben Krauss-Maffei Wegmann, MTU und Rheinmetall zahlreiche deutsche Zulieferunternehmen beteiligt.

Exportbeschränkungen für die deutsche Rüstungsindustrie gibt es allerdings aus guten Gründen.

Sie gehen auf äußerst leidvolle Erfahrungen aus der eigenen Geschichte zurück.

"Die Beachtung der Menschenrechte ist für jede Exportentscheidung von hervorgehobener Bedeutung", heißt es deshalb im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung vom Januar 2011.

Dies gelte "unabhängig davon, um welches mögliche Empfängerland es sich handelt", steht dort mit Hinweis auf die "politischen Grundsätze" geschrieben.

Rüstungsexporte würden grundsätzlich nicht genehmigt, wenn "hinreichender Verdacht" besteht, "dass das betreffende Rüstungsgut zur internen Repression oder zu sonstigen fortdauernden und systematischen Menschenrechtsverletzungen missbraucht wird."

(Quellen: BMWi, "Bericht der Bundesregierung über ihre Exportpolitik für konventionelle Rüstungsgüter im Jahre 2009", Bundeswehr, Stiftung Wissenschaft und Politik, Janes International Defence Review, Herstellerangaben, Panzermuseum Münster, AP, dpa, rts / Text: Martin Morcinek / Stand: Juli 2011)

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